Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein Haus zeigt den Wandel

FRIEDRICHSHAFEN – Es hat eine Traumlage. Direkt am Bodenseeufer.  Trotzdem wird die Diakonissenanstalt Stuttgart ihr Erholungs- und Tagungshaus Fischbach verkaufen. Ist der Verkauf ein Symbol? Für den Wandel innerhalb kirchlichen Landschaft? Für die Notwendigkeit umzudenken und Abschied zu nehmen? Oder wird hier ein Erbe aus der Hand gegeben?


Das Juwel am Bodensee: So sieht das Haus aus. Es ist auch weiterhin für Gäste offen.(Foto: Diakonissenanstalt)

„Eine Perle wird zu Geld gemacht“, „An dem Haus hängt das Erbe der Väter“: Ralf Horndasch kennt die Argumente derer, die den Verkauf des Anwesens bedauern und kritisieren. Aber der Direktor der Evangelischen Diakonissenanstalt Stuttgart kennt auch die Entwicklungsgeschichte dieser Entscheidung und sagt: „Sie ist uns nicht leicht gefallen. Es gibt niemanden, dessen Herz nicht daran hängt.“

Das Haus spiegelt die Zeiten wider, als die Diakonissen im ganzen Land verstreut arbeiteten. In den Erholungshäusern sollten sie sich von der Anstrengung erholen. Das gehörte genauso wie das Taschengeld und die Kleidung zur Grundversorgung. Seit 1930 steht dafür das Haus Fischbach zur Verfügung. Doch nach 160 Jahren Diakonissenanstalt hat sich das Bild geändert: Nur 112 Diakonissen gibt es zwischenzeitlich, davon sind noch zwei berufstätig.

Schon in den 70er-Jahren wurde das Haus daher für andere Mitarbeiter geöffnet und später für die gesamte Öffentlichkeit als Freizeitheim angeboten. „Wir sind aber keine Einrichtung, die Ferienhäuser betreiben will“, betont Ralf Horndasch. Dass dort überhaupt eine lange Zeit christliche Erholung angeboten wurde, sei schon Ausdruck eines Wandels gewesen, der nun seine Blütezeit ebenfalls hinter sich habe. Zielgruppe seien Senioren, die ein geistliches Haus gesucht haben, mit Gästebegleiter und Kurseelsorge. Doch auch dafür müsste jetzt Geld ins Haus investiert werden. „Und das können wir nicht.“

Die Aufgaben der Diakonissenanstalt seien andere: das Krankenhaus, die Altenhilfe. „Hier investieren wir, und hier brauchen wir Geld“, sagt Horndasch. Und er habe mit allen geredet, die Geld und Ideen für Fischbach hatten. Dass nun die Zeppelinstiftung das Haus mitsamt den Mitarbeitern übernehmen werde, das könne er gut verantworten. Wird da ein Ort des Segens zerstört, wie manche ihm vorwerfen? „Das liegt nicht an mir“, sagt Ralf Horndasch. Ob und wie Gott segensreich wirkt, hängt für ihn nicht am Gebäude. „Wir verkaufen keinen Segen und auch kein Erbe. Unser christliches und diakonisches Profil werden wir weiter zeigen.“

Und warum bleibt es nicht in kirchlicher Hand? „Das hätten wir gerne gemacht“, antwortet Horndasch. Aber wenn jemand zu rechnen anfange, weiß er, dass es sich nicht rechne. Für die Stadt Friedrichshafen und die Stiftung sei das Gelände aber ein großes Thema, allein wegen des öffentlichen Zugangs zum See.

Es ist wie in vielen Bereichen: Einrichtungen konzentrieren sich auf ihre Kernaufgaben, fusionieren, auch in der Landeskirche werden Gemeinden zusammengelegt. Die Diakonissenanstalt konzentriert sich inzwischen auf den Raum Stuttgart. Dort hat sie auch ein Gästehaus. In der Landeshauptstadt, wo die Kirche auch von der Stadt Stuttgart immer weniger wahrgenommen wird, wollen sie präsenter werden.

Was ist es für ein Gefühl, sich zurückzuziehen, zu reduzieren? Fühlt sich Ralf Horndasch wie ein Kapitän auf einem sinkenden Schiff? „Nein“, sagt er. „Ich fühle mich wie auf einem Schiff, das seinen Kurs hält.“ Das Gewässer sei vielleicht schwierig. Aber wenn das Schiff sinken würde, würden sie nichts Neues mehr anpacken. Alte Aufgaben abzugeben, sei etwas Organisches. Das Thema Abschied ist für ihn als Klinikseelsorger präsent.

„Veränderungsprozessen können wir uns nicht verschließen“, folgert er daraus. „Wir gestalten sie daher bewusst.“ Der ständige Blick zurück helfe dann auch nicht weiter. Die 160 Jahre Diakonissenanstalt hätte es nicht gegeben, „wenn wir immer nur zurückgeschaut hätten“. Die Frage damals und heute sei immer noch: „Wo werden wir gebraucht?“ Und Ralf Horndasch bleibt in der bildlichen Sprache, wenn er sagt: „Nur wer loslässt, hat die Hände frei.“

Information

Die Diakonissenanstalt ist am 15. April 1853 gegründet worden. Ein Jahr später beginnen die ersten drei Schwestern mit der Arbeit im Hofkrankenhaus in der Büchsenstraße.  In der Folge beginnen immer mehr Schwestern ihre Arbeit an Krankenhäusern. 1880 wird das erste Schwesternerholungsheim in Ober-esslingen eröffnet. 1895 wird das Mutterhaus eingeweiht und das Krankenhaus an der Forststraße Paulinenhospital genannt.

Am 5. Mai 1930 wird das Erholungsheim Fischbach eröffnet. 1970 werden erstmals Diakonissen  neuer Ordnung eingesegnet. 1985 werden zum ersten Mal  Männer in der Schwesternschaft aufgenommen. Die Verbandsschwesternschaft nennt sich „Gemeinschaft Diakonischer Schwestern und Brüder“. 2004 wird das 150-jährige Bestehen gefeiert.

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