Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein Boot, das sich Gemeinde nennt - Impuls zur Predigt

Matthäus 14,22-33 (in Auszügen) Das Boot aber war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen. Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem Meer. Er sprach: Seid getrost, ich bins; fürchtet euch nicht! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, rette mich! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn.

 

Ein Boot, das sich Gemeinde nennt

Impuls zum 4. Sonntag vor der Passionszeit: Matthäus 14,22-33.

Von Christoph Fritz

Christoph Fritz ist Pfarrer in Friolzheim und Wimsheim. Foto: Privat

Christoph Fritz ist Pfarrer in Friolzheim und Wimsheim. Foto: PrivatBis vor zwei Jahren war alles noch so schön gewesen. Zwar verklärt sich die Vergangenheit, aber aufs Ganze gesehen war das Boot mit den zwölf Männern tatsächlich relativ ruhig über das Wasser geglitten. Doch dann war er gekommen, der Sturm. So ein heftiges Unwetter hatten sie noch nie erlebt. Gleich die erste Welle traf das Boot mit voller Wucht. Einfach alles wurde durcheinandergewirbelt. Im Boot machte sich eine Schockstarre breit. Als sie sich langsam löste, warfen Matthäus und Bartholomäus ihren Glauben über Bord. Der Finanzexperte Judas sah in der hohen Welle die Einnahmen sinken; und so reifte in ihm die Überzeugung, dass man die Besatzung zeitnah verkleinern sollte. Konkret schlug er vor, Simon Kanaanäus und Thaddäus aus dem Boot zu werfen. Mit der zweiten und dritten Welle stellte sich im Boot dann eine gewisse Routine ein: Andreas hatte die Idee, die neuen Medien verstärkt zu nutzen, und so warf er eine Flaschenpost nach der anderen ins Wasser. Jakobus und Johannes machten ihrem Beinamen Donnersöhne alle Ehre und ruderten wie wild, um der Welt da draußen zu zeigen: Die Kirche ist und bleibt system- beziehungsweise. existenzrelevant. Leider ruderten sie auf der Stelle, da sich ihre vielen tollen Ideen aufgrund ständig neuer Bootsverordnungen nicht umsetzen ließen. Aber immerhin: Sie taten etwas.

Bei den anderen erhellte sich die Gemütslage erst mit dem Abebben der dritten Welle. Ihren Höhepunkt erreichte die Stimmung, als Philippus in froher Wahlkampfstimmung rief: „Der Sturm ist so gut wie vorbei.“ Alle wollten ihm glauben. Feste wurden im Boot (nach-) gefeiert. Sogar Gesang war vom Deck her zu hören.

Alles war bestens – bis plötzlich Jakobus, der Sohn des Alphäus, oben vom Mast aus rief: „Da hinten kommt eine Delta-Welle.“ Als dann auch noch die Omikron-Welle erneut die Besucherzahlen der jährlichen Mitgliederversammlung wegspülte, näherte sich die Stimmung dem Tiefpunkt. Nur Thomas, der schon seit längerem isoliert in seiner Koje saß, zweifelte, ob die Wellen überhaupt echt seien. Wie dem auch sei: Kaum einer im Boot ließ die Stimme von Jesus an sich heran, der laut und deutlich rief: „Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht!“

Kirche bleibt systemrelevant

Lediglich Petrus berührten diese Worte im Herzen. Er sagte sich: „Ich lasse das sinkende Schiff hinter mir und verlasse mich ganz auf Jesus.“ Neidisch schauten die anderem ihm nach. Petrus, der Glaubensheld! Dumm nur, dass der Wasserläufer sich dann auch selbst ziemlich super fand, denn in dem Moment begann er zu sinken. Noch mehr blamierte Petrus sich nur in der Nacht auf Karfreitag – doch das ist eine andere Geschichte. In dieser Wellennacht lernte Petrus: Was im Meer der Zeit und in den griechischen Wellen unserer Zeit Halt gibt, ist allein Jesus. Auch im Boot, das sich Gemeinde nennt, setzte ein Lernen ein. Und so endet unser Bibeltext mit den Worten: „Die aber im Boot waren, fielen vor Jesus nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!“

Freunde, Meer, Sturm. Steg. Foto: ELG21, pixabayFoto: ELG21, pixabay

Gebet

Danke, Jesus, dass du mitten im Sturm bei uns bist.

Zieh uns raus, wenn wir sinken.

Halte du uns fest.

Du bist wahrhaftig Gottes Sohn.

Amen.