Christliche Themen für jede Altersgruppe

Eine neue Zeit bricht an - Impuls zur Predigt

Jesaja 61,1-3.10 Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen; zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unsres Gottes, zu trösten alle Trauernden, zu schaffen den Trauernden zu Zion, dass ihnen Schmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauer, schöne Kleider statt eines betrübten Geistes gegeben werden. Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet.

Stadtkirchengemeinde Esslinge, Pfarrer Bäuerle

Eine neue Zeit bricht an

Impuls für den 2. Sonntag nach dem Christfest: Jesaja 61,1-3(4.9)10.11.

Von Christoph Bäuerle

Es gibt Worte, die können wir uns nicht selbst sagen. Die Worte, die wir am Anfang des neuen Jahres im Buch des Propheten Jesaja lesen, gehören in die Zeit, die Israel als eine Zeitenwende empfand. Nach Jahren der Gefangenschaft und der politischen Entmündigung unter den babylonischen Eroberern hatte ab 538 v. Chr. der persische König Kyrus mit der Einnahme Babylons für diese Zeitenwende gesorgt. Im Exil lebende Juden konnten zurückkehren und der in Trümmer liegende Tempel und die Stadt Jerusalem konnten wieder aufgebaut werden.

Foto: Privat

In diesen lang ersehnten Neuanfang hinein spricht eine nie gehörte Stimme. Sie durchbricht alle Verwirrung und Resignation, die im Volk um sich griff. Alles lag in Schutt und Asche. Wie sollte das arme Volk den Wiederaufbau schaffen?

Wir kennen solche inneren Stimmen gut. Und wir fürchten sie. Sie nehmen uns gerade am Anfang eines neuen Jahres vielleicht etwas von unserem sonstigen Lebensmut. Werde ich das schaffen, was ich mir vorgenommen habe? Unsere Begeisterung, unsere kühnen Pläne, unsre mit Herzblut entworfenen Zukunftsvisionen – wo sind sie noch, wenn erst einmal innere Stimmen ihre unerbittlichen Fragen stellen? Doch aufgepasst: Wir entscheiden schon auch selbst, welchen Stimmen wir das Wort erteilen.

» Werde ich das schaffen, was ich mir vorgenommen habe? «

Jesaja erteilt einer bisher unbekannten Stimme das Wort. Der Geist Gottes verleiht ihr Kraft. Die Salbung autorisierte in Israel Könige und Hohepriester. Wie in der Taufe sagt Gott seinen Gesalbten seine unverbrüchliche Nähe und Stärkung zu. In Gottes Namen ergreift diese andere, neue Stimme das Wort. Allen Ängsten und aller Mutlosigkeit zum Trotz. „Hört doch, eine neue Zeit bricht an. Er hat mich gesandt, den Elenden Gottes stärkendes Wort zu sagen.“ Die Menschen mit zerbrochenen Herzen und die Gescheiterten sollen Heilung und Ermutigung erfahren. Die Unfreien sollen befreit werden und aufatmen dürfen. Wo einer noch eine Schuld mit sich herumträgt, soll er schuldfrei sein. Alles soll ihm erlassen werden. Das „gnädige Jahr“ ist ein Erlassjahr und bildete in Israel alle 49 Jahre die Grundlage für persönlichen Neuanfang und wirtschaftliche Entwicklung.

Wer gerade noch Trauerkleider trug, soll sich nun freuen. Gott selbst zieht uns neue Kleider an, die aus einem anderen Garn gewoben sind. Der Stoff, aus dem „Kleider des Heils“ sind, ist „Gnade“. Es ist die Erkenntnis, dass mir das Beste geschenkt wird. Aber auch „Freiheit“, das Geschenk des Neuanfangs und „Freude“ über das nahe Heil, den Schalom Gottes für mein Leben und diese Welt, gehören dazu.

Jesus nimmt den Faden auf, wenn er Jahrhunderte später in seiner Heimatstadt Nazareth den alten messianischen Worten seine eigene Stimme gibt: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat und gesandt, zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und die Zerschlagenen zu entlassen in die Freiheit und zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.“ Er schließt mit den Worten: „Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren“ (Lukas 4,18f.21).

Möge für uns alle ein Gnadenjahr anbrechen. Mögen wir immer wieder den „Kleiderschrank Gottes“ aufmachen und statt der alten, abgetragenen Kleider, ein neues Kleid oder Hemd des Heils finden. Möge uns das helfen, Resignation und Angst zu überwinden und im Sinne Jesu mutig Kirche und Welt zu gestalten.

Es gibt Worte, die wir uns selbst nicht sagen können. Mögen stärkende und frohmachende Worte uns zugesprochen werden und unsere Begleiter sein im neuen Jahr.

 

Zermatt, Schweiz

Foto: Joshua Earle/Unsplash/Zermatt, Schweiz

 

Gebet

Gott aller Zeiten, heiliger Geist, wie gut, dass du auch jetzt nah bist an der Schwelle zum neuen Jahr.

In deine Hand lege ich das Alte. Aus deiner Hand empfange ich alle Kraft zum Neuen.

Jesus Christus, dein Wort ist die andere, die neue Stimme, die meinem Leben Richtung und Hoffnung gibt. Groß ist meine Freude.

Amen.

 

 

 

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