Christliche Themen für jede Altersgruppe

Durst auf Leben - Impuls zur Predigt

Johannes 7,37-38 Aber am letzten, dem höchsten Tag des Festes, trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen.

 

Durst auf Leben

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Exaudi: Johannes 7,37-39.

Von Jens Keil

Jens Keil ist Pfarrer in Remseck- Aldingen.

Wie viele Juden pilgerte Jesus zum Laubhüttenfest nach Jerusalem. Für sieben Tage verlassen im Herbst auch heute noch Menschen jüdischen Glaubens die sicheren vier Wände und leben in selbstgebauten Hütten. Sie erinnern sich an die Zeit, als Israel unterwegs war in das gelobte Land, den Elementen ausgesetzt und angewiesen auf Gottes Führung. Aber es ist auch ein Erntedankfest. Fröhlich dankt man Gott für die Ernte und bittet um Regen. Im Tempel gossen Priester Wasser aus der Siloahquelle über den Altar, welches sie geschöpft und in einer Prozession feierlich durch Jerusalem getragen haben.

Jens Keil, Pfarrer Remseck Aldingen. Foto: KirchengemeindeAuch wir haben sichere Wände verlassen müssen – im übertragenen Sinne, denn viele haben im letzten Jahr viel Zeit in den eigenen vier Wänden verbracht. Mehr als sonst aber fühlen wir uns ausgesetzt: Dem Virus, der Politik und den eigenen Ängsten. Vieles ist unsicher und manches nicht machbar. Dazu kommt, dass wegbrach, was bisher getragen hat: Gemeinschaft, selbstgestaltete Freizeit und verlässlicher Alltag. Wir sind durstig.

Jesus nimmt das Bild des Wassers nicht zum ersten Mal auf. Das ist nicht verwunderlich, lebte er doch in der jüdischen Glaubenswelt. So zeigte Gott in einer Vision dem Propheten Hesekiel einen Strom, der sich aus dem Tempel über die Welt ergießt und sogar das Tote Meer „gesund macht“ (Hesekiel 47,8).

Jesus begegnet unserem Durst. Als Mensch teilt er unser Leben und weiß, dass zu leben immer bedeutet, ausgesetzt zu sein und mit den Unvollkommenheiten und Brüchen des Lebens zurecht zu kommen. Sein Angebot: Die durststillende und überfließende Kraft des Glaubens an ihn als Gottes Gesicht der Liebe.

Nun wäre es vermessen zu behaupten, aller Durst eines frommen Menschen wäre gestillt. Das ist nicht möglich, bleiben doch auch Christen Teil dieser Welt.

Doch der Vorgeschmack auf das Kommende wirkt schon im Hier und Jetzt: Kraft, den Zerbrechlichkeiten des Lebens zu begegnen; Liebe, auch über Grenzen hinweg; ein Ziel des Lebens und Aufgaben im Alltag; sein österliches Versprechen, dass am Ende auch der letzte Lebensbruch nur eine Episode ist; – und all das umfangen von dem Zuspruch, dass ich sein geliebtes Kind bin.

Jesus begegnet unserem Durst

In den Momenten, wo unser Glaube stark ist, vermag das dem Durst die Schärfe zu nehmen. Wir finden Spiel-räume, unser Leben zu gestalten, anstatt im Hader und der Angst zu erstarren.

Auch im vergangenen Jahr lassen sich solche Momente finden. Da waren Kirchengemeinden, die sich erstaunlich schnell und gut mit Gottesdienstübertragungen im Internet anfreundeten. Der Gottesdienst im Grünen wurde von der Ausnahme zur Regel. Gebetsgemeinschaften durch eine gemeinsame Hausandacht. Offene Kirchen. Es gab Gelegenheit zur Rücksichtnahme und konkreten Solidarität. So mancher Konfirmand genoss es, sein Auswendiggelerntes nur im kleinen Rahmen vortragen zu müssen.

Das sind nur wenige Beispiele, wie Glaube und Kirche neue Wege fanden, um dem Durst der Menschen zu begegnen. Ehren- und Hauptamtliche fanden neue Aufgaben und engagierten sich, Kirche in der Pandemie lebendig werden zu lassen.

Möge es uns bald vergönnt sein, dass wir dankbar zurückblicken auf eine Wüstenwanderung, durch die uns Gott begleitet hat und so manchen Durst erträglich machte.

 

man walking on desert. Foto: nathan mc bride, unsplashFoto: nathan mc bride, unsplash

Gebet

Du unser Gott, auf den Durststrecken des Lebens bist du uns nah.

Heile unsere Wunden.

Öffne unsere Augen für deine Gaben.

Lass uns erkennen, wo wir gebraucht werden.

Gib uns Kraft zum Leben.

Amen.

 

Jens Keil ist Pfarrer in Remseck- Aldingen.