Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein Duft, der in Erinnerung bleibt - Impuls zur Predigt

Markus 14,3-9 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

 

Ein Duft, der in Erinnerung bleibt

Impuls zum Predigttext für den Palmsonntag: Markus 14,(1-2).3-9.

Von Joachim Botzenhardt

Joachim Botzenhardt ist Dekan im Dekanat Neuenbürg. (Foto: Privat)

Joachim Botzenhardt ist Dekan im Dekanat Neuenbürg. (Foto: Privat)Auf einmal ist der Raum erfüllt von einem angenehmen Duft. Mit jedem Atemzug wird er stärker. Hier im Haus des Aussätzigen Simon hat es lange Zeit ganz anders gerochen: dumpf und stickig, nach Krankheit, Salben und Verbänden. Heute ist es anders. Es ist ein schöner Abend. Die Türen stehen offen. Viele Gäste sind gekommen, ohne den Staub und Schweiß des Tages. Das Essen riecht köstlich. Auf einmal kommt ein Duft, der alle anderen Gerüche in den Hintergrund treten lässt. „Der Duft war so himmlisch gut (…), das Parfum war ein völlig neuartiges Ding, das eine ganze Welt aus sich erschaffen konnte, eine zauberhafte, reiche Welt, und man vergaß mit einem Schlag die Ekelhaftigkeiten um sich her und fühlte sich so reich, so wohl, so frei“ (Patrick Süßkind).

Aber nur kurz haben sie sich dem Duft dahingegeben. Eine Frau kommt herein, hat ein kleines Fläschchen zerbrochen und den gesamten Inhalt über Jesu Kopf gegossen. Sie riefen einander zur Ordnung. Die Welt ist nicht so zauberhaft und reich. Im Fläschchen wäre das Öl besser aufgehoben, noch besser in der Hand eines Reichen. 300 Silbergroschen. Was hätte man mit dem Erlös nicht alles Gutes tun können? „Verschwendung!“, mahnen die Realisten und machen ein schlechtes Gewissen. Einmal sich vergessen ist nicht vorgesehen.

» Einmal sich vergessen ist nicht vorgesehen «

Jesus weiß wohl schon, dass es für ihn bald nur noch Schweiß, Blut und Tränen geben wird auf dem Weg hinaus vor die Stadt. Der Tod wartet auf ihn. Von denen, die mit ihm um den Tisch sitzen, hat das noch keiner erkannt. Außer die Frau. Sie ahnt, was auf Jesus wartet. Sie weiß, dass dem Tod nichts entgegenzusetzen ist als die Liebe. Liebe, die stark ist wie der Tod. Lange vor ihr hat das bereits eine Frau gesungen: „Dein Name ist eine ausgeschüttete Salbe, und solange der König beim Mahle war, gab meine Narde ihren Duft“ (vgl. Hohelied 1,3.12). Im Haus des Simon geschieht dies wieder, weil eine Frau erkannte, wer Jesus wirklich war.

Die anderen sehen in Jesus, was sie am meisten wünschen. Den Revolutionär, der die Römer aus dem Land jagt. Den Propheten, der die sozialen Missstände anprangert und für Gerechtigkeit eintritt. Sie sehen die Welt, wie sie eben ist. Sie können die Ekelhaftigkeiten nicht vergessen und sich dem Duft hingeben.

Die namenlose Frau dagegen sieht jetzt schon die Schönheit, den Glanz und den Frieden, der zu Jesus gehört. Gegen den Augenschein. Auf einem Esel statt auf einem stolzen Ross ist er eingezogen. Ihre Augen erkennen in Jesus von Nazareth den König der Könige. Und deshalb tut sie an ihm, was in Israel an einem König getan werden muss. Sie salbt sein Haupt mit Öl. Ein Jahreslohn zerfließt in Sekunden und sie weiß es. Im Angesicht der Liebe zerfließt alle Berechnung. Im Angesicht der Liebe zählt der Moment des Erkennens, alles andere muss man vergessen. Sie erkennt die Liebe und Hingabe, die er geben kann und geben wird durch seinen Weg hinauf nach Golgatha.

Und das soll keiner vergessen. Gewiss, der Duft ist flüchtig. Morgen schon ist der Tag des Verrats und der Gefangennahme. Gekauft für lausige 30 Silbergroschen. Aber der Duft wird im Kopf und im Herzen Spuren hinterlassen. Er wird sie an Jesus erinnern, an diesen wunderschönen Abend, an die Gemeinschaft und an seine Hingabe. Und daran, dass sie ganz in seiner Nähe aufgehoben ist, spätestens in seiner neuen Welt, wo es keine Ekelhaftigkeiten mehr geben wird.

Herze, Liebe, Lichtspiel. Foto: Fresstocks/Unsplash(Foto: Freestocks/Unsplash)

Gebet

Liebe, die du Kraft und Leben, Licht und Wahrheit, Geist und Wort,
Liebe, die sich ganz ergeben mir zum Heil und Seelenhort:
Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

Johann Scheffler in EG 401,4

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