Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein Pflegeheim blüht auf - Nachhaltige Oasen

Pflegeheime haben große Grünanlagen und stehen oft mitten im Ort. Mit Naturgärten lassen sich hier Insekten anlocken, zum Gewinn für alle Beteiligten. Auch wenn manche Bewohner anfangs meist skeptisch sind.

Cosmina Halmageanu, Aniela Arnold und Erika Schropp (von links) beim Haus am Maienplatz. Foto: Martin JanottaCosmina Halmageanu, Aniela Arnold und Erika Schropp (von links) beim Haus am Maienplatz. Foto: Martin Janotta

„Was ist schön?“ Eine geradezu philosophische Frage, über die im Haus am Maienplatz der Evangelischen Heimstiftung in Böblingen im vergangenen Jahr ausführlich diskutiert wurde. Wegen des Gartens.

Heimleiterin Cosmina Halmageanu zeigt auf eine Fläche, umgeben von Hecken: „Das war unser Rosengarten. Wir hatten wunderschöne Rosen, aber gar keine Insekten.“ Fürs Auge war der Rosengarten schön – aber als Lebensort nicht.

Heute ist das anders. Die Hecken stehen noch da, ansonsten wuchern da aber ganz andere Pflanzen: Steppensalbei, Holunder, Katzenminze, und mehr. Dazwischen fliegen Hummeln und Schmetterlinge, zeigt Aniela Arnold vom Naturschutzbund (Nabu). Und da ist eine Rose. Eine Wildrose. „Im Gegensatz zu gezüchteten Rosen hat die eine ungefüllte Blüte. Das lockt die Insekten an“, sagt sie.

Schön heißt nicht immer ordentlich

Seit zwei Jahren gibt es das Projekt „Blühende Gärten – miteinander für mehr Vielfalt“ von Nabu und Evangelischer Heimstiftung, mitfinanziert durch die Stiftung Naturschutzfonds. In den ersten zwei Jahren des Projekts sind 15 Pflegeheime „aufgeblüht“. Nun sollen noch einmal 15 Heime der Heimstiftung dazukommen. „Die Heimstiftung wollte etwas zum Thema Nachhaltigkeit machen und ist dazu auf uns zugegangen“, erzählt Aniela Arnold, die das Projekt koordiniert. Pflegeheime haben oft große Gartenanlagen und liegen mitten in den Orten – beides macht sie zu idealen „Oasen“ für Lebewesen, beispielsweise für Insekten.

Der „Rosengarten“ ist nun ein beliebter Aufenthaltsort. Foto: NABU/Kathrin BaumannDer „Rosengarten“ ist nun ein beliebter Aufenthaltsort. Foto: NABU/Kathrin Baumann

Nun sind Naturgärten zwar im Trend, doch gerade die Generation im Pflegeheim ist mit dem Gedanken groß geworden, dass ein „schöner“ Garten nur ein ordentlicher Garten ist. Da sind viele skeptisch gegen „Unkraut“. So war es auch im Haus am Maienplatz, das von Anfang an beim Projekt „Blühende Gärten“ mitgemacht hat. „Viele Bewohner waren zuerst kritisch“, erzählt Cosmina Halmageanu. Immerhin wurde ihr Rosengarten hier einfach umgegraben. „Doch inzwischen sind viele neugierig und kommen gerne her, um zu beobachten, wie viel Leben im Garten ist.“

So wie Erika Schropp. Die 86-Jährige geht gerne in den Garten, sie war sogar beim Pflanzen im Frühjahr 2021 beteiligt. „Ich war erstaunt, wie schnell die Pflanzen rausgekommen sind“, erzählt sie. Auch ihren Besuch nimmt sie mit an die Wiese. „Meine Nichte und meine Schwägerin waren da, und die sind mit einer App auf ihren Smartphones durch den Garten gegangen und haben die ganzen Pflanzen bestimmt“, erzählt sie lachend.

Zu lernen gibt es hier sowieso einiges, sagt Cosmina Halmageanu. „Die Älteren kennen die Pflanzen noch, wir Jungen nicht“, sagt sie. Und: Zwar seien die Kosten für den Garten höher als früher, aber man bekomme auch einen Mehrwert dafür, sagt die Heimleiterin.

Wie aber bringen Senioren, die noch zuhause wohnen, mehr Leben in ihren Garten? Aniela Arnold hat auch für sie einen Gartentipp: „Man sollte darauf achten, dass man heimische Pflanzen pflanzt und solche, die möglichst lange blühen.“ Dann kommen auch die Insekten. □

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Ev. Gemeindeblatt 34/2022 |Von Martin Janotta