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Drei gehen ins Rennen - Landesbischöfin oder Landesbischof?

Die württembergische Landeskirche sucht eine neue Bischöfin oder einen neuen Bischof. Eine Frau und zwei Männer möchten die Aufgabe übernehmen. Jetzt haben sie sich erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Gewählt wird im Frühjahr.

2021. Kandidaten für das Amt Landesbischöfin/-bischof.  Ernst- Wilhelm Gohl, Viola Schrenk, Gottfried Heinzmann. Fotos: PrivatKandidaten für das Amt des Landesbischofs:  Ernst-Wilhelm Gohl, Viola Schrenk, Gottfried Heinzmann. Fotos: Privat

Eine Frau und zwei Männer kandidieren für das Bischofsamt in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Ins Rennen für die Wahl im Frühjahr gehen die Tübinger Studieninspektorin Viola Schrenk, der Chef des Diakoniewerks „Zieglersche“, Gottfried Heinzmann, und der Ulmer Dekan Ernst-Wilhelm Gohl. Sie stehen für unterschiedliche Richtungen des protestantischen Lebens in Württemberg und werden unterstützt von verschiedenen Gesprächskreisen, die in der Landessynode vertreten sind. Die drei Kandidierenden haben sich bei einer Pressekonferenz in Stuttgart vorgestellt.

Viola Schrenk steht auf Vorschlag der „Offenen Kirche“ auf der Liste. Der Gesprächskreis ist mit 31 Sitzen der stärkste in der württembergischen Landessynode. Die promovierte Theologin arbeitet derzeit als Studieninspektorin am Evangelischen Stift in Tübingen, dem Studienhaus der Landeskirche. Ihre Stationen im Pfarramt waren Waldhausen im Ostalbkreis, die Hochschulseelsorge in Schwäbisch Gmünd und das Vikariat im Dekanat Neuenbürg. Ihre Doktorarbeit hat die Theologin über die Anfänge der preußischen Judenmission geschrieben. Ehrenamtlich ist die 51-Jährige unter anderem stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Basler Mission Deutscher Zweig.

Kandidaten - Aus drei verschiedenen Richtungen

Für die 30 Sitze starke „Lebendige Gemeinde“ bewirbt sich Pfarrer Gottfried Heinzmann. Er wird außerdem vom Gesprächskreis „Kirche für morgen“ unterstützt, der 12 Sitze in der Synode hat. Der 56-Jährige ist Vorstandsvorsitzender der „Zieglerschen“. Das Diakoniewerk in Oberschwaben hat 3500 Mitarbeiter an 60 Standorten zwischen Stuttgart und dem Bodensee. 2008 bis 2017 leitete er das Evangelische Jugendwerks in Württemberg. Heinzmann stammt aus Neuenstadt am Kocher. Nach dem Theologiestudium absolvierte er sein Vikariat in Westheim und war von 1996 bis 2007 Pfarrer in Filderstadt-Sielmingen. Er ist in Kirchengemeinden bekannt durch Liedtexte, die er zur Jahreslosung gedichtet hat.

Der Gesprächskreis „Evangelium und Kirche“ (17 Sitze) geht mit seinem Sprecher Ernst-Wilhelm Gohl in die Wahl. Gohl ist seit 2006 Dekan des Kirchenbezirks Ulm und gleichzeitig Seelsorger am Ulmer Münster. Der 58-Jährige ist ausgebildeter Rettungssanitäter und hat Theologie in Tübingen, Bern und Rom studiert. Nach dem Vikariat blieb Gohl im Pfarramt in Böblingen, es folgte bis 2006 eine Pfarrstelle an der Stadtkirche Plochingen. Gohl ist seit 14 Jahren Mitglied der württembergischen Landessynode als direkt gewählter Theologe des Wahlkreises Blaubeuren-Ulm.

Bei der Vorstellungsrunde stellten sich die drei Kandidaten den Fragen der Journalisten und von Dan Peter, dem Pressesprecher der Landeskirche. Ernst-Wilhelm Gohl sagte, die von der Landeskirche beschlossenen Prozesse sollten zügig umgesetzt werden, damit sich die Kirche wieder auf ihre eigentlichen, geistlichen Aufgaben konzentrieren könne. Bei diesen Prozessen solle „ein hohes Maß an Beteiligung und Transparenz“ herrschen und die Bedürfnisse der Gemeinden auf dem Land und in der Stadt gleichermaßen berücksichtigt werden. Zu möglichen Sparmaßnahmen in der Landeskirche sagte er, dass man sich wohl künftig nicht mehr alle Tagungshäuser leisten könne. Außerdem sprach er sich für eine engere Zusammenarbeit mit der badischen Nachbarkirche aus. Der Dekan kritisierte zudem ein Zuviel an öffentlichen Verlautbarungen der Kirche und forderte, sich nur theologisch begründet zu äußern.

Viola Schrenk möchte das Amt mit „frohem Wagemut, Gottvertrauen und Humor“ ausüben. Sie sagte, Kirche solle alle Lebensalter und Lebensformen schätzen und in ihren Strukturen leichter werden. In ihren Augen ist es die größte Herausforderung, bei weniger Ressourcen gute kirchliche Arbeit zu machen. Dazu brauche es den Mut, manchmal auch „gegen Anschein und Vernunft“ etwas Neues mit Gottvertrauen zu wagen. Als wichtige Aufgabe der Zukunft betrachtet sie einen kirchlichen Beitrag zum Klimaschutz, weil die Bewahrung der Schöpfung ein biblischer Auftrag sei.

Wahl - Zwei Drittel der Stimmen sind nötig

Gottfried Heinzmann möchte Spaltungen überwinden, „Vertrauen und Zuversicht in die Welt tragen“. Er hält es für notwendig, „in unsicheren Zeiten aufzubrechen – als Kirche und Gesellschaft“. Er erkenne in der Kirche eine „Start-up-Mentalität“, wo neue Dinge ausprobiert würden. Als Vorstandsvorsitzender der „Zieglerschen“ sei es seine wichtigste Aufgabe, die Menschen zusammenzuhalten – das wolle er auch als Bischof tun.

Eine Frage zielte darauf ab, ob denn nicht erstmals eine Frau das Bischofsamt bekleiden solle. Viola Schrenk antwortete, es wäre am besten, wenn sich die Frage nach Mann oder Frau gar nicht stellen würde. Die Wahl soll bei der nächsten Frühjahrssynode am 17. März 2022 in Stuttgart stattfinden. Gewählt ist ein Kandidat, wenn er die Stimmen von zwei Drittel der Mitglieder der Landessynode erhält. Das sind 60 Stimmen, denn derzeit hat die Synode 90 Mitglieder. Die Amtszeit des Landesbischofs endete bisher spätestens mit dem 68. Lebensjahr, nun nach zehn Jahren. Eine Wiederwahl ist möglich. Am 24. Juli 2022 soll Landesbischof Frank Otfried July entpflichtet und die neue Bischöfin oder der neue Bischof eingeführt werden. □

◼ Die drei Kandidierenden stellen sich auch in einem kurzen Film auf www.kirchenfernsehen.de vor.

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