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Die Wurzeln von Robert Scholl

MAINHARDT (Dekanat Schwäbisch Hall) – Robert Scholl, Vater der berühmten Widerstandskämpfer Hans und Sophie Scholl, stand lange nicht im Zentrum des öffentlichen Interesses. Jetzt hat sich eine Arbeitsgruppe der Kommune und Kirchengemeinde mit dem Mann beschäftigt, der selbst lautstark gegen Hitler protestiert hatte. Der Grund: Sein Geburtshaus steht auf Mainhardter Gebiet.


Geburtshaus von Robert Scholl am Ortsrand von Mainhardt im Kreis Schwäbisch Hall. (Foto: Elvira Probst-Lipski)

Die Gemeinde Mainhardt im Kreis Schwäbisch Hall erstreckt sich über große Flächen. Neben dem Hauptort an der Bundesstraße 14 gibt es viele Wald- und Wiesengebiete. Dazwischen immer wieder eine Gruppe Häuser, in die Landschaft gestreute Weiler. So auch Steinbrück, das zum Teilort Geißelhardt gehört.

Überrascht steht man als Besucher vor einer großen Kirche, die förmlich über dem kleinen Ort thront. „Hier haben Robert Scholl und seine Lina im Jahr 1916 geheiratet“, erzählt Bernhard Glück, der ehemalige Ortspfarrer. Über winzige Sträßchen erreicht man Steinbrück, drei, vier Häuser, umgeben von Wiesen und Wald.

Ein kleines Haus am Ortsrand, auch heute von einer Familie bewohnt, ist das Geburtshaus von Robert Scholl. Das Haus ist unscheinbar, reparaturbedürftig und duckt sich in die Landschaft. Das rote Ziegeldach dominiert. Hinter dem Holzzaun liegt eine große Wiese. „Hier haben die Kinder der Scholls gespielt, wenn sie bei den Großeltern zu Besuch waren“, erzählt Bernhard Glück. Schnell wird klar, dass die Familie Scholl bescheiden und zurückgezogen gelebt hat. Trotzdem durfte Robert die höhere Schule besuchen.

„Mich hat die tiefe Religiosität der Familie Scholl schon länger beschäftigt, auch fasziniert“, sagt Glück. Robert Scholl, geboren 1891, sah den Ersten Weltkrieg aus kritischen Augen. Er fragte sich, wie Gott diese Katastrophe zulassen konnte. In Ludwigsburg lernte der als Sanitäter eingesetzte Scholl seine spätere Frau Lina kennen, eine Diakonisse. Sie verließ ihre Schwesternschaft und heiratete 1916 Robert Scholl, mitten im Krieg. Das Paar bekam sechs Kinder, darunter Hans und Sophie.

Robert Scholl wird als eckig und kantig beschrieben, er nahm kein Blatt vor den Mund, bezeichnete Hitler als Gottesgeißel und kam dafür ins Gefängnis. Als Bürgermeister in der Kochertalgemeinde Forchtenberg wurde er nicht wiedergewählt, die Gemeinde war von den Nazis dominiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete er mit Gustav Heinemann die Gesamtdeutsche Volkspartei. Robert Scholl starb 1973 in Stuttgart.

Hans und Sophie Scholl waren ihrer Zeit weit voraus. Mit Weitsicht und mit einem großen Drang nach Freiheit wandten sie sich energisch gegen Nazideutschland. Ihre Flugblätter polemisierten kritisch gegen die Machthaber im Dritten Reich. Dafür mussten sie 1943 sterben.

Die Mainhardter Arbeitsgruppe mit Bernhard Glück, Heike Nagel, Anja Knapp, Gabi Wieland-Schmierer, Werner Benz und Jürgen Feger befasste sich nicht nur näher mit dem prominenten Widerstandskämpfer Robert Scholl und seiner Familie. Sie errichteten auch in Sichtweite des Geburtshauses eine Stele zur Erinnerung an die berühmte Familie. Direkt am Limeswanderweg steht das Kunstprojekt aus Neuensteiner Sandstein mit einer applizierten weißen Rose aus Laaser Marmor, erschaffen von Steinmetz Walter Wieland. Die bürgerliche Gemeinde Mainhardt unterstützte und finanzierte das Denkmal.