Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein wahrer Brückentag - Christi Himmelfahrt

„Aufgefahren in den Himmel“, so heißt es über Jesus im Glaubensbekenntnis. Doch was bedeutet es eigentlich, dass Jesus 40 Tage nach seiner Auferstehung aus dem Blickfeld der Jünger verschwand? Über einen Feiertag, der eigentlich ein Brückentag ist.


In der Woche nach Christi Himmelfahrt fUnsplash, Foto: Georg Krause. Hängebrücke, Mörsdorf. Germanyragte ich mal meine Grundschüler: „Wie heißt denn der Feiertag, der hinter uns liegt, der Tag, an dem Jesus zum Himmel aufgefahren ist?“ Es meldete sich ein aufgeweckter Drittklässler. Er antwortete überzeugt: „Das ist doch der Brückentag!“ Er meinte damit den schulfreien Freitag, der den Himmelfahrtsdonnerstag mit dem Wochenende verbindet und dieses Datum zu einem beliebten Kurzferientermin macht. Nun hätte ich mich ärgern können, dass von meinen Erklärungen zum Kirchenjahr so wenig bei den Schülern hängen geblieben war. Aber ich habe geschmunzelt. Denn hatte der Schüler nicht tatsächlich die Bedeutung dieses Feiertages richtig verstanden? Ist Christi Himmelfahrt nicht tatsächlich ein Brückentag? Jesus wechselt die Seiten. Er geht, wie auf einer Brücke, von hier nach dort, aus der sichtbaren in die unsichtbare Welt.

Foto: Georg Krause/ Unsplash. Geierlay, Mörsdorf, Deutschland

40 Tage lang war Jesus nach der Auferstehung bei seinen Jüngern. Das waren Wochen innerer Klarheit. Die Jünger hatten ihn unmittelbar vor Augen. Nun führte er sie auf einen hohen Berg. Eine Wolke kam herab vom Himmel, nahm ihn nach oben und entzog ihn ihrem Sehen. Für die Jünger verdichtete sich in diesem Moment das ganze Wesen Christi. Sie verstanden: Der Heruntergekommene ist der Aufgefahrene. Der arm gewordene Mensch ist der ewigreiche Gott. Der leidende Bruder ist der zur Rechten des Vaters sitzende Herr. Der Gekreuzigte ist der Regierende. Der, der den reißenden Fluss des Todes durchschritten hat, ist der, der uns eine Brücke baut zum ewigen Leben. Die Jünger erkannten: Christus ist der Pontifex Maximus, der oberste Brückenbauer zu Gott und den Menschen.

Wie gelähmt standen die Jünger auf diesem hohen Berg und haben dem auffahrenden Christus staunend nachgeschaut. Doch dann ging ein Ruck durch sie hindurch. Sie erinnerten sich an seine letzten Worte: „Gehet hin in alle Welt, verkündet das Evangelium aller Kreatur.“ Sie spürten: Christus hat sich unseren Augen entzogen, um nun in unseren Herzen zu wohnen. Darum: „Lasst uns keine erstarrten ‚Hans-Guck-in-die-Luftikusse‘ sein, sondern fröhliche Brückenbauer des Glaubens und der Liebe.

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Christus will in den Herzen wohnen

Die gegenwärtige Corona-Krise bietet dafür viele Chancen. Schöne Himmelfahrterlebnisse liegen in ihr bereit. Unserer Kirche sind durch den Shutdown viele sichtbaren Möglichkeiten entzogen. Die üblichen Formate der Begegnung sind uns verwehrt. Aber es entstehen ganz neue, beglückende Wege zum Menschen. Ich entdecke neu das Telefon und merke: Die Augen zeigen uns oft nur die Dinge, die Stimme zeigt uns den Menschen. Ich darf andere nicht umarmen wie früher, aber im Gruß aus der Ferne fühle ich mich ihnen näher als sonst. Die Video-Gottesdienste haben unerwarteten Zuspruch. Es kommen Rückmeldungen von Spanien bis Norwegen. Menschen vom Ort, die ich gar nicht kenne, spenden Geld für die Kirchengemeinde. Die Kassiererin im Laden, die kein Kirchenmitglied ist, ruft mir beim Einkaufen entgegen: „Ich höre jede Woche die Gottesdienste im Internet und schicke sie an meine Freundinnen weiter.“ Ich kenne sie seit langem. So freundlich hat sie noch nie gestrahlt. Wir kommen ins Gespräch. Wo sich alte Wege verschließen, öffnet Gott uns neue. Himmelfahrt, ein wahrer Brückentag.

◼ Rainer Köpf ist Pfarrer in Beutelsbach.

Das Gemälde „Christi Himmelfahrt“ vom Meister von Hohenfurth ist in der Prager Nationalgalerie zu sehen. Foto: akg-imagesDas Gemälde „Christi Himmelfahrt“ vom Meister von Hohenfurth ist in der Prager Nationalgalerie zu sehen. Foto: akg-images

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