Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Wiege der Konfirmation

Auch in diesem Jahr werden in Württemberg wieder über 20.000 Jungen und Mädchen konfirmiert. Doch woher kommt eigentlich dieses Bekenntnis und warum wurde es eingeführt? Eine Spurensuche im hessischen Ziegenhain, wo 1539 die Konfirmation aus der Taufe gehoben wurde. 


Ziegenhain von oben: Die Form der alten hessischen Wasserfestung ist noch erkennbar. (Foto: Tourismus Rotkäppchenland)

Wieder taufen war ein gravierender Verstoß gegen die Gesetze der Zeit – nicht nur gegen jene des katholischen Kaisers, sondern auch gegen die der wichtigsten Strömungen innerhalb der Reformation. Martin Luther lehnte die Täuferbewegung ebenso ab wie sein Hauptkontrahent Zwingli in der Schweiz. Mit dem Reichstag von 1529 hatten die Landesfürsten das Recht erhalten, die Täufer mit dem Tode zu bestrafen oder auszuweisen.

Einer der Fürsten, der hier eine andere Strategie verfolgte, war Landgraf Philipp I. von Hessen. Der junge Adlige, der sein 14. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte, als er 1518 die Regentschaft übernahm, war durch eine Begegnung mit Philipp Melanchthon 1524 zum überzeugten Lutheraner geworden. Im Eilverfahren führte er 1526 die Reformation ein, im hessischen Homberg/Efze fand im gleichen Jahr die erste Synode der Welt statt.

Philipp tat alles, um das evangelische Lager zu einen. So stark wie möglich musste man sein, um dem katholischen Kaiser Paroli bieten zu können. Der hatte 1529 auf dem Reichstag erst wieder versucht, das Luthertum zu verbieten – und Philipp hatte mit mehreren anderen Fürsten offiziell dagegen protestiert. Protestanten wurden sie fortan deshalb auch genannt.

Im gleichen Jahr gelang es dem Landgraf von Hessen, die Hauptkontrahenten der Reformation in Marburg an einen Tisch zu bringen. Luther und Zwingli kamen tatsächlich, doch das Marburger Religionsgespräch brachte nicht die erhoffte Einigung. Dafür stand Philipp 1534 dem aus seinem Land vertriebenen Herzog von Württemberg in der Schlacht bei Lauffen erfolgreich zur Seite. Gleich danach führte Herzog Ulrich die Reformation in Württemberg ein. Wieder ein Mitstreiter mehr im Kampf gegen den Papst und Kaiser.

Auch der Konflikt mit den Täufern war Philipp ein Dorn im Auge. Eine erneute Schwächung für die Kräfte der Reformation. Dafür musste es eine andere Lösung als Ausgrenzung und Gewalt geben, zu viele Menschen sympathisierten mit deren Gedanken. Und war die Forderung nach einem bewussten Glaubensbekenntnis nicht irgendwo auch nachvollziehbar?

Philipp streckte seine Fühler aus nach einer Lösung und einem Menschen, der diese Lösung herbeiführen konnte. Schon vor einigen Jahren hatte der Straßburger Reformator Martin Bucer mit einer Idee auf sich aufmerksam gemacht. Konfirmation hieß sie, die Bekräftigung der Taufe, ohne sie in ihre ursprünglichen Form in Frage zu stellen. In Württemberg war er damit 1534 noch abgeblitzt, doch nun schien seine Stunde gekommen.

Bucer war ein Vertreter der oberdeutschen Reformation, die den Schweizern um Zwingli nahestand. Er galt als ein Mann des Kompromisses, der zeitlebens versuchte, die widerstreitenden Parteien zusammenzubringen. Wo Luther auf Konfrontation ging, wollte Bucer vermitteln. „Plappermaul“ hat ihn Luther deshalb einmal verächtlich auch genannt.

Ende 1538 hatte Martin Bucer auf Wunsch von Landgraf Philipp in Marburg mit inhaftierten Täufern gesprochen. Sie hörten ihm zu – und er ihnen. Daraufhin reiste Bucer zu Luther nach Wittenberg, um sich über die weitere Vorgehensweise abzustimmen. Doch der blieb bei seiner ablehnenden Haltung: Mit Täufern solle man nicht reden, sondern sie vertreiben. Keine Zugeständnisse an diese unheilvolle Sekte!

Daraufhin entschloss sich Philipp zu einem Alleingang mit Bucer. 1539 berief er in seiner Nebenresidenz in Ziegenhain eine Versammlung ein, der auch der bekannte hessische Reformator Adam Krafft angehörte. Was am Ende herauskam, sollte als „Ziegenhainer Zuchtordnung“ in die Geschichte eingehen: Ihr zentraler Bestandteil war ein öffentliches Bekenntnis der Jungen und Mädchen, mit dem sie ihren Glauben bekräftigen. Eine Tauferinnerung, aber keine zweite Taufe, eine Bestätigung des Sakraments, aber keine Infragestellung.

„Hier wurde die Konfirmation aus der Taufe gehoben.“ Dekan Christian Wachter mag diese Formulierung, weil sie für ihn den Kern trifft. Für seine Konfirmanden hat er vor zwei Jahren ein kleines Theaterstück geschrieben, in dem er die Versammlungsteilnehmer diskutieren lässt. „In unserem Land soll niemand nur wegen seines Glaubens hingerichtet werden“, sagt dabei Adam Krafft und ein Gerardus Noviamagus ergänzt, dass man ihnen im Namen des Herrn die Hand auflegen und sie konfirmieren soll. Wachter hat sich für die Auftritte sogar einen historischen Talar schneiden lassen, indem er aussieht wie ein Würdenträger aus der Zeit des landesherrlichen Kirchenregiments.

Es hat lange gedauert, bis man in Ziegenhain die Besonderheit der neuen Zuchtordnung erkannt hat. Zumeist ging es in dem 4000-Einwohner-Ort, der heute ein Teil von Schwalmstadt ist, nur um die große Wasserfestung. Auch die hatte Philipp ausbauen und anlegen lassen. In ihren Grundzügen ist sie noch heute erkennbar, das Schloss jedoch, wo die Konfirmation ausgeheckt wurde, nicht für die Öffentlichkeit zugänglich: Dort ist schon seit dem späten 19. Jahrhundert eine Justizvollzugsanstalt untergebracht. Eine ihrer prominentesten Insassen war der RAF-Terrorist Andreas Baader.

Am 23. April wird es in Ziegenhain nun erstmals eine Themen-Führung geben, die den Titel trägt: „Ziegenhain – Die Erfindung der Konfirmation“. Im Vorfeld des Luther-Jubiläums ist auch dort das Bewusstsein für die Ereignisse der Reformation gewachsen, in deren Verlauf Hessen eine ganz besondere Rolle zukommt. Von Ziegenhain aus sollte sich die Konfirmation in andere Teile der Landgrafschaft und der evangelischen Welt verbreiten.

Dass sie sich flächendeckend jedoch erst 200 Jahre später verbreitet (siehe auch Seite 7), liegt auch an Luther selbst: Denn ausgerechnet er sollte die Konfirmation zunächst ablehnen. Zu nah war sie ihm an der katholischen Firmung und zu wenig sah er ein, dass man etwas brauchte, um den Täufern entgegenzukommen.

Ein Kritikpunkt an den Täufern war auch ihre Befürwortung der Vielehe: Böse Zungen behaupten, dass Philipp auch deswegen mit ihnen sympathisierte, weil er 1540 selbst noch einmal heiratete, obwohl er bereits eine Ehefrau hatte (siehe auch Seite 9).

Von Luther hatte er sich dafür die Zustimmung geholt, die dieser ihm unter Bauchschmerzen und mit der Bitte um Verschwiegenheit gab. Das ganze flog auf und stürzte die Reformation eine Krise. Durchgesetzt hat sie sich schließlich doch – genauso wie die Konfirmation.

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