Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein Osterlied geht um die Welt - Glaubenskurs (Teil 3)

Jesus erzählte seinen Jüngern, was mit ihm passieren wird. Dabei zitierte er immer wieder aus einer alten Verheißung: Dem Buch Jesaja. Der Prophet singt ein Lied auf den Gottesknecht, der gekommen ist, die Welt zu erlösen. Seine Worte wirken weit über seine Zeit hinaus.

Kerzen, leuchten, Kerzenschein, Jesus das Licht der WeltJesus als Licht der Welt: Dafür stehen Kerzen symbolisch. Foto: Yvonne Voigt/ pixelio

Die Kirche liegt im Abenddunkel. Nur einige Kerzen erhellen die Atmosphäre. So feiern wir gerne Advent. Es erschallen die alten Verheißungen: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht.“ … „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben und die Herrschaft ist auf seiner Schulter.“ (Jesaja 9). Eine schöne Stimmung breitet sich aus, sehnsuchtsvoll und doch voller Hoffnung.

Worte aus dem Prophetenbuch Jesaja werden aber nicht nur zu Beginn des Kirchenjahres rezitiert, sondern auch in der Passions- und Osterzeit. Gerade am Karfreitag werden häufig Verse aus den Kapiteln 52 und 53 gelesen. „Siehe, meinem Knecht wird’s gelingen, er wird erhöht…“(Jesaja 52,13), „…Wir sahen auf ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste, … voller Schmerzen und Krankheit.“ (Jesaja 53,2). Die Gefühlslage ist da niedergedrückt.

Für viele ist die schwarze Kleidung und die Trauer mit Karfreitag selbstverständlich verbunden. Aber ich möchte fragen: Muss das so sein? Wie haben denn die ersten Christen den Tod und die Auferstehung Jesu gedeutet?

Im Neuen Testament werden zwei biblische Bücher besonders häufig zitiert. Zum einen das Buch Genesis (1. Mose) und zum anderen der Prophet Jesaja. Jesaja wirkte während der Regierung von vier israelischen Königen (Jesaja 1,1); von 736 v. Chr. (Jesaja 6,1) bis 701 v. Chr. (Jesaja 36,1). Seine Botschaft überstrahlt die Präsentation seiner Person. Die im Buch Jesaja versammelten Worte wirkten weit über seine Lebenszeit hinaus. Hoffnung für die gesamte Welt kündet der Prophet. Trotz einer Welt voller Bedrohung und Todesangst spricht er im Namen Gottes Frieden zu.

 

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Gerade zu der Zeit Jesu hofften die Israeliten auf einen neuen Bevollmächtigten, dem es gelingen würde, das römische Reich durch eine neue Königsherrschaft abzulösen. Denn die römische Gewalt war jeden Tag spürbar; auch im Tempel zu Jerusalem waren römische Herrschaftszeichen sichtbar.

Als Jesus in seinem Heimatort Nazareth in die Synagoge ging und die Schriftlesung halten sollte, wurde ihm die Schriftrolle des Propheten Jesaja gereicht. Und Jesus las (Lukas 4,16ff.): „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat und gesandt zu verkündigen…“. Jesus bezog dieses Wort auf sich. Obwohl die Nazarener auch das Neue erwarteten und Prophetenworte aus Jesaja 61 sozusagen Lieblingsverse waren, konnten sie den Anspruch Jesu nicht gutheißen. Sie stießen ihn aus der Stadt. Aber Jesus selbst erneuerte und wiederholte seine Berufung durch die alten Verheißungen. Er sagte selbst seinen Leidensweg voraus (zum Beispiel Lukas 9,22 und andere Evangelien). Er setzte seine Lehre in den Rahmen der Worte Jesajas (vergleichen Sie dazu Lukas 8,9-10 mit Jesaja 6,9).

Die ersten Christen schätzten die Buchrolle Jesaja sehr. Ein äthiopischer Finanzminister scheute keinen Weg und keine Kosten, um diese Schriftrolle in Jerusalem zu erwerben (Apostelgeschichte 8,26). Durch diese Bibelworte wurde ihm Jesus als Christus, als Messias, als Gesalbter erklärt. Der Apostel Paulus begründete ebenfalls mit Jesajaworten das Rettungsangebot durch Jesus (Römer 10,16).

Vorfreude schon an Karfreitag

Mit Jesaja heißt es: „Frohe Ostern!“ Denn sein Lied geht um die Welt. Das Lied singt von Gottes Knecht, der neues Leben bringt. Ja, dass Gott selbst mit all seiner Schöpferkraft in diesem Boten auf unsere Welt kommt! Die ersten Christen sangen dieses Lied von der frohen Botschaft Gottes: vom „Evangelium Gottes, das er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in der Heiligen Schrift, von seinem Sohn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, der eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft nach dem Geist, der heiligt, durch die Auferstehung von den Toten – Jesus Christus, unser Herr!“ (Römer 1,2-4).

Die Melodie des Hymnus kennen wir leider nicht mehr. Aber wir können mitjubeln! Vielleicht mit dem Osterruf der orthodoxen Christen: „Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Oder wir können mitsingen, zum Beispiel mit den Worten Paul Gerhardts:„Auf, auf mein Herz mit Freuden, nimm wahr, was heut geschieht. Wie kommt nach großen Leiden nun ein so großes Licht!“ (Evangelisches Gesangbuch 112).

Zum Weiterdenken

Fragen zur Vertiefung für die dritte Woche in der Passionszeit:

■ Welche fröhlichen Osterlieder kennen Sie?

■ Inwiefern ist die Vorfreude auf Ostern schon am Karfreitag passend und möglich?



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