Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein neues Bild - Vielfalt des christlichen Lebens

STUTTGART – Eine umfangreiche Studie der Internationalen Hochschule Liebenzell hat neue Erkennt- nisse über das christliche Gemeindeleben in der inneren Metropolregion Stuttgart hervorgebracht. Besonders überrascht hat das Forscherteam, wie viele Menschen Gottesdienste besuchen. Die Studie wirft auch ein neues Licht auf die Vielfalt des christlichen Lebens.

In der Metropolregion gibt es fast genauso viele freikirchliche Gemeinden wie landeskirchliche. Foto: unsplash/ Nathan MulletIn der Metropolregion gibt es fast genauso viele freikirchliche Gemeinden wie landeskirchliche. Foto: unsplash/ Nathan Mullet

„Mehr Menschen gehen in der Metropolregion Stuttgart in einen christlichen Gottesdienst als zum VfB-Heimspiel“, sagt Volker Gäckle, Rektor der Internationalen Hochschule Liebenzell, als er die Ergebnisse der Stuttgarter Gottesdienstund Gemeindestudie vorstellt.

Damit hatten die Wissenschaftler des LIMRIS-Instituts (Liebenzell Institute for Missiological, Religious, Intercultural, and Social Studies) nicht gerechnet. Immerhin waren im vergangenen Jahr etwa 2,5 Prozent der Mitglieder der evangelischen Landeskirchen und der katholischen Diözesen im Südwesten ausgetreten. Da sich die Forschenden jedoch nicht mit Mitgliederzahlen, sondern mit der Anzahl von Gottesdienstbesuchern auseinandersetzt, bietet ihre Arbeit ein anderes Bild: das von Christen, die in ihren Gemeinden aktiv sind. Von den 2,7 Millionen Menschen, die in der inneren Metropolregion leben, geht jeder 20. sonntags in einen Gottesdienst. Das entspricht 131 900 Menschen, also fünf Prozent der Bevölkerung. Zur inneren Metropolregion Stuttgart gehören neben der Landeshauptstadt fast vollständig die Landkreise Ludwigsburg, Rems-Murr, Göppingen, Esslingen und Böblingen.

Die Studie unterscheidet christliche Gemeinden und Gemeinschaften unter anderem in Protestantismus, Katholizismus und Orthodoxie. Es sei eine Mammutaufgabe gewesen, die 1418 christlichen Gemeinden und Gemeinschaften in der inneren Metropolregion Stuttgart zu identifizieren, sagt Christoph Kiess von der Liebenzeller Mission. Friedemann Burkhardt, Leiter der Studie, ergänzt, dass sie signifikant mehr Gemeinden gefunden hätten als zuvor angenommen. Aus der Studie geht hervor, dass die Kirchenlandschaft in der inneren Metropolregion sehr divers ist. Die Gemeinden lassen sich insgesamt 164 Konfessionen und Denominationen zuordnen. Allerdings sei die Studie nur eine Momentaufnahme. „Wir haben sicherlich auch einzelne Gemeinden übersehen“, sagt Burkhardt. Außerdem seien die Daten im Herbst 2019 erhoben worden, sodass sich die Zahlen auf den Zustand vor der Corona-Pandemie beziehen. Eine Veränderung seit der Pandemie lasse sich also nicht aus der Studie ablesen.

Die Johanneskirche am Feuersee ist eine der bekanntesten protestantischen Kirchen in Stuttgart. Foto: Werner KuhnleDie Johanneskirche am Feuersee ist eine der bekanntesten protestantischen Kirchen in Stuttgart. Foto: Werner Kuhnle

Christen sind aktiver als gedacht

Drei Viertel der Gemeinden in der Metropolregion Stuttgart sind der Studie zufolge protestantisch geprägt, knapp ein Fünftel katholisch. Besonders auffällig ist, wie vielfältig die Gemeinden im Protestantismus sind. Nur knapp die Hälfte der Gemeinden lässt sich der evangelischen Landeskirche zuordnen. Dem gegenüber stehen überwiegend freikirchliche Gemeinden, die bisher in Untersuchungen nicht als eigene Größe wahrgenommen wurden. Die Anzahl der Gottesdienstbesucher sei in freikirchlichen Gemeinden um 40 Prozent höher als in landeskirchlichen Gottesdiensten, erläutert Tobias Schuckert, Mitherausgeber der Studie. Gemeinsam haben jedoch fast alle Gemeinden in der Metropolregion, dass der Gottesdienst als wichtigste Veranstaltung betrachtet wird.

Volker Gäckle sieht Anlass, weiter zu forschen: „Interessant wäre es, Stuttgart mit anderen Metropolregionen zu vergleichen.“

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