Christliche Themen für jede Altersgruppe

Eine Gemeinde für Äthiopien

Eine außergewöhnliche Kirche finden Besucher in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba. Die Deutsche Evangelische Gemeinde ist für Deutsche und Äthiopier da: Sie bietet den Europäern Heimat und für die Einheimischen Bildung. Die gemeindeeigene Schule nimmt auch behinderte Kinder auf. 

In der Schule der deutschen Gemeinde lernen äthiopische Kinder unter anderem lesen, schreiben und rechnen. (Foto: Arnd Bäucker)


„Jeden Sonntag sehe ich Leute im ­Gottesdienst, denen ich zuvor nie begegnet bin.“ Pastor Martin Kruse lächelt beim Erzählen. Ständiger Wandel, ständige Veränderung ist bei ihm Alltag. Die schlichte Kreuzkirche in der Vier-Millionen-Metropole Addis Abeba bietet eine geistliche Heimat für evangelische Deutsche, die hier leben.

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Und deren Zahl schwankt stark. „Natürlich haben wir Besucher, die an der deutschen Botschaft arbeiten, oder an der dazugehörigen Schule“, sagt Kruse, „und dann Menschen, die hier für Unternehmen im Auslandseinsatz sind.“ Ebenso auch Mitarbeiter der GIZ, der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, oder von Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Als Sitz der Organisation für Afrikanische Einheit ist Addis Abeba interessant für diese Gruppen: „Mit mehr als 800 NGOs ist dies der weltweit zweitgrößte Standort“, sagt Kruse.

Das zentrale Angebot sei der sonntägliche Gottesdienst, in der Regel erst um 10.15 oder um 11 Uhr, denn manche kommen von weit her. Die Kreuzkirche steht im Norden der Stadt, in einem kleinen Park hinter Mauern.  

Zum Glück gebe es ein paar länger in Addis lebende Mitglieder, die bei allem Wandel für Kontinuität sorgen. Doch Veränderung bestimmt das Leben – und sie macht auch vor dem Pfarrhaus nicht halt: Pastor Kruse wird Ende Juni nach Deutschland zurückkehren.

Wer das Areal um die Kreuzkirche besucht, der bemerkt schnell: Dies ist nicht nur eine deutsche Gemeinde in Äthiopien, sondern auch für Äthiopien. Im Freien, direkt vor dem Eingang in das Gotteshaus, ballen zehn Kinder ihre Fäuste. Darunter auch ein Mädchen im Rollstuhl: Sie üben Kampfsportstellungen. Der junge Trainer stellt sich zu einem Jungen, der schlecht sieht, führt sanft seine Bewegungen, und er ermuntert das Mädchen, das querschnittsgelähmt ist.

„Diese Schule ist von Anfang an das Projekt der Gemeinde gewesen,“ erklärt Pastor Kruse. Die Kreuzkirche wurde in den 1960er-Jahren gebaut. Die Gemeindemitglieder wollten damals etwas für die Nachbarschaft tun, die von Armut geprägt ist. Nur ein paar Schritte entfernt von der Stille der Kirche steht der Besucher heute auf einem Schulhof voller junger Menschen, inmitten fröhlicher Stimmen und neugieriger Blicke. Rund 850 Schüler aus der direkten Umgebung lernen hier bis zur achten Klasse. Etwa 30 Lehrkräfte unterrichten sie. Und das Besondere: Dies ist die Schule in ganz Äthiopien, in der die Integration von nichtbehinderten und behinderten Kindern am weitesten fortgeschritten ist. Direktor Teklu Tafesse Barki sagt: „Aus dem ganzen Land kommen Vertreter anderer Schulen hierher, um zu sehen, wie man eine solche Schule organisieren kann.“  Das Interesse der Menschen, ein Kind auf diese Schule zu schicken, ist groß – sie kann aber nicht alle aufnehmen. Für die Zulassung gelten deshalb klare Regeln: Nur Kinder, deren Familien innerhalb von 2,5 Kilometern um die Schule herum leben, bekommen die Chance. Auch heute noch ist es eine arme Gegend. Viele Behausungen haben keine geregelte Wasser- oder Elektrizitätsversorgung.

Die Kinder bekommen Schuluniformen und ein Taschengeld von der Schule,  berichtet Direktor Teklu Tafesse Barki. Wert wird auch auf eine gesunde Ernährung gelegt. Täglich erhalten die Schüler Brot und Früchte, an zwei Tagen gibt es Milch, „so viel sie trinken können“. Tafesse betont: „Wichtige Themen bei uns sind Hygiene und Gesundheitsvorsorge.“

Und natürlich hat man in der Lehrerschaft die schwierigen Verhältnisse in den armen Familien im Blick. „Da gibt es Eltern, die sind krank und können keine Arbeit aufnehmen.“ Wenn ein oder gar zwei Kinder aus solchen Familien die „German Church“ besuchen können, dann werden die entlastet. „Mich freut es besonders, dass wir manchmal positive Veränderungen auch bei den Kindern zu Hause sehen können“, meint Tafesse.

Die Kosten für die Schule kann die kleine Gemeinde nicht selbst aufbringen. Verschiedene Hilfsorganisationen unterstützen deshalb den Betrieb.

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