Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Die Stimme droht einzurosten“ - Aussichten für Gemeindechöre

ÖHRINGEN – Das Singen hat in der Corona-Zeit stark gelitten. Wie ist es den Gemeindechören die vergangenen Monate ergangen und wie sind die Aussichten? Die Bezirkskantoren Jürgen und Ste- fanie Breidenbach ziehen im Gespräch mit Franciska Bohl Bilanz.

Chor Notenmappe. Foto: unsplash/ David Beale
Chor Notenmappe. Foto: unsplash/ David Beale

Wie steht es aktuell um die kirchlichen Konzerte bei Ihnen?

Jürgen Breidenbach: Mit der Stiftskantorei hatten wir am zweiten Advent eine Aufführung des Bach’ schen Weihnachtsoratoriums geplant, wir mussten sie kurzfristig schweren Herzens absagen. Ende Januar stand ein Konzert des Württembergischen Kammerchors auf dem Programm. Auch das fiel Corona zum Opfer. Ein Neujahrskonzert mit „Hohenlohe Brass“ konnte immerhin in deutlich reduzierter Form als Neujahrsgottesdienst stattfinden. Wir fangen jetzt erst langsam wieder an, langfristig zu planen. Unser erstes Konzert in diesem Jahr soll im März stattfinden, auch die Gottesdienste an Ostern rücken so langsam in den Fokus.

Wie hat sich die vergangenen knapp zwei Jahre, die von Corona geprägt waren, die Chorarbeit gestaltet?

Jürgen Breidenbach: Unser Seniorenchor hat als die am meisten gefährdete Gruppe seit zwei Jahren kaum gesungen. Es gab lediglich acht Proben, dann kam wieder die nächste Corona-Welle und alles musste unterbrochen werden. Getroffen hat man sich dann gelegentlich bei Spaziergängen. Bei älteren Menschen hat so eine lange Pause größere Auswirkungen. Sie leiden mehr unter Einsamkeit, die Stimme droht einzurosten. Nach Ostern wird es aber hoffentlich wieder richtig losgehen. In der Kantorei gab es mehrere Anläufe für Veranstaltungen, die dann aber immer wieder umgeplant und schließlich abgesagt werden mussten.

Gab es auch positive Entwicklungen in der Zeit?

Jürgen Breidenbach: Auf jeden Fall – jeder Chor hat ja seine gewohnten Routinen, die auch wichtig sind. Im Krisenfall ist dann plötzlich alles anders, aber aus der Not heraus entstehen auch gute Sachen. Wenn in den Gottesdiensten nicht gesungen werden durfte, haben in wechselnder Besetzung etwa acht Mitglieder der Stiftskantorei regelmäßig stellvertretend vor der Gemeinde gesungen. Dabei gab es immer wieder sehr schöne Momente. In der großen Stiftskirche in der Form aufzutreten, das hätten sich davor viele Sänger und Sängerinnen nicht zugetraut. Daran wollen wir weiter anknüpfen. Durch die erzwungenen Abstände war es in den Chorproben auch deutlich ruhiger und damit konzentriert er. (lacht)

Jürgen und Stefanie Breidenbach. Bezirkskantoren in Öhringen. Foto: PrivaJürgen und Stefanie Breidenbach. Bezirkskantoren in Öhringen. Foto: Privat

Jürgen und Stefanie Breidenbach hoffen, dass die Chöre bald wieder langfristig ihre Konzerte planen können. Foto: privat

 

Hat die Corona-Krise langfristige Auswirkungen auf die Chorarbeit?

Jürgen Breidenbach: Chöre, die schon vor Corona eher klein und älter waren, werden es wohl schwerer haben, wieder in Gang zu kommen. Es werden auch bei uns möglicherweise einige Mitglieder wegbleiben. Insgesamt bin ich jedoch optimistisch, dass auch nach der Pandemie der alte Zustand der Chöre wieder erreicht werden kann. Ich nehme bei vielen Chormitgliedern ein großes Bedürfnis nach Singen in verlässlicher Gemeinschaft wahr. Das macht Mut!

Wie ist die Lage bei den Kinder- und Jugendchören?

Stefanie Breidenbach: Wir haben in der Zeit, in der wir proben durften, unsere Chöre in kleine Gruppen aufgeteilt. Die Kleinsten sind fünf bis sechs Jahre alt, sie empfanden das ungewohnte Abstandhalten beim Singen anfangs noch als spannend. Und die Aufmerksamkeit war größer. Später wurde es schwieriger. Natürlich habe ich versucht, manches spielerisch anzugehen. Insgesamt kamen die Kinder mit den ungewohnten Umständen erstaunlich gut zurecht. Allerdings mussten fast alle Vorbereitungen für Gottesdienste und Konzerte kurzfristig abgesagt werden. Dennoch planen wir auch jetzt weiter und hoffen, dass der Landeskinderchortag in Öhringen im Juli stattfinden kann. □

◼ Kammermusik gibt es in der Stiftskirche Öhringen am 20. März, 19 Uhr. Platzreservierung unter Telefon 07941-648059.