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Ein Ziel, zwei Lösungswege - Organspende

Etwa 9500 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Die Zahl derer, die Organe spenden, ist allerdings deutlich niedriger. Um die Zahl der Spender zu erhöhen, sind im Bundestag zwei Gesetz-entwürfe eingebracht. Ein Überblick zur aktuellen Lage und den Lösungsvorschlägen.

Transplantationsgesetzt

Aktuell immer noch ein seltenes Bild: Organspendeausweis im Geldbeutel.
© Foto: fovito / adobe stock 

Ein todkranker Mensch, den eine Organspende retten könnte. Ein hirntoter Mensch, dem seine Organe entnommen werden, während er beatmet wird. Es sind diese Bilder, die in der Diskussion über Organspenden immer wieder auftauchen.

In der Realität kommt oft ein drittes Bild hinzu: ein Mensch stirbt und niemand weiß sicher, ob er bereit gewesen wäre, Organe zu spenden. Weil der Sterbende sich zu Lebzeiten weder in einem Organspendeausweis noch in einer Patientenverfügung geäußert hat.

Diese Situation ist dann vor allem für die Angehörigen belastend. Sie müssen sich fragen lassen, was der mutmaßliche Wille des Verstorbenen im Hinblick auf eine Organentnahme gewesen sein dürfte.
Sollte dieser Wille nicht ermittelbar sein, müssen sie nach ihrem eigenen Willen entscheiden. Soll das Herz des Vaters, die Niere der Mutter gespendet werden? Schwierige Entscheidungen.

Zwar ergab eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Jahr 2018 bei 84 Prozent der Befragten eine positive Einstellung zu Organ- und Gewebespende. 39 Prozent hätten einen Organspendeausweis, ein deutlich höherer Wert als vor sieben Jahren. Aber immer noch kommt der eingangs beschriebene Fall häufig vor.

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Abhilfe soll eine Gesetzänderung schaffen. Zwei Entwürfe dazu sind im Bundestag eingebracht worden. Der Entwurf einer Gruppe Abgeordneter um den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach sieht eine „doppelte Widerspruchslösung“ vor.
Der Entwurf einer Gruppe um Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock und Linken-Chefin Katja Kipping möchte die „Entscheidungsbereitschaft zur Organspende stärken“.

Berlin, Annalena BaerbockCDU Politiker Jens Spahn

Annalena Baerbock und Jens Spahn favorisieren unterschiedliche gesetzliche Regelungen.
© Fotos: epd Bild

Nach dem Gesetzentwurf zur „doppelten Widerspruchslösung“ käme künftig jeder als Organspender in Frage – außer er hat dem ausdrücklich widersprochen. Dieser Widerspruch soll durch Eintrag in ein Register erfolgen. Käme ein Patient für Organ- oder Gewebeentnahme in Frage, befragt der Arzt außerdem die Angehörigen, ob ihnen ein schriftlicher Widerspruch oder ein entgegengesetzter Wille des möglichen Organspenders bekannt ist. Ein eigenes Entscheidungsrecht haben die Angehörigen nicht.

Der Entwurf zur „Stärkung der Entscheidungsbereitschaft“ besagt, dass in Zukunft die Menschen noch besser informiert und regelmäßig, zum Beispiel durch Gespräche beim Hausarzt, an das Thema erinnert werden sollen. Ziel ist, dass sich möglichst viele mit einer – stets änderbaren – Entscheidung in ein Register eintragen.

Im Prinzip verfolgen die Entwürfe das gleiche Ziel: Es soll in Zukunft mehr Spenderorgane geben. In Deutschland warten laut BZgA rund 9500 Menschen auf eine Organspende, im Jahr 2018 betrug die Zahl der Spender 955. Das entspräche einer Zahl von 11,5 Spendern auf eine Million Einwohner. Beim Spitzenreiter Spanien kamen auf eine Million Einwohner im Jahr 2017 etwa 46,9 Spender.

Jeder Spender kann potentiell mehreren kranken Menschen helfen. In Deutschland kann man Herz, Lunge, Niere, Leber, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm spenden. So haben nach den Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation die 955 Spender im  Jahr 2018 insgesamt 3113 Organe gespendet. Als gespendet gilt ein Organ, sobald es transplantiert ist.

Doch wer kommt als Organspender in Frage? Voraussetzung für eine Organentnahme ist der Hirntod, der unumkehrbare Ausfall der Hirnfunktionen. Die Diagnose müssen mindestens zwei speziell qualifizierte Fachärzte unabhängig voneinander bestätigen. Ein hirntoter Mensch gilt nach den Kriterien der Neurologie als tot, sein Herz-Kreislauf-System kann jedoch künstlich aufrechterhalten werden. Denn nur Organe, die mit Sauerstoff versorgt sind und so durchblutet bleiben, können gespendet werden. Der Hirntod ist ein seltenes Phänomen, daher ist die Zahl derer, deren Organe entnommen werden können, an sich deutlich niedriger als die Zahl derer, die dazu bereit wären. Handel mit Organen ist in Deutschland verboten. Neben der Organspende gibt es die Gewebespende, bei der etwa Hornhaut der Augen, Blutgefäße oder Sehnen entnommen werden. Gewebespenden sind ohne künstliche Beatmung möglich. Die Versorgung in Deutschland deckt laut BZgA den Bedarf.

Anders bei den Organen. Wie geht es dort nun weiter? Über die beiden Gesetzentwürfe hat der Bundestag am 26. Juni in erster Lesung debattiert. Ende September folgte eine Expertenanhörung. Während die Bundesärztekammer sich für die Widerspruchslösung ausgesprochen hat, kam vom Deutschen Ethikrat und der Deutschen Stiftung Patientenschutz Kritik.

Die Evangelische Kirche in Deutschland und das katholische Kommissariat der deutschen Bischöfe äußerten ebenfalls rechtliche und ethische Bedenken gegenüber der Widerspruchslösung. Die positive Haltung vieler Menschen gegenüber der Organspende könne nicht so verstanden werden, dass eine grundsätzliche Spendenbereitschaft bestünde. Den Baerbock-Entwurf unterstützen die Kirchen hingegen, weil er nur behutsame Modifikationen vornehme.

 

 

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