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Die Tafel wird mobil - Tafelservice: Lieferung für Kranke

WEINSBERG – Die Frage, wie man Waren an den Kunden bekommt, beschäftigt nicht nur den Ein-zelhandel. Das gilt auch für die Tafeln – verhindern doch manchmal Scham, körperliche Beschwerden oder schlicht die Uhrzeit einen Einkauf vor Ort. Die Diakonische Bezirksstelle Weinsberg (DBS) ist deswegen dabei, einen Tafelservice mit Lieferung nach Hause aufzubauen.

Jessica Bajrami, Ehrenamtskoordinatorin für die Weinsberger Tafel, füllt die bestellten Tüten mit Produkten aus der Fahrtafel auf. Foto: Stefanie PfäffleJessica Bajrami, Ehrenamtskoordinatorin für die Weinsberger Tafel, füllt die bestellten Tüten mit Produkten aus der Fahrtafel auf. Foto: Stefanie Pfäffle

Es ist knackig kalt an diesem Dienstagmorgen in der Kanalstraße in Weinsberg. Das gut bestückte Tafelmobil ist bereits geparkt. Ein halbes Dutzend Ehrenamtliche kümmert sich um den Aufbau, bis um halb zehn Uhr der Verkauf losgeht.

Jessica Bajrami, Ehrenamtskoordinatorin für die Tafel im Weinsberger Tal, schnappt sich währenddessen drei bereits vorab gefüllte Tüten, schaut, ob noch etwas fehlt, und transportiert diese dann zur Bezirksstelle in unmittelbarer Nähe. „Wir haben Frauen, die zum Deutschkurs gehen. Der ist aber vormittags, genau wie das Tafelmobil, sie können also nicht einkaufen gehen“, erklärt Bajrami. Also können diese bei ihr eine Bestellung abgeben, sie gibt das nach Heilbronn weiter und dort werden die Tüten gepackt.

Diese Frauen sind nur eine potentielle Klientel für den Tafelservice. DBS-Geschäftsführerin Ursula Richter kann sich mehr vorstellen. Am 12. Dezember 2011 öffnete der Tafelladen in Weinsberg als neue Anlaufstelle für bedürftige Kunden im sehr weitläufigen Weinsberger Tal das erste Mal. Mit der Zeit wurden er und das angegliederte Diakonielädle immer wieder an die Bedürfnisse der Kunden angepasst.

Doch dann kam Corona. „Es war sehr schnell klar, dass wir mit den räumlichen Bedingungen vor Ort, die vorher schon schwierig waren, nicht wieder öffnen können“, erzählt Richter. Doch Weinsberg hat Glück, da der Kreisdiakonieverband genau zu diesem Zeitpunkt die lang angekündigte Fahrtafel mit seinem schicken Tafelmobil einsatzbereit hatte. Schon seit Jahren hatte Ursula Richter vor, ein mobiles Tafelangebot für die Menschen in Wüstenrot zu machen. Denn von dort ist der Weg zur Tafel nach Weinsberg zu weit. Flugs wurde aus der Not eine Tugend gemacht, der Laden geschlossen und die Fahrtafel mit drei Stationen in Weinsberg, Wüstenrot und Obersulm-Willsbach auf den Weg gebracht.

Für viele Kunden bedeutet das eine Verbesserung durch kürzere Wege. Bei anderen ist es schwieriger geworden, sind sie doch Wind und Wetter ausgesetzt. Ältere haben keine Sitzmöglichkeit, wenn sie länger warten müssen, bis sie dran sind. Dann ist da noch die von manchem empfundene Scham, dort einkaufen zu müssen, wo einen jeder im Ort sehen kann. „In Heilbronn sind wegen Corona viele zu Hause geblieben, deswegen wurde dort ein Lieferservicekonzept entwickelt“, erzählt die DBS-Geschäftsführerin.

In Weinsberg ist eine Ehrenamtliche am Start. Fehlen nur noch die Kunden. „Wir wissen, dass es sie gibt, aber wir müssen es noch schaffen, dass sie von dem Angebot etwas mitbekommen“, sagt Ursula Richter. Gehbehinderte, pflegende Angehörige, betreutes Wohnen – einfach jeder, der nicht gut aus dem Haus kann, ist ein möglicher Kunde.

In Heilbronn werden bereits die ersten Tüten für die Weinsberger Kunden gepackt. Da sind die Frauen aus dem Sprachkurs oder die Bewohner vom Lebenshaus, einer Einrichtung der Aufbaugilde für Langzeit-Suchtkranke, die ebenfalls vorab bestellen. Ein Fahrer holt die Tüten dann in Heilbronn ab.

Weil es noch wenige sind, geht das auch gut, dass die vorgepackten Einkäufe mit dem Tafelmobil kommen. „Aber wenn das mehr werden, ist dafür kein Platz. Deswegen ist eigentlich der Plan, dass wir ein separates, neutrales Fahrzeug haben“, sagt Bajrami.

Es gibt also noch viel zu tun. Die Verantwortlichen der Diakonischen Bezirksstelle Weinsberg sind überzeugt, dass das Angebot gut angenommen werden wird.

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