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Düstere Zukunftsvision

Noah als Vegetarier und die Geschichte der Arche als Sintflut-Epos: Im Film „Noah“, der jetzt in die Kinos kam, tritt die Hauptfigur als durchaus moderner Mahner und Warner auf, der Nachhaltigkeit und Bescheidenheit predigt. Die Welt dieser Bibeladaption ist düstere Zukunftsvision. 

Noah wird im gleichnamigen Film als Action-Held dargestellt.
(Foto: Paramount Pictures)


Anders als in den Bibelfilmen der 50er- und 60er-Jahre gibt sich der neue Film „Noah“ gar nicht erst den Anschein des Historischen und setzt auch nicht auf religiöses Pathos, sondern nimmt sich die Freiheit, die Geschichten um Fantasy-Elemente zu bereichern und sie somit in die Nähe der Comic-Blockbuster zu rücken.

In „Noah“ sind das beispielsweise die „sechsarmigen Engel“. Sie werden während Vorspanns etabliert als in Fels gefangene Lichtgestalten – erst als vermeintliche Bösewichte, dann als loyale Bewacher von Noahs Baustelle.

Trotzdem ist „Noah“ alles andere als ein Comic-Film. Der Regisseur Darren Aronofsky geht hier durchaus mit heiligem Ernst zur Sache und verfolgt mindestens drei erzählerische Strategien. Die erste – das Spiel mit tricktechnischem Pomp und fantastischer Überzeichnung – mag dem Kommerz geschuldet sein. Die zweite, interessantere aber läuft dem fast zuwider. Sie besteht darin, Noah (Russell Crowe) als Gottes ersten Öko zu interpretieren, als einen Mann, der Nachhaltigkeit und Bescheidenheit predigt und mit seiner Familie das Leben eines Aussteigers führt. Er ist im Einklang mit der Natur, und selbstverständlich ernährt er sich vegetarisch.

Sehr aktuell und zeitgemäß ist diese Figur also, ein Mahner und Warner, der uns genauso anspricht wie seine Zeitgenossen. Aronofsky inszeniert die Welt als verwüstete Zivilisation, die ihren Zenit überschritten hat und unter den Folgen von Fortschritt und Ausbeutung ächzt.

 Die Apokalypse steht nicht nur bevor, sie liegt eigentlich bereits hinter den Menschen, und fast wirkt es, als sei dies ein futuristischer Film: mit Noah als Mad Max, der sich gegen postindustrielle Barbaren, angeführt vom hübsch grauenvollen Ray Winstone, zur Wehr setzen muss. Vielleicht, sagt Aronofsky, schauen wir hier gar nicht in unsere Vergangenheit, sondern in unsere Zukunft.

Aronofskys dritte Strategie setzt diesem modernen Ansatz ein eher konservatives Bild entgegen: das des gestrengen, gottesfürchtigen Kreationisten Noah. Seiner Familie erzählt er, wie Gott die Welt in sechs Tagen erschuf, und Aronofskys Kamera illustriert diese Welt-Werdung mit spektakulären Zeitrafferbildern und Trickmontagen. Im letzten Akt auf der Arche, verzichtet der Regisseur weitgehend auf physische Konfrontation. Lieber widmet er sich einem wahrhaft gewaltigen moralischen Konflikt.epd 

Information
In welchen Kinos und zu welchen  Terminen der Film „Noah“ in Ihrer Nähe zu sehen ist, erfahren sie im Internet unter www.cinema.de/kino/kinoprogramm/. Eine Vorschau zum Kinofilm, Videos, Bilder und weitere Informationen zum Film gibt es unter www.noah-derfilm.de