Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Zeichen erkennen - Impuls zur Predigt

Lukas 21,27-31 Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume an: Wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass der Sommer schon nahe ist. So auch ihr: Wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist.

Von Gerlinde Feine

 

Gerlinde Feine, BoeblingenUnruhe im Himmel 

 

November 2010: ein typischer Samstagmorgen in einem Einkaufszentrum. Die Dekoration ist schon adventlich, „Jingle Bells“ klingen im Hintergrund, um den Kunden Lust zu machen auf Weihnachtseinkäufe. Erschöpfte Familien machen Pause an den Tischen bei den Imbissbuden im Foyer. Die Kinder quengeln. Es riecht nach Pommes und Döner.

Eine junge Frau steht auf, das Mobiltelefon am Ohr. Sie fängt an zu singen: „Hal-le-lu-ja! Hal-le-lu-ja! Halleluja, halleluja, halle-he-luja!“ Am anderen Ende der Halle antwortet ein junger Mann. Dann setzen die nächsten Stimmen ein, bis ein ganzer Chor volltönend das „Halleluja“ aus Händels „Messias“ singt. Es ist eines der bekanntesten Musikstücke überhaupt, festlich und mitreißend. Die Begeisterung darüber steht den Sängerinnen und Sängern ins Gesicht geschrieben.

© Foto: Privat

Geschickt haben sie sich zwischen der nichts ahnenden Kundschaft verteilt. Die aber reagiert ungläubig und staunend. Die Köpfe, eben noch übers Essenstablett gebeugt, heben sich, die Augen strahlen. Eine festliche Atmosphäre breitet sich aus, Weihnachtsvorfreude, wie sie die üppig verteilte Kaufhausdekoration niemals hätte erzeugen können. Kinder staunen. Große zeigen den Kleinen, was geschieht. Schließlich, mit dem letzten „Halleluja“-Ruf gehen alle Arme in die Luft, die der Sängerinnen und Sänger, aber auch die des Publikums.

Natürlich war dieses Ereignis, „Flashmob“ würde man heute sagen, gut und gründlich vorbereitet, und das Video, das anschließend um die Welt ging, hatte eine professionelle Tonspur. Trotzdem glaube ich dem „Publikum“ seine Überraschung und freue mich an seinem Staunen. Was all die Lichter-ketten und Girlanden nicht geschafft hatten, ist den himmlischen Klängen gelungen. Sie haben Weihnachtsstimmung verbreitet. Vorfreude auf das, was kommt.

Sehnsucht nach dem, der kommt. Früher, als noch nicht alles vermessen und berechnet war, haben die Menschen den Himmel und die Gestirne sehr genau beobachtet. Sie hatten acht auf die Zeichen der Natur. Nicht nur, weil sie viel mehr und existenzieller abhängig waren vom Wetter, sondern weil der Himmel für sie der Teil von Gottes himmlischen Palast war, in den sie hineinschauen konnten. Dort waren in der Vorstellung der Leute die Engel unterwegs, um Gott zu dienen. Wenn von Gottes Hofstaat Vorbereitungen getroffen wurden für etwas ganz Besonderes, dann war Unruhe im Himmel, und die musste man doch von der Erde aus erkennen können. Als dann so etwas außerordentlich Seltenes geschah wie die dreifache Konstellation zwischen Jupiter und Saturn im Sternzeichen der Fische, mit einem solch außergewöhnlich hellen Licht, da merkten die, die die Zeichen verstanden: Der neue König der Juden wird geboren. Und das Licht der Sterne führte die Weisen aus Babylon nach Bethlehem zum Kind in der Krippe, dessen Geburt die Engel mit lautem Halleluja bekannt gemacht hatten.

Der erwachsene Jesus kündigt neue Zeichen an. Wenn das Reich Gottes anbricht, so sagt er, dann wird wieder Unruhe im Himmel sein. Aber sie soll uns nicht Angst machen. Dafür steht der Feigenbaum. Er sagt, dass das Reich Gottes nicht mit Zerstörung, Frost oder Hagel kommt, so dass der Feigenbaum alle Blätter verlieren würde. Das Reich Gottes kommt wie der Sommer. Mit Wärme und Blütenpracht, mit nahrhaftem Obst und verführerisch süßen Feigen. Das Ende der Zeit bringt Gottes Nähe in Wärme und Freundlichkeit. Leben, nicht Tod. Es wird eine große Überraschung sein. Aber wer die Zeichen versteht, fängt an sich zu freuen. Strahlende Gesichter statt gesenkter Köpfe, fröhliche Lieder statt Ärger und Streit.

Vorbereitungen werden getroffen, denn es herrscht Unruhe in Gottes himmlischem Haus. Bald wird Christus kommen und uns Erlösung bringen wie der Sommer die süßen Feigen. Kinderaugen strahlen. Erwachsene vergessen To-do-Listen und Kontoauszüge. Ein Ruf geht durch die Welt: Halleluja!

 

 

Gebet

Guter Gott, lass uns die Zeichen der Zeit erkennen und merken, dass unsere Erlösung naht. Wir wollen sie anderen zeigen. Voller Freude warten wir darauf, dass du kommst und die Welt in Ordnung bringst. Amen.



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