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Ein kleiner Riss in der Mauer - 3. Ökumenischer Kirchentag

Der digitale Kirchentag – so wird der 3. Ökumenische Kirchentag in Frankfurt am Main wohl vielen Menschen im Gedächtnis bleiben. Den stärksten inhaltlichen Akzent konnten die Veranstalter mit der Gastfreundschaft beim Abendmahl setzen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war zur Festveranstaltung des Kirchentags zugeschaltet.  Foto: ÖKT/Philip WilsonBundespräsident Frank-Walter Steinmeier war zur Festveranstaltung des Kirchentags zugeschaltet. Foto: ÖKT/Philip Wilson

Trotz mancher Probleme mit der digitalen Form, etwa bei Bild und Ton: An Anziehungskraft mangelte es dem 3. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) nicht. Über 160 000 Mal wurden Videos auf der Internetseite live angesehen. Zahlreiche Spitzenpolitiker waren im Programm vertreten und auch thematische Vielfalt war gegeben: Klimakrise, Missbrauch, Frieden, Digitalisierung, Sterbehilfe – wer wollte, konnte sich digital mit allem befassen, was gerade debattiert wird. Den stärksten Akzent jedoch konnte der Kirchentag auf ureigens kirchlichem Gebiet setzen: in der Ökumene.

Bei der Festveranstaltung am Freitagabend hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier über die Spaltung der Kirchen gesprochen, die in der Gesellschaft immer weniger verstanden werde. Er wisse, dass es schwer sei, jahrhundertelange Gegnerschaft zu überwinden. Aber: „Wie will man die Stadt auf dem Berge sein, Botin des Friedens, wenn Mauern diese Stadt trennen und wir nicht geduldig versuchen, sie einzureißen und so ein Beispiel versöhnter Vielfalt zu sein?“

Beispiel für versöhnte Vielfalt sein

Dass der Weg dahin bei den Konfessionen unterschiedlich weit sein dürfte, zeigte ein Podium zu „Eucharistie und Abendmahl“. Die Theologin Andrea Grünhagen von der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, den „Alt-Lutheranern“, erklärte, dass sich die Einladung zum Abendmahl in ihrer Kirche nur an Mitglieder richte. Erzpriester Martinos Petzolt beschrieb die Vorbereitungen, die man für die Eucharistie im griechisch-orthodoxen Gottesdienst durchlaufen muss – da könnten Außenstehende nicht einfach an allem teilnehmen. Offen zeigten sich hingegen die evangelische Theologin Friederike Nüssel und die baptistische Theologin Andrea Strübind. Eine für seine Kirche liberale Position vertrat der katholische Theologe Thomas Söding. Er sagte am Ende der Diskussion: „Wir feiern im Abendmahl Jesus Christus und ich bin sicher, dass der aus unseren Unterschieden das Beste macht.“

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Eine Chance, Unterschiede zu verstehen, bot der Workshop „Was ich schon immer fragen wollte ...“, in dem Vertreter von acht Konfessionen Fragen beantworteten. Die Teilnehmer wechselten nach 15 Minuten in eine andere Gruppe, so dass sich alle über drei Konfessionen informieren konnten. In der offenen Atmosphäre gingen die Fragen hin und her. Wie halten es griechischorthodoxe Priester mit dem Zölibat? Die meisten hätten Ehefrau und Familie, antwortete Vikarbischof Emmanuel Sfiatkos aus Berlin. Er hingegen lebe zölibatär.

Sind Anglikaner eher katholisch oder evangelisch? Von beidem etwas, sagte Christopher Easthill, Pfarrer in Wiesbaden, „wir sind katholisch und reformiert“. Und wer darf im anglikanischen Gottesdienst das Abendmahl empfangen? „Jeder, der getauft ist, egal von wem.“ Bei den Mennoniten stehe Friedens- und Jugendarbeit im Mittelpunkt, erklärte die Berliner Pastorin Martina Basso. „Ich erlebe ein ungebremstes Interesse an Glaubens- und Lebensfragen.“ Ein Workshop, der Lust machte, sich auf andere einzulassen.

Am Abend des Samstags folgte die praktische Gastfreundschaft. In „ökumenisch sensibler Weise“ fanden vier konfessionelle Gottesdienste statt. An allen waren auch Vertreter anderer Konfessionen anwesend – und nahmen am Abendmahl teil. So empfing die evangelische ÖKT-Präsidentin Bettina Limperg beim katholischen Gottesdienst im Frankfurter Dom die Eucharistie, während der katholische ÖKT-Präsident Thomas Sternberg beim Abendmahl im evangelischen Gottesdienst dabei war. Die Entscheidung über die Teilnahme am Abendmahl der anderen Konfession sollte eine Gewissensentscheidung jedes Einzelnen sein. Was, wie Thomas Sternberg betonte, in den Gemeinden tagtäglich passiere, sei nun öffentlich gemacht worden – „das soll in keiner Grauzone mehr sein“.

Schaut hin. Oekumenischer Kirchentag. Foto: ÖKT/Bongard Foto: ÖKT/Bongard Foto: ÖKT/Bongard

Jedoch sind auf diese Weise längst nicht alle trennenden Probleme gelöst. So war geplant, dass im katholischen und im evangelischen Gottesdienst Vertreter der jeweils anderen Konfession predigen. Doch eine Predigt des evangelischen Stadtdekans Achim Knecht in der Eucharistiefeier im Dom war nach katholischem Recht nicht möglich, erklärte sein katholischer Kollege Johannes zu Eltz mit Bedauern. „Lieblosigkeit in ökumenischen Beziehungen ist kein Kavaliersdelikt“, fügte er hinzu: „Deshalb müssen wir aus der Festung raus, solange es noch geht.“

Es erinnert an die Worte des Bundespräsidenten von der Stadt auf dem Berge und den trennenden Mauern. Die sind längst nicht abgebaut. Aber vielleicht führt der kleine Riss von Frankfurt zumindest dazu, dass man sich künftig ein bisschen besser sieht und hört.