Christliche Themen für jede Altersgruppe

Durch Mark und Bein - Impuls zur Predigt

Hebräer 4,12 Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.

 

Durch Mark und Bein

Impuls für den Sonntag Sexagesimä: Hebräer 4,12-13.

Von Dajana Römer

Dajana Römer ist Pfarrerin in Ludwigsburg-Oßweil und Fachbuchautorin. Foto: Privat

Es gibt Worte, die gehen durch Mark und Bein. Worte, die uns im Innersten treffen. Worte, die uns noch Jahre später verfolgen. Solche Worte sind lebendig, kräftig und schärfer als jedes Schwert. Die Dichterin Hilde Domin beschreibt sie so: „Besser ein Messer als ein Wort. Ein Messer kann stumpf sein. Ein Messer trifft oft am Herzen vorbei. Nicht das Wort.“

Worte scharf wie Klingen. Ein Vergleich, der uns zuallererst an böse Worte denken lässt, in der Wut gesprochen, ausgewählt, um zu verletzen. „Schwarze Worte“, wie Domin sie nennt. Jeder und jede von uns wird sich an solche Worte erinnern. Solche, die uns entgegengeschleudert wurden, um uns zu beschämen und klein zu machen. Und solche, die wir anderen zugemutet haben. Worte die wir, kaum ausgesprochen, am liebsten sofort zurückgenommen hätten. Nur um zu merken, dass das unmöglich ist. Ein Wort, einmal geäußert, lässt sich nicht wieder einfangen. Kein noch so schönes Wort, hinterhergeschickt, kann die Wirkung rückgängig machen, die das erste, das böse Wort, erzielt hat. Es gibt Worte, die gehen durch Mark und Bein.

Im Hebräerbrief wird das Wort Gottes als ein solches beschrieben: scharf, kräftig und durchdringend wie ein Schwert. Und doch ist es ganz anders als das „schwarze Wort“, von dem Hilde Domin spricht. Das Wort Gottes macht den Menschen nicht klein. Es beschämt nicht. Es beleidigt nicht. Trotzdem trifft es uns tief in Herz und Seele. Gottes Wort verändert, es bewegt. Wo das schwarze Wort uns lähmt, da macht das Wort Gottes lebendig.

Manche Worte treffen auf weiche, verletzliche Stellen in uns. Es sind die richtigen Worte zur richtigen Zeit. Zeiten der Trauer oder Sorge, des Zweifels oder der Einsamkeit, in denen das tröstliche Wort Gottes sich wie Balsam für unsere Seele anfühlt.

Andere Gottesworte empfinden wir als fremd. Meine Konfirmandinnen und Konfirmanden sollten einmal zu ausgewählten Jesusworten Stellung nehmen. Mit einigen Sätzen hatten sie große Schwierigkeiten. „Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen“ (Lukas 6,27) war einer davon. Auch wenn sie diesen Worten nur schwer zustimmen konnten, bin ich mir sicher, dass sie ihnen nachgegangen sind, sie zum Nachdenken angeregt wurden.

Gottes Wort macht lebendig

Zur Lebendigkeit von Gottes Wort gehört neben seiner Vielschichtigkeit ebenso seine Kraft. Es entfaltet dort seine Kraft in uns, wo wir es angenommen haben, wo wir es verinnerlicht und als wahr erkannt haben. „Ich habe dich je und je geliebt“ (Jeremia 31,3). „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein“ (Jesaja 43,1). Wenn wir uns so von Gott geliebt fühlen, werden wir aus dieser Kraft schöpfen können und uns von Gott getragen wissen.

Gleichzeitig wird Gottes Wort als Richter der Gedanken und der Emotionen in uns laut werden. Es erinnert uns daran, dass wir dem Bild, das Gott von uns hat, entsprechend handeln sollen. Wenn wir es nicht geschafft haben, Streit zu vermeiden, wenn wir Öl ins Feuer gießen statt zu deeskalieren, dann schärft Gottes Wort uns ein: Geh einen Schritt zurück. Besinne dich auf das, was du als richtig und gut erkannt hast: „Liebe deinen Nächsten“ (Galater 5,14), „Selig sind, die Frieden stiften“ (Matthäus 5,9).

Gottes Wort macht lebendig. Es tröstet und provoziert. Es ermutigt und ermahnt. Es geht durch Mark und Bein.

Typewriter. Schreibmaschine. Foto: pixabay/M. MaggsFoto: pixabay/M. Maggs

 

Gebet

Lebendiger Gott, schenke uns das richtige Wort zur richtigen Zeit.

Wärmende Worte für Frierende im kalten Wind der Zeit.

Ermutigende Worte für Sorgenvolle mit Hoffnung und Zukunft gefüllt.

Kräftige Worte für Zaghafte im lauten Diskurs.

Lebendige Worte voller Kraft, aus deinem Mund einander zugesagt.

Amen.

 

Dajana Römer ist Pfarrerin in Ludwigsburg-Oßweil und Fachbuchautorin.