Christliche Themen für jede Altersgruppe

Drucken wie Gutenberg - Bibliorama Stuttgart

STUTTGART – Wie viele Lettern passen auf eine Seite der Gutenberg-Bibel? Wie hieß Johannes Gutenberg wirklich? Welche Bibelübersetzung hat er verwendet? Wer die Ausstellung „Als die Lettern laufen lernten“ im Bibliorama Stuttgart besucht, bekommt die Antworten.

Bibliorama Stuttgart. Die Besucher können drucken wie in Gutenbergs Tagen. Foto: Brigitte Jähnigen

Die Sonderausstellung vermittelt Wissen, weckt nostalgische Gefühle, weist den Weg zum angesagten Handlettering, dem schönen Schreiben mit der Hand, und in die neue mediale Welt mit Bibel-App und Musik-App. Eines der Glanzstücke der Präsentation ist eine Druckerpresse. „Die letzten viereinhalb Jahre stand sie in der Ecke, nun ist sie der Mittelpunkt dieser Sonderausstellung“, erklärt Franziska Stocker-Schwarz, die Leiterin des Museums Bibliorama.

Bibliorama - Sonderausstellung zu Johnnes Gutenberg

Gerade steht Besucherin Julia vor der genannten Spindelpresse. Gleich wird sie einen Text drucken, der mittels einer gefärbten Druckform auf einen Stoff übertragen wird. „Es macht Spaß, so zu drucken wie die Menschen vor einigen hundert Jahren“, sagt Julia.

Damals, 1452 bis 1454, druckte Johannes Gutenberg die Bibel in lateinischer Übersetzung. Er lebte zirka 1400 bis 1468 in Mainz, gilt als Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern und der Druckerpresse und hieß eigentlich Johannes Gensfleisch. In einem Brief vom März 1455 beschreibt Enea Silvio Piccolomini, der spätere Papst Pius II., dass er in Frankfurt eine gedruckte Bibel gesehen habe, „in höchst sauberer und korrekter Schrift“. Das schöne Stück war als Exemplar in einer Auflage von 158 und in einer von 180 Exemplaren gedruckt worden.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Nachträglich durchgeführte Experimente legen nahe, dass man im Gutenbergischen Verfahren am Tag bis zu 3600 Druckseiten herstellen konnte, im Vergleich zu den allenfalls 40 in der damals üblichen Handdrucktechnik. Und noch früher waren es wenige bestens ausgebildete Mönche und Nonnen in Klöstern, die das Wort Gottes in Handarbeit schrieben.

„Der Mehrwert der neuen Drucktechnik, bei der Matrizen in ein Gießgerät eingelegt wurden, lag darin, dass man an einem Tag mehr drucken konnte, als man früher in einem Jahr abzuschreiben in der Lage war“, sagt Franziska Stocker-Schwarz. Somit waren die technischen Möglichkeiten für einen Massenartikel geschaffen. Der Buchdruck wurde zur Grundlage der heutigen Wissensgesellschaft, trug zur Entfaltung der Wissenschaften bei und darf als Medienrevolution gewertet werden.

Gutenberg Bibel - auch ein Faksimile ist kostbar

Ein eher unscheinbares Objekt der Stuttgarter Ausstellung ist ein Handgießgerät. Es bildete den Kern von Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks. Mittels des Handgießinstrumentes ließen sich bewegliche Bleilettern rasch und passgenau in großen Mengen herstellen, „eine Schlüsselvoraussetzung für die Wirtschaftlichkeit des ganzen Buchdrucks“, sagt die Leiterin des Biblioramas.

„Das Original der Erstausgabe der Bibel der Württembergischen Bibelanstalt kann in einer Vitrine bewundert werden.“ Mit diesen Worten macht Franziska Stocker-Schwarz Lust auf die Ausstellung. Von der Gutenberg-Bibel ist ein Faksimile des ersten Teilbandes zu sehen. „Wenn wir das Original der Gutenberg-Bibel hier haben wollten, bräuchten wir eine Schatzkammer, eine Alarmanlage und eine Verbindung zur Rufbereitschaft der Polizei“, sagt die Theologin. 1987 sei zum letzten Mal eine Gutenberg-Bibel von einem Sammler in den USA verkauft worden. Der Preis für den ersten Teilband: 3,9 Millionen Dollar. Auch ein Faksimile ist so kostbar, dass Franziska Stocker-Schwarz es nur mit Handschuhen berührt.

Eine Kopie der Gutenberg-Bibel im Bibliorama. Foto: Brigitte Jähnigen

Übrigens: Auf eine Seite der Gutenberg-Bibel gehen etwa 2600 Zeichen. Infolgedessen musste jeder Setzer 7600 Buchstaben zur Verfügung haben. Eine „Seite“ lag im Kasten, eine Seite hatte der Drucker in seiner Presse und eine Seite hatte ein fachkundiger Geistlicher zur Korrektur. Insgesamt standen den Setzern über 46 000 Buchstaben zur Verfügung. Alle diese Lettern wurden mit dem kleinen Handgießgerät gegossen. Eine Arbeit, die etwa zwei Jahre Vorlaufzeit beanspruchte.

◼ „Als die Lettern laufen lernten“ Mehr hierzu im Internet unter www.bibelmuseumstuttgart.elk-wue.de

 

Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen