Christliche Themen für jede Altersgruppe

Eine enge und gute Verbindung

Ein Kennzeichen der evangelischen Kirche ist ihr Engagement in Gesellschaft und Politik. Sie mischt sich ein, etwa wenn es um die Frage geht, ob in Deutschland mehr Flüchtlinge aufgenommen werden sollen. Kirchenvertreter und auch viele Politiker sind sich einig: Der Staat braucht die Kirchen. 

Christian Führer, ehemaliger Pfarrer an der Nikolaikirche in Leipzig, startete in den 1980er Jahren Friedensgebete, die zur friedlichen Revolution führten. Im Sommer 2014 ist Führer gestorben. (Foto: epd-Bild)

Der Staatssekretär ist in Abstatt zu Hause und von Beruf Maschinenbauingenieur. Schon als Jugendlicher war er in der evangelischen Jugendarbeit aktiv. Heute ist er Vorsitzender des Kirchengemeinderates seiner Kirchengemeinde und Vorsitzender der Bezirkssynode des Kirchenbezirks Marbach. Der Staatssekretär engagiert sich in der Kirche: Das partnerschaftliche Miteinander von Kirche und Staat ist ihm wichtig.

Dass die Kirche den Kontakt zur Politik hält, dafür sorgt Kirchenrat Volker Steinbrecher. Der Theologe ist Beauftragter der badischen und württembergischen Landeskirche bei Landtag und Landesregierung. Bestes Beispiel für die Bedeutung der Kirchen ist für ihn das Thema „Flüchtlinge“. Die Kirchen haben spätestens seit der 90er Jahren, als es schon einmal eine große Flüchtlingswelle gegeben hat, eine große Erfahrung, was die Aufnahme, die Versorgung und die Unterbringung von Flüchtlingen angeht. „Auf diesem Gebiet traut man der Kirche viel zu“, sagt Volker Steinbrecher. So viel, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann Landesbischof Frank Otfried July beim baden-württembergischen Flüchtlingsgipfel unbedingt mit dabei haben wollte.

Aber es gibt nach der Erfahrung von Volker Steinbrecher auch andere Themen, die Staat und Kirchen verbinden: wenn es um die Entwicklung des ländlichen Raums geht oder bei der Sterbehilfe, die voraussichtlich im nächsten Jahr ein Thema werde. Überhaupt: Immer dann, wenn es um Anfang und Ende des Lebens gehe, werde Kirche von der Politik gefragt und gebraucht.

Das bestätigt auch Thomas Reusch-Frey, der Pfarrer und Politiker zugleich ist. Er war bis 2011 Pfarrer in Bietigheim-Bissingen und sitzt seit 2011 für die SPD als Abgeordneter im Landtag. Der Staat sei zwar weltanschaulich neutral, doch damit komme man an Grenzen. Der Staat könne weder die Frage nach dem Sinn des Lebens noch „Was macht den Menschen aus?“ beantworten. Mit einem Satz: „Die Politik kann keine Hoffnung vermitteln.“

Thomas Reusch-Frey macht das an einem Beispiel deutlich: „Politiker können zwar dafür sorgen, dass es gute Krankenhäuser gibt. Aber wie der Einzelne mit Schmerz und Krankheit umgeht oder wie er Trost findet, darauf können Politiker keine Antwort geben.“

Doch wo und wann wird der Beitrag der Kirchen deutlich? Thomas Reusch-Frey erinnert an das Bestattungsgesetz, das im Frühjahr geändert wurde. Die Grünen hätten eine Liberalisierung der Urnenbestattung gewollt und vor allem die Friedhofspflicht in Frage gestellt. Hier sei ein Vertreter der Landeskirche angehört worden. Ergebnis: Die Friedhofspflicht ist geblieben.

Ein anderes Beispiel ist nach der Erfahrung von Thomas Reusch-Frey die Diakonie. Immer dann, wenn es etwa um Pflege geht, gebe es einen engen Kontakt zwischen Kirche und Politik.

Das bestätigt auch Ingo Rust. Die Kirchen seien oft Anwalt für Menschen, die sonst keine Lobby haben: Ältere, Menschen mit Behinderung, Migranten, Asylbewerber. „Dort setzen sich die Kirchen für einen menschlicheren Umgang ein und für eine Gesellschaft, die christliche Nächstenliebe nicht nur proklamiert, sondern auch lebt.“ Doch nicht nur diese Themen, sondern auch über Denkmalschutz oder Ladenöffnungszeiten diskutierten Politiker mit den Kirchen.

Kirchen und Politik pflegen ihren Kontakt auf vielfältige Art. Bei Themen wie dem Bestattungsgesetz werden die Kirchen im Landtag oder vor einem Landtagsausschuss gehört. Nach Beobachtung von Volker Steinbrecher gibt es gute Kontakte zwischen Landtagsausschüssen, Ministerien, der Kirche verbundenen Politikern und Diakonie. Er selber bringt regelmäßig Bischöfe und Minister zu Hintergrundgesprächen zusammen. Das ist ihm wichtig, denn „schließlich wird Politik nicht vor laufenden Mikrofonen gemacht“.