Christliche Themen für jede Altersgruppe

Eine Gemeinde handelt fair

HOCHDORF (Dekanat Esslingen) – Die Idee für das „Faire Frühstück“ in der Schule kam aus Plochingen, 2016 schloss sich Hochdorf an. inzwischen ist der gesamte Ort eine Fairtrade-Gemeinde. Daran wirken auch die Kirchengemeinden mit, zum Beispiel beim Weltladen. 

Faires Frühstück in der Schule: Spielerisch lernen die Viertklässler etwas über Gerechtigkeit in der Welt.
Foto: Peter Dietrich

Mit der Kolpingfamilie hatte Uwe Schorsch in Plochingen ein „Faires Frühstück“ in der Schule organisiert. So etwas brauche es im benachbarten Hochdorf auch, fand die evangelische Religionslehrerin Sabine Stein. Seit 2016 haben die Hochdorfer seitdem in bisher vier Unterrichtsblöcken fair gefrühstückt.


Beim „Fairen Frühstück“ verteilt Uwe Schorsch beispielsweise die Viertklässler der Breitwiesenschule auf einer Weltkarte auf die Kontinente. Jedes Kind hat eine Banane bekommen. Dann nimmt er einzelnen Kindern die Banane wieder ab, der Afrikaner hat keine mehr und der Amerikaner hat plötzlich zwei: So erfahren die Kinder, was Ungerechtigkeit ist.


Doch nicht nur Unterrichts-Einheiten sind in Hochdorf geboten. „Wenn das Hand und Fuß haben soll, muss der ganze Ort Fairtrade-Gemeinde werden“, sagt Uwe Schorsch. Also sprach er mit den Freien Wählern, für die er früher selbst im Hochdorfer Gemeinderat gesessen hatte. Die Fraktionsvorsitzende Andrea Osthues unterstützte das Anliegen, der Gemeinderat beschloss es einstimmig: Hochdorf soll Fairtrade-Gemeinde werden.



Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Um diese Zertifizierung zu erreichen, musste eine Steuerungsgruppe eingerichtet werden. Bürgermeister Gerhard Kuttler berief Schorsch zum Vorsitzenden. Als früherer Bankkaufmann und Betriebsprüfer kannte der sich auch mit den finanziellen Fragen aus. Der erste, der Schorsch über den Weg lief, war Gerhard Rast. Der ehemalige Verkäufer im Möbelhaus und evangelische Christ suchte für den Ruhestand eine sinnvolle Unruhe. „Da habe ich etwas für dich“, sagte Schorsch zu ihm. Heute ist Gerhard Rast Vorsitzender des Fairtrade-Fördervereins Hochdorf. „Wir sind ökumenisch aufgestellt“, sagen beide, und diese Ökumene geht noch weiter. Schon seit vielen Jahren gab es eine Aktionsgruppe der methodistischen Kirche, die im Nebenraum der Kirche Produkte aus fairem Handel verkaufte und einen monatlichen Stand auf dem Bauernmarkt organisierte. Auch sie kam mit ins Boot.


Im Februar 2017 wurde der Fairtrade-Förderverein gegründet. Zur Gründungsversammlung kamen 30 Interessenten ins katholische Gemeindehaus, 23 wurden sofort Mitglied. Heute zählt der Förderverein rund 90 Mitglieder. Zu Steuerungsgruppe und Förderverein kommt als Drittes der Weltladenverein Hochdorf, dessen Vorsitz hat Gerhard Bäßler übernommen.


Schaffen wir das, einen Weltladen einzurichten? Vorsichtig wurde kalkuliert und schließlich ein Entschluss gefasst. Zur Eröffnung am 23. September 2017 kam der Fairtrade-Ehrenbotschafter Manfred Holz nach Hochdorf. Lokale Handwerker der Gewerbeinitiative Hochdorf hatten bei der Einrichtung und den Zwischenwänden mitgeholfen, beim Bauen war auch Gerhard Rast in seinem Element. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter regten an, die Öffnungszeiten auszuweiten. So ist aktuell der Verkauf freitags und samstags von 9.30 bis 12.30 Uhr und freitags von 14.30 bis 18 Uhr. Der Einsatz hat seinen Lohn: „Wir liegen um 70 Prozent über den Vergleichszahlen, die für eine Kommune dieser Größe erwartet werden“, sagt Schorsch. Am 21. September 2018 war es so weit: Hochdorf wurde für zwei Jahre als Fairtrade-Gemeinde ausgezeichnet, dann steht die erneute Zertifizierung an.


Zur Auszeichnungsfeier stellte „Brot für die Welt“ seine „Festtafel Eine Welt“ mit ganz verschieden hohen Stühlen zur Verfügung. Kinder aus dem Albert-Schweitzer-Kinderhaus brachten zu St. Martin gespendete Kleider in den Weltladen, die „Aktion Hoffnung“ empfahl die gemeinsame Aktion im Jahresbericht 2018 weiter. Im Mai 2019 informierte Christina Alff, Bildungsreferentin beim sozialen Investor Oikocredit, bei einem Vortrag über den Zusammenhang zwischen Europas Handelspolitik und Westafrikas Armut.