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Ein Konzil mit Folgen bis heute

Das Konstanzer Konzil (1414 – 1418) sollte ursprünglich nur wenige Monate dauern. Einberufen wurde es, um die zerstrittene Kirche zu einen und einen neuen Papst zu wählen. Doch die Verhandlungen waren kompliziert. Vier Jahre später ging das Konzil zu Ende. Eine traurige Berühmtheit erlangte das Konzil, weil es den Theologen Jan Hus auf dem Scheiterhaufen verbrennen ließ. 


Konstanz von oben (Foto: Achim Mende)

Doch warum wurde ausgerechnet Konstanz Konzilstadt? Seit 1378 hat es in der abendländischen Christenheit zwei Päpste gegeben. Seit dem Konzil von Pisa sogar noch einen dritten. Alle drei erhoben den Anspruch, das legitime Oberhaupt der Kirche zu sein.

König Sigismund wollte die Christenheit wieder einen. Sein Anliegen war kein hehres, sondern ein machtpolitisches. Schließlich wollte Sigismund Kaiser werden. Aber welcher der drei Päpste hätte ihn zum Kaiser krönen können? Selbstbewusst berief Sigismund 1413 das Konzil „aus kaiserlicher Gewalt“ ein. Dennoch: Als Laie hatte er während der Sitzung nicht einmal ein formales Stimmrecht. Der König hatte Glück: Auch Papst Johannes XXIII. stimmte dem Konzil zu. Und weil dieser während des Konzils offiziell abgesetzt wurde, konnte sich 543 Jahre später Angelo Giuseppe Roncalli erneut Johannes XXIII. nennen, der ebenfalls ein Konzil – das Zweite Vatikanische – einberief und dieses Jahr heilig gesprochen wurde.

Nun stellte sich die Frage des Konzils-Ortes. Vor 1414 tagten Konzilien oft in Italien, doch da einer der Päpste seinen Sitz in Avignon hatte, kamen weder Frankreich noch Italien in Frage. Konstanz war neutrales Gebiet und nicht allzu weit von Italien weg.

„Mit einem gezierten Schimmel und unter einem goldenen Baldachin“ zog Johannes XXIII. im Oktober 1414 in Konstanz ein. Er wohnte erst einmal in der Residenz des Konstanzer Bischofs gleich neben dem Münster, in dem das Konzil dann tagen sollte. 

König Sigismund ließ sich erst einmal Zeit und inszenierte seine Ankunft theatralisch. An Heiligabend durchdrang sein Schiff, das von Überlingen her kam, den dichten Nebel und legte in Konstanz an. In der Christmette trug er dann das Weihnachtsevangelium vor.

Das Konzil hatte drei Aufgaben: einen neuen Papst zu wählen (die Betonung liegt auf dem Wort „einen“), zu klären, was der richtige Glaube ist und die Reform der Kirche voranzubringen. Nicht zuletzt durch das politische Geschick von König Sigismund gelang 1417 die Papstwahl. Der neue Papst Martin V. hatte einen redlichen und beharrlichen Charakter und pflegte einen einfachen Lebensstil. Das war wichtig, weil Johannes XXIII. das Gegenteil von Martin V. war. Übrigens: Bis der König zum Kaiser gekrönt wurde, sollte es noch Jahre dauern. Die Krönung fand 1433 statt – vier Jahre vor Sigismunds Tod.

Schwer tat sich das Konzil mit der Frage nach dem rechten Glauben. Erst einmal wurden 45 Thesen des längst gestorbenen Theologen John Wyclif verurteilt, der als der radikalste Kirchenkritiker des 14. Jahrhunderts gilt. Er wollte lieber Gottes Wort predigen als die Sakramente spenden. Er kritisierte den Wohlstand der Kirche, schlug sogar ihre Enteignung durch eine weltliche Macht vor.

Jan Hus wurde Anhänger Wyclifs. Der böhmische Theologe entwickelte zudem eigene Gedanken. Die Bibel sei die einzige Quelle der Wahrheit Gottes, kirchliche Traditionen hätten nur eine dienende Funktion. Seine Thesen wurde ihm zum Verhängnis. Er war sich des Schutzes durch König Sigismund sicher und wollte seine Thesen dem Konzil vortragen. Doch dann wurde er vom König fallen gelassen und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Für Volker Leppin, Professor für Kirchengeschichte an der Uni Tübingen, verbindet sich deshalb mit dem Konzil „einer der Tiefpunkte der Kirchengeschichte“.

Nach Auffassung von Holger Müller, Konzilbeauftragter der badischen Landeskirche, kann man aus protestantischer Sicht der katholischen Kirche heute keine Vorwürfe wegen der Verbrennung von Jan Hus machen. Da es damals die evangelische Kirche noch nicht gegeben habe, sei das Konzil die gemeinsame Geschichte der westlichen Kirchen. Der Auftrag aus jener Zeit bleibe, die Kirchentrennung zu überwinden.

Die dritte Aufgabe, die Reform der Kirche, ist dem Konzil nicht gelungen. „Zwar brachte das Konzil die schlingernde Kirche wieder in ruhiges Fahrwasser“, sagt Volker Leppin. „Aber eine durchgreifende Reform hat es dennoch nicht bewirkt.“




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