Christliche Themen für jede Altersgruppe

Eine unbeugsame Frau

PINACHE (Dekanat Mühlacker) – An die Gründer der Waldensergemeinden Pinache und Serres erinnert seit einigen Jahren das Museumsstüble des „Freundeskreises Waldenser“ im Alten Rathaus Pinache. Dort erzählt nun eine inspirierende Sonderausstellung von der Hugenottin Marie Durand (1711 - 1776), die für ihren reformierten Glauben 38 Jahre Gefängnis auf sich nahm. 


Cornelia Schuler (rechts) und Ilse Beuchle blicken auf die Sonderausstellung. (Foto: Susanne Müller-Baji) 


Ein unbeugsames Wesen kennzeichnet die Waldenser, die wegen ihres Glaubens Ende des 17. Jahrhunderts aus dem damals französischen Piemont vertrieben wurden und in Baden-Württemberg eine neue Heimat fanden. Ihre Siedlungen strahlen bis heute den Wunsch nach Abgeschiedenheit aus und die winzigen Dorfkirchen mit dem Motto „Lux lucet in tenebris“ („Licht in der Dunkelheit“) sind von großer Strenge. Wie in Serres und Pinache, an deren Entstehungsgeschichte der „Freundeskreis der Waldenser” und sein Museumsstüble erinnern.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Dazu passt die neue Sonderausstellung, die seit einigen Wochen eine starke Frau vorstellt: Marie Durand (1711–1776), die im katholischen Frankreich an ihrem reformierten Glauben festhielt, deren Schicksal neben einem anderen aber häufig in den Hintergrund tritt: Ihr Bruder Pierre Durand (1700–1732) predigte im Untergrund, wurde denunziert und als erster reformierter Pfarrer nach der Aufhebung des Edikts von Nantes hingerichtet.

Tatsächlich hatte aber die ganze Familie Durand unter der katholischen Verfolgung zu leiden: Auch Vater Etienne Durand war wegen seines Glaubens im Gefängnis.

Als die kleine Marie noch keine acht Jahre alt war, wurde auch ihre Mutter Claudine Gamonnet verhaftet, weil in deren Elternhaus eine Gemeindeversammlung stattgefunden hatte – sie verstarb in Gefangenschaft. Es scheint, als ob man gegen Frauen fast härter vorging als gegen Männer. ­Marie Durand wusste also sehr genau, was ihr drohte. Umso beeindruckender ist ihr Festhalten an ihrem Glauben, auch als sie im berüchtigten Wehrturm „Tour de Constance“ in Aigues-Mortes festgesetzt wurde – 38 Jahre lang.

Die kleine Sonderausstellung blickt auf ihre Familiengeschichte, zeigt die Haftbedingungen auf und gewährt Einblicke in die Lebenswelt der Marie Durand, die durch ihre zahlreichen Briefe aus der Haft recht gut dokumentiert ist. Ein interessanter Seitenhieb der Geschichte wird ebenfalls aufgezeigt: Marie Durand ritzte in die Wand des Gefängnissaales die Durchhalteparole „reçister” („Widerstand leisten”), von der die französische Résistance während des Zweiten Weltkriegs ihren Namen ableitete.

Gertrud Roux vom Freundeskreis führte bei der Eröffnung durch die kleine Sonderschau. Ihr persönliches Fazit? „Es ist bloß gut, dass Evangelische und Katholische heute so gut miteinander auskommen.” Das reizte einen Gast zum Widerspruch: Angesichts des jüngsten Abendmahlstreits gebe es noch Redebedarf. Im Feierjahr zu 100 Jahren Frauenwahlrecht setzt die Sonderausstellung einen spannenden Impuls: Wie außerordentlich war Marie Durand in ihrer Gesellschaft und wo stehen Frauen heute?

„Ich war sofort beeindruckt von ihrer Stärke und ihrer aufrechten Haltung“, sagt Cornelia Schuler, eine der treibenden Kräfte hinter dem Freundeskreis. Sonderausstellungen seien wichtig, um das Interesse am Waldenserstüble aufrechtzuerhalten. Als sie bei einem Besuch auf Marie Durand aufmerksam wurde, habe sie sofort gewusst, dass sie ihr nächstes Thema gefunden hatte.

Nun möchte sie auch über die Ausstellung hinaus auf die bemerkenswerte Hugenottin aufmerksam machen, etwa bei Vorträgen. Und denkt schon mal darüber nach, dass die Sonderschau, die aus Platzgründen auf Roll-ups Platz gefunden hat, später weiterwandern könnte.


Information

Die Ausstellung zu Marie Durand ist bis November zu sehen. Das Waldenserstüble im Alten Rathaus Pinache, Hauptstraße 32, ist jeweils am ersten Sonntag des Monats von 14 bis 17 Uhr geöffnet oder nach Vereinbarung unter Telefon 07041-6522. Hier gibt es auch Informationen zur Arbeit des Freundeskreises.

 

 

Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen