Christliche Themen für jede Altersgruppe

Direkter Dienst am Nächsten - Freiwillige Helfer an der Corona Teststation

Zum Ende der Sommerferien kamen zahlreiche Reiserückkehrer nach Deutschland. Am Parkplatz Kemmental an der A8 war für sie eine Teststation eingerichtet. Die Arbeit dort wurde hauptsächlich von Freiwilligen geleistet. Eindrücke von einem Tag an der Autobahn.

 Daniel Sinn aus Ulm engagiert sich aus christlicher Überzeugung heraus an der Teststation. Foto: Brigitte ScheiffeleDaniel Sinn aus Ulm engagiert sich aus christlicher Überzeugung heraus an der Teststation. Foto: Brigitte Scheiffele

Innerhalb von 24 Stunden waren die Dienstpläne gefüllt, nachdem sich das Sozialministerium zum Aufbau einer zweiten Corona-Teststation an der A 8 auf dem Parkplatz Kemmental entschieden hatte. Für die Basis sorgte das Technische Hilfswerk Blaubeuren, parallel dazu organisierte das Deutsche Rote Kreuz Ärzte, medizinische Assistenten und Bürokräfte. Auch die Bundeswehr schickte Unterstützung. Ludwig Merkel, Einsatzleiter des DRK vor Ort, ist angetan von der Hilfsbereitschaft seiner Truppe und spricht auch nach sechs Tagen Einsatz von einer besonnenen und freundlichen Stimmung vor Ort.

„Ich bin Daniel Sinn“, stellt sich ein junger Mann aus Ulm vor. „Sinn, wie Wahnsinn oder Sinn des Lebens“, fügt er hinzu. Gerade ist seine Schicht beendet. Der Parkplatz an der A 8 zwischen Ulm und Merklingen wurde Ende August in ein Testzentrum verwandelt und ist komplett abgesichert. Leuchtende Hinweisschilder lenken den Verkehr schon auf der A 8 zur Station, Sicherheitspersonal und Polizei sorgen für einen geregelten Ablauf. 80 Helferinnen und Helfer des DRK sind eingeteilt in zwei Schichten. Von 6.30 bis 22 Uhr nehmen sie an Reiserückkehrern einen Abstrich für die SARS-CoV-2 Untersuchung vor. Daniel Sinn ist für den IT-Bereich zuständig. Auf die Frage, warum er sich hier engagiert, antwortet der 27-Jährige: „Aus Nächstenliebe.“ Das meint er ernst: Schon durch die Erziehung sei er christlich geprägt. Und das, wofür er sich beim DRK einsetze, sei für ihn direkter Dienst am Nächsten. Daniel Sinn spricht von „sinnvoller Tätigkeit, womit ich meinen Teil zu einer humanen Gesellschaft beitragen kann.“

Corona Teststation - Viele wollen vom Urlaub erzählen

Bernd Reicherts ist einer der Security-Mitarbeiter und kommt aus Kassel. Unermüdlich weist er, meist mit einem lockerem Spruch, Fahrzeuge ein. Sein regelmäßiger Hinweis in die heruntergelassenen Fahrzeugfenster: „Bitte Masken aufziehen.“ Auf die Frage: „Sind Sie Reiserück- kehrer?“, schwappt aus beinahe allen Fahrzeugen eine Urlaubsgeschichte: „Ja. Ich war auf der Zugspitze, in der Gondel waren 50 Leute.“ Reicherts bremst den Redeschwall, erklärt das weitere Vorgehen, übergibt den Erfassungsbogen für die Untersuchung und schleust das Fahrzeug in Richtung Teststation. Danach plaudern drei junge Herren im Luxuswagen von ihrer Reise nach Griechenland, aber nur einer will sich testen lassen. Ein Paar aus Ulm kommt von der Côte d’Azur. Aus Düsseldorf, Mainz, Heidenheim oder dem Stuttgarter Bereich stammen viele Heimkehrer, die Verwandte in Bosnien oder Kroatien besucht hatten. Dass die ganze Familie mal wieder zusammenkommt, das lasse sich nur im Urlaub über eine längere Zeit einrichten. „Jetzt ist die Sonne weg und das Geld auch“, ruft ein Familienvater bestens gelaunt, der mit Frau und Kindern zur Teststation kommt. Montag muss er wieder arbeiten und braucht das Testergebnis. Doch das könne bis zu 72 Stunden dauern, sagt ihm Reicherts, was die Stimmung etwas trübt. Mit „Fieber und Halsschmerzen seit längerer Zeit“ kommt ein Mann aus dem Allgäu und will heim nach Geislingen. Automatisch geht auch Reicherts einen Schritt zurück. Danach folgt eine Familie aus Ebersbach, zurück aus dem „plötzlichen Risikogebiet Kroatien“. Sie brauchen einen „Corona-Test für Papa und den Chef“.

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Heiter wirken sie, die Rückkehrer aus vielen südeuropäischen Ländern, noch bekleidet mit Trägershirts und sonnengebräuntem Gesicht. Viele nutzen die Chance des kostenlosen Tests, fragen aber sicherheitshalber nach dem Preis: „800 Euro bei mir, 400 Euro beim Kollegen da drüben und kostenlos bei denen, die es können: Fahren Sie ein Stück weiter zu den gelben Abstreifern“, sagt Reicherts mit einem Augenzwinkern.

Freiwillige Helfer arbeiten in der Teststation am Parkplatz Kemmental. Foto: Brigitte ScheiffeleFreiwillige Helfer arbeiten in der Teststation am Parkplatz Kemmental. Foto: Brigitte Scheiffele

Zuhören, freundlich sein, einweisen, manchmal korrigieren und Verständnis zeigen, das ist für alle die große Herausforderung. Steffi Ludwar, Kreisbereitschaftsleiterin des DRK Alb-Donau-Kreis, sagt: „Das, was die Leute hier tun, geschieht in ihrer freien Zeit.“ Zum Teil hätten sie sich Urlaub genommen, Rentner seien dabei oder Arbeitssuchende, Schichtarbeiter, Studenten an vorlesungsfreien Tagen und Krankenpfleger, die freie Tage opfern. Helfen sei ein Dienst am Nächsten und das geschehe „aus Liebe zum Menschen“ – was sich sogar ein Helfer auf seinen Unterarm tätowieren ließ.

Corona Teststation - Ein Test für Papa und seinen Chef

Gutes zu tun steht auch für die Katholikin und gelernte Kinderkrankenschwester im Vordergrund, die Verantwortung für 22 DRK-Ortsvereine im Kreisverband mit 840 aktiven Mitgliedern trägt: „Unsere Leute erbringen gerade eine irre Leistung“, fasst sie zusammen. Immer wieder gebe es ein Dankeschön: „Sogar bei 70 Minuten Wartezeit kam kein schlechtes Wort von den Autofahrern, sondern nur Lob.“

Allmählich meldet sich Reicherts Hunger. Schon kommen mit dem Cateringwagen die „wichtigsten Menschen der Stunde“, mit Essen. Scherzend lenkt er noch Angela Condello aus Stuttgart zum Abstrich, die ihren Urlaub im italienischen Cinque Terre verbracht hat. Auch sie will sicher gehen, dass sie unter die Leute kann, und scherzt mit Reicherts, der seit sechs Stunden spricht und spricht und spricht. Sozialwissenschaftlerin Katja Schnell am Sozialministerium in Stuttgart hat die Teststelle koordiniert und weiß, wie sehr sich die ehrenamtlichen Helfer, dazu Security und die Amtshilfe ins Zeug legen. Alle würden mehr arbeiten als sie müssten, was beeindruckend sei. Hinzu komme die Unterstützung der Alb-Donau-Klinikum GmbH.

Umhüllt mit Geschirrtuchmasken will sich eine Ulmer Familie testen lassen, die am Tag zuvor zu spät zur Corona-Teststation in Neuenburg kam. Und auch Helmut Kölle aus Geislingen hatte Pech am Stuttgarter Flughafen: Mit seinem Hänger am Fahrzeug fand er keinen Parkplatz, nachdem er seinen Urlaub in Südfrankreich nach einer Woche abbrechen musste – in jedem Fahrzeug eine neue Geschichte. Reicherts hat Feierabend, endlich kommt seine Ablösung. □

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