Christliche Themen für jede Altersgruppe

Echte Gnade - Impuls zur Predigt

Epheser 2,4-8 Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet –; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.

 

Echte Gnade

Impuls zum Predigttext für den 11. Sonntag nach Trinitatis: Epheser 2,4-10.

Von Frank Bendler

Frank Bendler ist Pfarrer in der Auferstehungskirchengemeinde Heidenheim.

Der 11. Sonntag nach Trinitatis steht ganz unter dem Zeichen der Gnade. Auch der Abschnitt aus dem Epheserbrief lebt von der Gnade. Das Wort hat ja an und für sich einen guten Klang. Aber trotzdem fühle ich immer einen leichten Beigeschmack. Woran liegt das? Gnade kann etwas Herablassendes haben, wo sich jemand zu einem anderen herabbeugt. Gnade kann gönnerhaft wirken, wo jemand nicht nur ein, sondern zwei Augen zudrückt. Und Gnade kann mit Stolz vor sich hergetragen werden, wenn man wie einstmals Helmut Kohl von seiner Gnade der späten Geburt spricht und somit nicht belangt werden kann für das, was davor war. In diesem Sinn macht Gnade mich nicht froh. Mit ihr kann man den abspeisen, der sonst nichts mehr zu bieten hat. Gnade, die fällt so nebenbei ab.

Pfarrer Frank Bendler. Foto: PrivatAuffallend ist, dass einem beim griechischen Fremdwort „Chari“, das es für Gnade gibt, ganz andere Gedanken kommen. Wenn man sagt, der oder die hat Charisma, dann steckt darin Ausstrahlung, Charme und Überzeugung. Wenn einer also Charismen erhält, dann wird er nicht mit einem Almosen weggeschickt, sondern mit dem Besten ausgestattet, das es gibt. So kann ich schon besser die Gnade, die Gott gibt, verstehen.

Reich beschenkt

Natürlich gibt es dann auch noch Christen, die sich gern damit hervortun, wie viel Geist ihnen gegeben ist. Manchmal scheint es, sie stünden damit über allen Dingen. Im Epheserbrief dagegen lesen wir: Nicht aus euch habt ihr die Gnade. Wer meint, er sei von Gott besonders bedacht worden und sich damit rühmen will, der ist auf dem Holzweg. Es ist keine Auszeichnung und kein Orden, den ich mir an die Brust hefte: Schaut her, ich stehe in der Gnade Gottes. So funktioniert das nicht. Wer so denkt, der ist noch in der alten Auffassung verhaftet, die von Geltungsdrang, Ehrsucht, Egoismus und Eitelkeit getrieben ist. Das ist das Leben der Hochmütigen. Und der Schreiber des Briefes sagt von sich, dass er selbst früher so gewesen ist. Begierden des Fleisches nennt er es, wo man mit allen Mitteln versucht aufzutrumpfen und sich im allerbesten Licht darzustellen. Kann man sie leugnen, diese allzu menschliche Eigenschaft sich hervorzutun, sich zu präsentieren? Muss man es nicht denken bei all den Politikerinnen und Politikern, die jetzt im Wahlkampf auf den Plakaten für sich werben? Aber eben nicht nur sie. Wie komme ich an? Wie gelte ich was? Wie zeichne ich mich aus?

Diese Fragen sind allgegenwärtig.

Der Mensch, dem Gott Gnade gibt – und eben Fülle, Freude, Eins-sein mit sich – der ist gerettet von ständiger Selbstinszenierung. Der ist auch gerettet von der Angst, ein Niemand zu sein. Denn wer Gottes Gnade erhalten hat, der ist reich beschenkt. So sehr, dass er sich fühlt, als sei er mit Christus im Himmel.

unsplash/Agnieszka BoeskeFoto: unsplash/Agnieszka Boeske

Gebet

Herr, du machst mich frei, indem du mir deine Gnade schenkst. Ich muss auf nichts anderes bauen.

Alle Angst, zu wenig zur Geltung zu kommen, nimmst du mir ab.

Herr, du machst mich reich mit dem, was du gibst.

Amen