Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein großer Garten - Impuls zur Predigt

1. Mose 2,7-8.15 Da machte Gott der Herr den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.

Ein großer Garten

Impuls für den 15. Sonntag nach Trinitatis: 1. Mose 2,4b-9.15.

Von Jochen Maier

Jochen Maier ist Pfarrer an der Martinskirche in Kirchheim/Teck. Foto: Privat

 

Jochen Maier ist Pfarrer an der Martinskirche in Kirchheim/Teck. Foto: Privat

Einen Garten pflanzt Gott. Einen Garten für den Menschen und alle anderen Geschöpfe. Die Erde als Garten – das ist die Urbestimmung, die Gott für seine Geschöpfe vorgesehen hat. Wie schön eigentlich. Es wurden viele schöne Gärten im Laufe der Menschheitsgeschichte in immer kunstvollerer Ordnung angelegt. Sie sind vielleicht ein Zeichen dafür, wie tief doch bei aller Unachtsamkeit der Schöpfung gegenüber diese Ahnung unserer eigentlichen Bestimmung in uns verwurzelt ist. Im Garten wenigstens soll sie ein bisschen heiler und ein bisschen paradiesischer sein, die chaotische Welt. „Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte ...“ Der Mensch (adam) ist der zur Erde (adamah) Gehörende, der „Erdling“. Der Mensch ist nach Gottes Absicht schon von seinem Ursprung her und ebenso in seiner Berufung ganz und gar mit der Erde verbunden. Ein Gärtner im Auftrag Gottes zu sein. Das ist Gottes Grundidee vom Menschen. Und die Erde soll ein Garten sein, den der Mensch gestaltet und behütet. Das biblische Urbild vom Garten Eden ist also alles andere als die Vorstellung von einem mundgerecht zum Verzehr angebotenen Schlaraffenland. Denn der Mensch ist mit einem Fürsorgeauftrag geschaffen, der durchaus ein Arbeitsauftrag ist.

Gärtner im Auftrag Gottes

Wenn in diesem biblischen Urtext der Menschheitsbestimmung von „bebauen und bewahren“ geredet wird, dann macht das den Menschen eben nicht zum obersten Herrn der Erde, sondern zum verantwortlichen Diener und zur achtsamen Dienerin der Erde. In dem Wort „bebauen“ ist dabei die Kulturarbeit des Menschen durchaus eingeschlossen. Aber es ist eben eine bewahrende Kulturarbeit gemeint. Also gewissermaßen das Amt eines Biogärtners, der mit Respekt versucht, die Entfaltung des Lebens zu schützen. Und wir sollten wohl endlich angesichts der drohenden Klimazerstörungen die Menschlichkeit von uns Menschen an der Erfüllung dieser Bestimmung zum Gärtner der Erde messen. Was droht, wenn wir diese Bestimmung veruntreuen, hat Reiner Kunze einmal in einem Menetekel-Gedicht kurz und knapp so ausgedrückt: „Wir haben die Erde gekränkt, sie nimmt ihre Wunder zurück. Wir, der Wunder eines.“

Die Erinnerung an die Urbestimmung des Menschen als Gärtner sagt uns nicht zuletzt über Gott selbst etwas Wesentliches. Auch wenn wir uns weit von unserer Gärtnerarbeit entfernt haben und die Erde oft als Vergnügungspark statt als Naturschutzgebiet behandelt wird: Gott, unser Schöpfer, ist doch derselbe.

Wir dürfen hoffen, dass Gott an seiner Gartenidee festhält und sie sich nicht durch unsere Bestimmungsvergessenheit nehmen lässt. Er ist nach wie vor derselbe gestaltende Gartenliebhaber, der am Blühen und Gedeihen seiner Schöpfung festhält. Und eben weil er daran festhält, deswegen ist alles menschliche Tun, das die Ehrfurcht vor dem Leben bewahrt, nicht umsonst, sondern hat bleibenden Wert. Und es beginnt mindestens mit dem dankbaren Staunen – mit Gärtnerinnen- und Gärtneraugen – über die Gartenschönheiten dieser Erde, dass wir unserem Auftrag besser gerecht werden.

 Mohnfeld. Garten. Foto: Corina Ardeleanu, UnsplashMohnblumen. Garten. Foto: Corina Ardeleanu, Unsplash

 

Gebet

Barmherziger Gott, wir danken dir, dass du jeden von uns würdigst, im großen Garten deiner Geschöpfe eine unersetzliche und besondere Blüte zu sein.

Lass uns dein Wort der Gnade so einleuchten, dass uns unsere Bequemlichkeiten leid sind und wir mit gärtnerischer Fürsorge für die Bewahrung und die Pflege deiner guten Schöpfung eintreten.

Amen.

 

Jochen Maier ist Pfarrer an der Martinskirche in Kirchheim/Teck.

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