Christliche Themen für jede Altersgruppe

Eine Prozessionsstraße für Gott - Impuls zur Predigt

Jesaja 40,1-11 (in Auszügen) Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem Herrn den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des Herrn Mund hat’s geredet.

Eine Prozessionsstraße für Gott

Impuls für Sonntag, den 3. Advent: Jesaja 40,1-11.

Von Matthias Figel

Der promovierte Theologe Matthias Figel arbeitet als Pfarrer in Hausen ob Verena, Dekanat Tuttlingen.
Foto: privat

Goldene Löwen, Stiere und Mischwesen auf blauglänzendem Hintergrund – das prächtige Ischtar-Tor beeindruckt im Berliner Pergamonmuseum. Ursprünglich stammt es aus Babylon, wo es unter Nebukadnezar errichtet wurde – derselbe Herrscher, der 586 vor Christus den Jerusalemer Tempel zerstörte und die Israeliten ins Exil deportierte, wo sie das Ischtar-Tor täglich vor Augen hatten. Es bildet den Abschluss einer imposanten Prozessionsstraße, auf der haushohe Gottesbilder an hohen Festtagen vom Volk verehrt wurden: „Für Gott Muschku und Nabu befestigte ich das Innere der Straße und darüber legte ich eine mächtige Anfüllung aus glänzendem Staub. Möget ihr Götter fröhlich wandeln auf diesem Weg“, ist auf tausenden Ziegeln zu lesen.

Der Gott Israels hat sich jegliches Gottesbild verboten. Er wird geglaubt, erhofft und ersehnt. „In der Wüste bereitet dem Herrn den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott!“ Mitten in einer Zeit, in der sich der Gott Israels zu verbergen scheint, soll auch ihm eine Prozessionsstraße errichtet werden – nicht auf dem Prachtboulevard der fremden Hauptstadt, sondern in den Wüsten und Steppen, die sich zwischen Babylon und Jerusalem ausdehnen. „Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden.“ Das klingt nach einem gigantischen Bauprojekt: Nach Baggern und Bulldozern, nach dem Bau einer riesigen Prozessions-Trasse für Gott.

Diese Prunkstraße wurde nie realisiert – nicht in der Wüste und nicht in der Steppe. Doch in den Herzen der Israeliten ist etwas passiert: Sie schöpften neue Hoffnung, dass Gott sie nicht vergessen hat, und bereiteten sich auf die große Wende vor. Und tatsächlich: 538 vor Christus durften sie die Rückkehr aus dem babylonischen Exil antreten. Nur der Glaube erkennt, dass Gott eingegriffen hat und unsichtbar kam – ganz anders als erwartet. So bleibt die Ankündigung der Prozessionsstraße ein Hoffnungsgut: Die Erniedrigung der Berge und die Auffüllung der Täler stehen noch aus. Am Ende der Tage, wenn sich Gottes Herrlichkeit vor aller Welt enthüllt, wird er sichtbar kommen und von allen verehrt auf dieser Prachtstraße einziehen.

Advent wird gelebt

„Bereitet dem Herrn den Weg, macht seine Steige eben!“ Johannes der Täufer wählt seine Worte mit Bedacht: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ Im Adventslied heißt es „Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir?“ Die Antwort: Indem wir Gott eine Prozessionsstraße bauen. Eine Landebahn. Eine Weihnachtsautobahn. „Was sollen wir tun?“, wird Johannes der Täufer gefragt. Er antwortet: „Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso.“ Advent wird gelebt und gefeiert, wo wir in den Wüsten der Zwischenmenschlichkeit und in den Steppen unseres Herzens Gott den roten Teppich ausrollen: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit.“ □

Kerze. Foto: unsplash/David SonlunaFoto: unsplash/David Sonluna

Gebet

Sei willkommen, o mein Heil!

Dir Hosianna, o mein Teil!

Richte du auch eine Bahn dir in meinem Herzen an!

Amen.

 

Heinrich Held, Ev. Gesangbuch Nummer 12, Strophe 4