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Eine Pfarrerin wird Floristin - Seelsorge mal ganz anders

Marilisa Sonnabend ist eigentlich Pfarrerin. Im September fängt sie eine Lehre zur Floristin an. Später möchte sie ihre beiden Traum- berufe miteinander verbinden.

Pfarrerin wird Floristin. Marilisa Sonnabend ist gerne kreativ: mit Worten, aber auch mit Farben und Formen. Foto: Jasmin WahlMarilisa Sonnabend ist gerne kreativ: mit Worten, aber auch mit Farben und Formen. Foto: Jasmin Wahl

Jede Vikarin und jeder Vikar muss in der Ausbildung zum Pfarrberuf einige Wochen in einem nicht-kirchlichen Bereich ein Praktikum machen: Das kann zum Beispiel bei einer Zeitung, beim Tischler oder wie bei Marilisa Sonnabend in einem Blumenladen sein. Die 30-Jährige hat bei diesem Praktikum festgestellt, dass sie das Handwerk Floristin von Grund auf lernen möchte. Für „Ästhetik, für die schönen Dinge“, wie Marilisa Sonnabend es nennt, hat sie sich schon vor ihrem Praktikum interessiert. Weil sie rausfinden wollte, ob ihr Wunsch mehr als eine spontane Begeisterung ist, zog sie sich im vergangenen Jahr für einige Tage in ein Kloster im Schwarzwald zurück. Sie kam zu dem Entschluss, das Pfarramt und die Floristik miteinander verbinden zu wollen. Deshalb unterbricht sie ihre Arbeit als Pfarrerin zur Dienstaushilfe im Dekanat Göppingen und beginnt eine Ausbildung zur Floristin.

Schon vor dem Abitur wusste Marilisa Sonnabend, dass sie Pfarrerin werden will. Sie war begeistert, wie vielseitig der Beruf ist. „Ob man aber wirklich dafür berufen ist, merkt man erst, wenn man in das Vikariat kommt“, erklärt Marilisa Sonnabend. Als Pfarrerin machen ihr die Gottesdienste und das Predigtschreiben besonders Spaß.

Brautstrauß. Foto: Andreas Wohlfahrt, pixabayBrautstrauß. Foto: Andreas Wohlfahrt, pixabay

Mit Farben und Formen kreativ sein zu können und nicht nur mit Worten, gefällt Marilisa Sonnabend an der Arbeit mit Blumen. Besonders beeindruckend sei im Praktikum gewesen, donnerstags, nach dem Einkauf auf dem Großmarkt, in den Werkraum zu kommen. „Da steht alles voller Blumen in allen Formen, in allen Farben – da staunt man andächtig, was die Schöpfung alles hervorbringt – das ist Wahnsinn.“

Als Floristin Seelsorge machen

Mit vollem Herzen habe sie sich für beide Berufe entschieden. Und sie sieht es als großes Privileg an, zwei Berufe gefunden zu haben, die ihr am Herzen liegen. Wobei Marilisa Sonnabend schon während ihres Praktikums Parallelen zwischen ihren beiden Traumberufen bemerkte. Beispielsweise kommt man sowohl als Pfarrerin als auch als Floristin mit Brautpaaren und trauernden Menschen in Kontakt. Ihr ist wichtig, dass Floristinnen besser darüber Bescheid wissen, wie Pfarrer sich auf Trauerfeiern vorbereiten – und umgekehrt. Als Floristin sei es wichtig, dass man sich beim Arrangieren des Blumenschmucks Gedanken über den Ablauf der Gottesdienste mache, erklärt Marilisa Sonnabend. Das habe sie selbst schon erfahren, als sie bei einer Beerdigung durch den vielen Blumenschmuck den Sohn der Verstorbenen nicht sehen konnte.

Auch als Floristin leiste man Seelsorge, sagt Marilisa Sonnabend. „Wenn bei einem Geburtstagsstrauß für die Schwiegermutter erzählt wird, wie schwierig es mit dieser zurzeit ist, dann wird einem eine Geschichte anvertraut.“ Als Pfarrerinnen und Pfarrer sei das ähnlich. Der Weg bis zu ihrer Floristen-Ausbildung sei lang gewesen sagt Marilisa Sonnabend. Gerne würde sie währenddessen weiterhin Urlaubs-und Krankheitsvertretungen für ihre Kollegen übernehmen. Ob das möglich sein wird, hängt von der Flexibilität der Kirchenleitung ab, denn so einen Fall gab es bisher nicht. Da sie sich noch im Probedienst befindet, muss ihr gekündigt werden. Damit verbunden ist wahrscheinlich die Aberkennung aller Rechte ihrer Ordination, was heißt, dass sie keine Gottesdienste und Kasualien mehr verantworten darf. Nach ihrer Ausbildung möchte sie ihre Probezeit als Pfarrerin wieder aufnehmen.

Marilisa Sonnabend hat viel positive Resonanz auf ihre Entscheidung bekommen. Das decke sich mit ihrem Eindruck, dass sich Vikarinnen und Vikare kaum noch vorstellen könnten, eine Vollzeitstelle im Pfarrberuf anzutreten. In ihrem Modell – zur Hälfte Pfarrerin, zur anderen Hälfte Floristin – sieht Marilisa Sonnabend die Zukunft. So könne Verantwortung geteilt werden und einer weiteren Berufung nachgegangen werden. Das könne ein Hobby, ein zweiter Beruf oder die Versorgung der eigenen Kinder sein. Für Marilisa Sonnabend steht fest, dass das Pfarramt so wieder attraktiver gemacht werden kann.

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