Christliche Themen für jede Altersgruppe

Eine Kirche der Übergänge

HEILBRONN – Ein Jahr wurde herausgerissen, gebaut und gestrichen. Jetzt konnte die Nikolaikirche im Norden der Heilbronner Innenstadt wiedereröffnet werden. Doch was dort seit Pfingsten 2020 passiert ist, ist mehr als nur eine normale Kirchenrenovierung. Das Gotteshaus wird zur Konzeptkirche, in der Glaube direkt in diakonisches Handeln umgesetzt werden soll.

Beim Gottesdienst zur Wiedereröffnung der Nikolaikirche konnten nur wenige Besucher live dabei sein. (Foto: Stefanie Pfäffle)


Eine Woche mit Gottesdiensten, Seelenschmaus, Vorträgen und Führungen, die im Festgottesdienst mit Prälat Ralf Albrecht und Dekan Christoph Baisch mündete, gibt einen Vorgeschmack auf das, was in der Nikolaikirche künftig passieren soll. „Diese Kirche am Rand war schon immer eine Kirche der Anund Abreisenden, eine Kirche der Übergänge am K3, am Dönerdreieck, gegenüber der Moschee, eine Kirche für alle“, betont Herbert Weidler, zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderats. Ein wesentliches Merkmal sei der fehlende Kirchturm, der wohl auch nie das ebenso genannte Denken aufkommen ließ. „Unsere Gemeinde war immer offen und fortschrittlich und das wird sie auch bleiben.“

Die Gemeinde hat sich entschieden, mit ihrem anderen Gotteshaus, der Wartbergkirche, künftig noch stärker als bisher Familien, Kinder und Jugendliche anzusprechen. In der Nikolaikirche, die seit 1351 eine wechselhafte Geschichte als Lazarett, Kanonenkugelgießerei, Sportstätte und mehr hinter sich hat, hatte man sich schon zuvor auf die Citykirchenarbeit mit speziellen Gottesdiensten konzentriert. Das soll nun verstärkt werden. Veranstaltungen, die eher Wohnzimmeratmosphäre brauchen als das Hochkirchliche, sollen hier Platz finden. Gottesdienste wird es vor allem für Zielgruppen geben, die sonst unterrepräsentiert sind. Dazu gehören Kooperationen mit der Wohnungslosenhilfe der Aufbaugilde. Die Türen werden täglich offen stehen, es gibt den Seelenschmaus, ein Essen mit Programm, und das Nikolai-Café als Anlaufstelle.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Dazu braucht es einen flexibleren Kirchenraum. Der Chorraum wurde vergrößert und mit einer Fußbodenheizung versehen, die angrenzende Sakristei zur Küche umgebaut. Hier ist Platz für die verschiedensten Formate. Im Eingangsbereich steht nun die neue Sakristei, die gleichzeitig der Technikraum ist, es gibt eine behindertengerechte Toilette, der Chorbogen lässt sich komplett mit einer riesigen Leinwand ausfüllen und die ganze Kirche ist barrierefrei. „Wir sind gerüstet für Kirche im Jahr 2021“, ist Pfarrerin Christine Marschall überzeugt. Sie trug die Hauptverantwortung für die 1,1 Millionen Euro teure Maßnahme.

Musikalisch umrahmt von Sängerin Tabea Krause, dem Posaunenchor sowie Gerd Sommer und Gabriele Buyer am Klavier ist ausgerechnet der Turmbau zu Babel, ein eindeutig als gescheitert zu bezeichnendes Bauprojekt, Thema von Prälat Ralf Albrechts Predigt. Doch es passt, zeigt die Geschichte doch, dass es bei Bauprojekten eben nicht um höher, schneller, weiter gehen sollte, sondern um den Geist dahinter. „Gottes Geist lehrt uns Endlichkeit, nicht unbegrenzte Möglichkeiten“, betont der Prälat. Nicht zuletzt lebe eine Kirchengemeinde von den Unterschiedlichkeiten, die Jesus zusammenhält. Vielfältige Einheit ist das Ziel. Genau das will die Nikolaigemeinde leben und eine Kirche für alle sein. □