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Eine Rose für Sophie Scholl - Forchtenberg

Im hohenlohischen Forchtenberg wurde Sophie Scholl geboren und getauft. Der Vater war dort Bürgermeister. Heute führt ein Hans und Sophie Scholl-Pfad durch die Altstadt, umrankt von weißen Rosen, die Sophies Namen tragen.

 Das Würzburger Tor in Forchtenberg, der Geburtsstadt von Sophie Scholl. Foto: Andreas SteidelDas Würzburger Tor in Forchtenberg, der Geburtsstadt von Sophie Scholl. Foto: Andreas Steidel

Orte der Kindheit sind oft eine Idylle. Bei Sophie Scholl war das nicht anders. Am Stauwehr des Flusses Kocher lernte sie schwimmen. Die Kirchstiege sauste sie mit dem Schlitten hinunter. Im Pfarrgarten spielte sie mit den Pfarrerskindern kleine Theaterstücke. Und noch kurz vor ihrer Hinrichtung erzählt sie ihrer Mitgefangenen Else Gebel einen Traum, der in der Mitte ihrer Geburtsstadt spielte.

Am 9. Mai 1921 wurde Sophie im Rathaus in Forchtenberg als viertes Kind von Robert und Magdalena Scholl geboren. Der Vater war dort Stadtschultheiß, Bürgermeister, die Familie hatte ihre Wohnung unmittelbar neben den Amtszimmern. Robert Scholl war ein entschlossener Mann, ein Modernisierer. Er sorgte für einen Eisenbahnhaltepunkt und brachte die Kanalisation in die verträumte Weinbaugemeinde in Nordwürttemberg.

Die Einwohner freilich, sie dankten es ihm nicht. Die Straßen waren monatelang aufgerissen und ständig wollte der Rathauschef etwas Neues. 1929 wählten sie ihn ab, eine bittere Niederlage, die für ein tiefes Zerwürfnis sorgte. Für Robert Scholl endete die Zeit in Forchtenberg enttäuschend. Er übernahm für zwei Jahre die Leitung der Stuttgarter Handwerkskammer und zog mit der Familie nach Ludwigsburg.

1932 zogen die Scholls weiter nach Ulm.  Noch vor dem eigentlichen Umzug ging Sophie zu einer Freundin ins 30 Kilometer östlich gelegene Langenburg und besuchte dort auch die Schule. Zu schmerzlich waren die Erinnerungen an Forchtenberg, wo die Scholls wohl gerne noch viel länger geblieben wären.

Geburtsort von Sophie Scholl - Abschied tat weh

Von Sophies Geburtsort hatte die Familie erst einmal genug und gleiches galt wohl umgekehrt auch für die Forchtenberger. Es hat lange gedauert, bis man sich dort der berühmten Widerstandskämpferin erinnerte.

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Ludwigsburg, Ulm, München: Zu viele andere Orte standen für das Wirken der Geschwister Scholl, die Kleinstadt in Hohenlohe verband jedoch kaum einer mit ihrem Namen, zumal Hans Scholl ja auch 1918 an einem anderen Ort geboren wurde (Ingersheim an der Jagst).

1990 lud die Künstlerin Renate Deck im nahen Schwäbisch Hall zu einem Atelierfest ein. Es ging dabei um Rosen, ihre Lieblingsblumen. Dieganze Werkstatt war mit Rosenmotiven dekoriert. Ein Besucher kam aus Forchtenberg und erzählte der Künstlerin, dass dort ja eine der Mitglieder der „Weißen Rose“ geboren wurde.

Renate Deck staunte, aber noch vielmehr, als ihr der Gast erzählte, dass seine Mutter die Lehrerin von Sophie Scholl war. „Ich konnte es erst gar nicht glauben“, sagt Renate Deck heute.

Die Begegnung im Atelier vor über 30 Jahren löst in ihr etwas aus, das bis zum heutigen Tag anhält. Stück für Stück legte sie die Spuren der Vergangenheit frei, gründete einen Lesekreis, initiierte Gedenkfeiern und Erinnerungsveranstaltungen an den Geburts- und Todestagen der Scholls.

Anfangs waren die Forchtenberger noch zurückhaltend, wollten nur ein „stilles Gedenken“. Doch bald merkten sie, wie interessiert die Öffentlichkeit an dem Thema war.

Renate Deck brachte Ausstellungen nach Forchtenberg, eröffnete 2004 eine kleine Dauerausstellung über die „Weiße Rose“ im Würzburger Tor.

Der Wendepunkt war das Jahr 2005. Da wurde oben auf der Schlossruine der neue Film „Sophie Scholl – die letzten Tage“ mit Julia Jentsch in der Hauptrolle gezeigt. Rund 1000 Menschen kamen, darunter viele Jugendliche. Sie alle gingen schweigend nach Hause, tief ergriffen von der Geschichte Sophie Scholls und ihrer aufrechten Haltung.

„Damals hat sich etwas verändert“, sagt Renate Deck, „viele Menschen in Forchtenberg waren nun stolz, dass das eine von ihnen war, ihre Tochter.“

Nur ein Jahr später entstand der Hans und Sophie Scholl-Pfad in Forchtenberg. Eröffnet am 85. Geburtstag von Sophie Scholl, erschließt er in zwölf Stationen die Orte ihrer Kindheit. Das Rathaus, in dem sie geboren wurde, der Schwimmplatz, die Schule, der Pfarrgarten, die Kirche. Die Michaelskirche ist nicht mehr die gleiche wie in Sophies Kindheit, 1934 wurde sie abgerissen und neu errichtet. Doch der Taufstein blieb erhalten, Forchtenbergs heutiger Pfarrer Wolfgang Wilhelm muss ihn Besuchern immer wieder zeigen, ein Kunstwerk von 1765 aus Sandstein und einem markanten Figurenholzdeckel. Am 10. Juli 1921 wurde Sophie hier von Pfarrer Wilhelm Hornberger getauft.

Die Familie Scholl war sehr gläubig, vor allem die Mutter, die eine Ausbildung als Diakonisse gemacht hatte. Manchmal hielt Magdalena Scholl auch selbst Kinderkirche, Sophie sollte zu den fleißigen Besuchern des kleinen Gottesdienstes gehören und sich zeitlebens mit Glaubensfragen auseinandersetzen.

Sophie Scholl - Tiefer Glauben

An vielen Stationen des Hans und Sophie Scholl-Pfads blühen Rosen. Es sind weiße Rosen einer speziellen Sorte: 2005 reiste die Rosenliebhaberin Renate Deck mit einer Delegation aus Forchtenberg zu einem Rosengärtner nach Bad Nauheim und nahm eine ganz spezielle Züchtung entgegen – die „Sophie-Scholl-Rose“. 60 weißblühende Rosenstöcke mit dem Namen Sophie Scholl wurden in Forchtenberg gepflanzt. Die verlorene Tochter kehrte als blühende Blume in ihren Geburtsort zurück.

Im Namen der Rose: der Hans und Sophie Scholl-Pfad. Im Pfarrgarten waren die Kinder oft. Foto: Andreas SteidelIm Namen der Rose: der Hans und Sophie Scholl-Pfad. Im Pfarrgarten waren die Kinder oft. Foto: Andreas Steidel

Heute ist die Erinnerung an Sophie Scholl sehr präsent in der Kleinstadt am Kocher. Im Rathausfoyer steht eine Büste von Sophie Scholl, südlich des Würzburger Tors ein großes rotes Schild mit dem Schriftzug: „Forchtenberg – Geburtsstadt von Sophie Scholl“. Selbst auf der Autobahn A6 wird auf Forchtenberg als Geburtsort Sophie Scholls hingewiesen und inzwischen kommen viele Menschen dorthin, um sich zu den Wurzeln der Weißen Rose führen zu lassen. Dass man das sogar ganz wörtlich nehmen kann, berührt viele noch mehr – seit 2016 gibt es nun auch eine Rosensorte, die nach Hans Scholl benannt wurde. Sophie Scholls Schwester Elisabeth Hartnagel wurde 100 Jahre alt, Sophie selbst hingegen nur 21. In der Erinnerung jedoch ist sie lebendiger denn je, auch in ihrer Geburtsstadt Forchtenberg.

Die Gedenkstätte im Würzburger Tor in Forchtenberg (Weiße Rose i-Punkt) hat normalerweise mittwochs von 15 von 18 Uhr oder nach Vereinbarung geöffnet. Ansprechpartnerin, auch für Führungen: Renate Deck, Telefon 07905-5135, E-Mail: rsd.rose32@web.de

Der Hans und Sophie Scholl-Pfad ist frei zugänglich, ein Infoblatt gibt es im Internet und am Prospektständer am Rathaus: Telefon 07947-91110, www.forchtenberg.de