Christliche Themen für jede Altersgruppe

Eine steile Karriere

Es war das erste geistliche Lied, das in Deutschland die Hitparaden stürmte: „Danke“ war 1963 sechs Wochen lang in den Charts, obwohl es umstritten war. Viele Künstler haben ihre eigene Version davon aufgenommen. Und es ist nach wie vor beliebt. 

Martin Gotthard Schneider landete mit einem christlichen Lied einen Hit, der auch heute noch bekannt ist. (Foto: epd-bild)

Wer kennt es nicht, das Lied „Danke für diesen guten Morgen“? Kaum liest man diesen Satz, hat man die Melodie dazu im Kopf. Dass ein christliches Lied die Hitparade stürmen würde, war nicht abzusehen und nicht beabsichtigt. Der Freiburger Kirchenmusiker Martin Gotthard Schneider hatte es 1961 geschrieben, für einen Wettbewerb an der Evangelischen Akademie in Tutzing. Dort landete es auf dem ersten Platz.

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1962 wurde es von Werner Last, dem Bruder von James Last, arrangiert. Er produzierte das Lied mit dem Botho-Lucas-Chor für die Plattenfirma Electrola. 1963 war die Einspielung sechs Wochen lang in der deutschen Hitparade vertreten. Später wurde es in mehr als 25 Sprachen übersetzt. Zunächst war „Danke“, wie das Lied ursprünglich hieß, in Kirchenkreisen sehr umstritten. Manche verglichen es gar mit einem Campingpfarrer, „der am Strand keine Predigt hält, sondern ... aufgeblasene Gummischwimmtierchen mit der Aufschrift ‚Jesus lebt‘ verteilt.“ Der Schlagersänger Ralf Bendix spielte „Danke“ beim Kirchentag 1963 in Dortmund vor 16 000 Menschen. Und obwohl seinerzeit das Evangelische Gemeindeblatt schrieb, dass „dieser Auftritt verblassen musste“ gegen andere Auftritte, etwa von bekannten Gospelsängern – der Beliebtheit von „Danke“ tat das keinen Abbruch. Bendix’ Version verkaufte sich später 250 000 Mal. Das Gemeindeblatt schrieb über den Auftritt auf dem Kirchentag danach skeptisch: „Fragwürdig bleiben die Versuche der deutschen Nachdichtungen, Neudichtungen und Kompositionen ... Sind wir wirklich nur noch nicht so weit, oder liegt es nicht doch am grundsätzlichen Unvermögen der deutschen Sprache und unserer religiösen Tradition und Denkweise?“

Der Streit um das neue Lied wurde nicht nur in evangelischen Wochenblättern ausgetragen. Auch Fernsehsender griffen den Zwist auf. So verspottete der Westdeusche Rundfunk den Text mit der Zeile „Danke auch für das kleine Helle“. Dazu wurde ein Bierglas gezeigt. Zur Strophe „Danke, dein Heil kennt keine Grenzen“ blendete der Fernsehsender sogar Bilder ein von einem Lebensmüden, der über die Bahnschranken auf die Gleise klettert.

Der Mediensturm machte das Lied noch populärer. So wurde die Single in der Vertonung mit dem Botho-Lucas-Chor in den 1960er-Jahren insgesamt 700 000 Mal verkauft. Der Erfolg führte dazu, dass viele neue geistliche Lieder entstanden, die mit Elementen aus Schlager, Folk und Jazz eine ganz neue Liedsprache fanden. Und Jahre später wurde „Danke“ in den Stammteil des Evangelischen Gesangbuchs aufgenommen (Nummer 334). Dabei war es zunächst überhaupt nicht für den Gottesdienst gedacht. Martin Gotthard Schneider hatte beim Schreiben und Komponieren eher ein „Alltagslied für Jugendgruppen, Freizeiten und den Religionsunterricht“ im Sinn.

Die Ärzte, Heino, Mickie Krause – sie alle und noch viele mehr haben ihre jeweils eigene Version von „Danke“ aufgenommen. Auch im Religionsunterricht hatte das Lied eine besondere Stellung: Zum Gemeindeblatt-Artikel über Martin Gotthard Schneiders Tod 2017 schrieb ein Leser aus Uhingen, dass er mit seinen Religionsklassen das Lied durchgenommen habe – und er die Schüler eigene Strophen hinzudichten ließ. Mehr als 100 Verse sind so entstanden. Die natürlich auch im Unterricht gesungen wurden. □

 

 

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