Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein Leben für die Ärmsten - Mutter Teresa

Eine kleine Frau mit großem Willen: Mutter Teresa hat im indischen Kalkutta einen Orden gegründet und sich um Kranke, Obdachlose und Sterbende gekümmert. Vor 25 Jahren ist die Nobelpreisträgerin gestorben, die in der Katholischen Kirche als Heilige gilt.

Mutter Teresa. Foto: Bharat Patil, pixabayMutter Teresa. Foto: Bharat Patil, pixabay

Ihre Gesprächspartner verblüffte Mutter Teresa durch Schlagfertigkeit. Einem amerikanischen Journalisten, der sie beim Versorgen einer brandigen, stinkenden Wunde beobachtete und erschrocken gestand: „Nicht für eine Million Dollar würde ich das tun!“, erwiderte sie lachend: „Ich auch nicht!“ – Sie tat es für Gott.

In einem gutbürgerlichen Elternhaus kommt Agnes Gonxha Bojaxhiu 1910, im heute zu Mazedonien gehörenden Skopje, zur Welt. Mit 18 entschließt sie sich zu einem Leben in der Bengalenmission. In der St. Mary’s High School in Kalkutta unterrichtete Schwester Teresa, wie man sie nun nannte, Erdkunde und steigt bis zur Direktorin auf.

Die 500 Schülerinnen kamen aus der bürgerlichen Oberschicht Kalkuttas. Als 36-Jährige fasst sie 1946 den Entschluss, noch einmal „auszusteigen“: „Ich musste das Kloster verlassen und den Armen helfen, indem ich unter ihnen lebte. Ich hörte den Ruf, alles aufzugeben und Christus in die Slums zu folgen, um ihm unter den Ärmsten der Armen zu dienen.“

Heime für Sterbende errichtet

Teresa macht sich mit Hygiene und Krankenpflege vertraut. Mitten im Slum mietet sie eine Hütte und bringt Kindern das Alphabet bei. Sie pflegt Kranke, besucht die Spitäler. Vielleicht hätte Teresa trotz der ihr eigenen verbissenen Energie nicht durchgehalten – wären da nicht die ehemaligen Schülerinnen gewesen, die sich ihr anschlossen und gegen die Not kämpften, die ihnen von jeder Straßenecke entgegen schrie. 1950 gründete Teresa die Gemeinschaft der Missionarinnen der Nächstenliebe, da hatte sie bereits die indische Staatsbürgerschaft angenommen.

Die kleinwüchsige, immer ein wenig gebeugt gehende Nonne sprach einfach wie eine alte Bäuerin über das Beten und den guten Gott. Doch selbst in Universitäten und Kongresszentren war ihr die gebannte Aufmerksamkeit sicher. Außerhalb Indiens begann man erst von Teresa und ihren Schwestern zu sprechen, als ihr Engagement für die Sterbenden bekannt wurde. Unterernährte Kinder aufzupäppeln, armen Leuten Reis und Brot zu bringen, schien vielen nichts Besonderes zu sein. Aber in einem hoffnungslos übervölkerten Land Heime für Menschen zu bauen, die ohnehin dem Tod geweiht waren? Nirgendwo sonst prallte Teresas Wertschätzung für jedes noch so armselige Menschenleben so schmerzhaft mit bürgerlichen Wertmaßstäben zusammen wie hier. „Sie haben wie die Tiere gelebt. Da sollen sie wenigstens wie Menschen sterben!“, hat sie ihre Motivation beschrieben.

Als Mutter Teresa 1979 den Friedensnobelpreis bekam, begrüßte sie die Bevölkerung in Oslo mit einem Fackelzug. Das traditionelle Hotelbankett ließ Mutter Teresa absagen, das eingesparte Geld nahm sie – zusätzlich zu den 170 000 Euro, mit denen der Nobelpreis dotiert war – nach Kalkutta mit.

Als sie am 5. September 1997 starb, mischte sich in die Nachrufe die Kritik an ihrer unpolitischen Nächstenliebe. Wäre es nicht wichtiger gewesen, die ungleiche Verteilung der Güter zu bekämpfen, statt Sterbenden die Hand zu halten? Mutter Teresa hat dem schon zu Lebzeiten entgegengehalten: Nur wer das Elend teile, könne die Elenden befreien. 2016 wurde sie von Papst Franziskus heilig gesprochen.

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