Christliche Themen für jede Altersgruppe

Eine Wende ist möglich - Impuls zur Predigt

Jeremia 14,3-4.7-9 Die Großen schicken ihre Diener nach Wasser; aber wenn sie zum Brunnen kommen, finden sie kein Wasser und bringen ihre Gefäße leer zurück. Sie sind traurig, weil es nicht regnet auf das Land. Darum sind die Ackerleute traurig und verhüllen ihre Häupter. Ach, Herr, wenn uns unsre Sünden verklagen, so hilf doch um deines Namens willen! Denn unser Ungehorsam ist groß, womit wir wider dich gesündigt haben. Du bist der Trost Israels und sein Nothelfer. Warum stellst du dich, als wärst du ein Fremdling im Lande und ein Wanderer, der nur über Nacht bleibt? Warum bist du wie einer, der verzagt ist, und wie ein Held, der nicht helfen kann? Du bist ja doch unter uns, Herr, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!

Eine Wende ist möglich

Impuls zum Predigttext für den 2. Sonntag nach Epiphanias: Jeremia 14,1(2)3-4(5-6)7-9.

Von Heiko Zürn.

Heiko Zürn ist Pfarrer in Reutlingen- Ohmenhausen. Mit seiner Familie hat er einige Jahre in Südafrika gelebt. (Foto: Privat)

Reutlingen-Ohmenhausen, Pfarrer Heiko Zürn

 

Day Zero in Kapstadt, der Tag, den alle gefürchtet haben: Am 12. April 2018 wäre alles Wasser in der Stadt verbraucht, wenn sich die Menschen nicht drastisch einschränken. Es wäre der Tag, an dem die Wasserquellen versiegen und die öffentliche Trinkwasserversorgung zusammenbricht. Zu wenig Niederschlag über mehrere Jahre und zu hoher Verbrauch der schnell wachsenden Stadt hatten die Situation dramatisch verschlechtert. Die Kapstädter lernten das Wassersparen. Ungewaschene Haare wurden zum Statussymbol. Nur 50 Liter Wasser pro Person und Tag durften verwendet werden. Durch diese drastischen Maßnahmen blieb die Katastrophe aus, auch weil nach mehr als drei Jahren endlich wieder Regen fiel. Aber die Wasserknappheit bleibt bedrohlich. Knapp an der Katastrophe vorbei – diese Erfahrung wirkt nach in Kapstadt. Die Menschen wissen, dass das Leben ihrer Stadt zerbrechlich ist.

Ganz nahe ist da das Jeremiabuch. Das Volk Israel durchleidet eine große Dürre. Die Brunnen sind versiegt und der Regen bleibt aus. Die Ackerleute schämen sich und verhüllen ihr Haupt. Sie fühlen sich verantwortlich für die Ernährung der Menschen und können doch nichts tun.

Jeremia deutet die Dürre. Sie ist da, weil Gott von seinem Volk vergessen wurde. Israel hat über Generationen die falschen Weichen gestellt, das falsche Leben gelebt. Und nun ist die Katastrophe da, und die Menschen spüren ihre Ohnmacht. Der Einzelne kann das Schicksal nicht wenden. Das ganze Volk muss umkehren. Der Dürre kann keiner alleine entfliehen.

Wende - Das ganze Volk muss umkehren

Wenn es auf des Messers Schneide steht, wenn alle erschrecken über die Zerbrechlichkeit des gewohnten Lebens – dann ist die Wende möglich. Gott ruft sich in Erinnerung. Er verlässt niemanden, sondern ruft laut durch den Mund des Propheten nach seinen Leuten. Und sie antworten und finden zurück: „Du bist ja doch unter uns, Herr, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht.“ Ihnen ist sehr bewusst, dass sie in die Irre gelaufen sind. Trotzdem scheuen sie sich nicht, Gott an seine Rolle und Pflichten zu erinnern: „Warum stellst du dich, als wärst du ein Fremdling im Lande und ein Wanderer, der nur über Nacht bleibt? Warum bist du wie einer, der verzagt ist, und wie ein Held, der nicht helfen kann?“ Hier ist mitten in der Dürre ein großes Gottvertrauen. Hier pochen Menschen mitten in der Katastrophe darauf, dass sie Gottes Kinder sind. Und es klingen Bilder an, die Jesaja für das Kind in der Krippe findet: Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater und Friede-Fürst. So ist Gott für Israel.

Die Erkenntnis, in wenigen Monaten völlig auf dem Trockenen zu sitzen, war ein Schock für die Kapstädter, der viele zuerst gelähmt hat. Doch dann haben sich Nachbarschaften organisiert, um dem scheinbar Unausweislichen etwas entgegenzusetzen. Plötzlich herrscht ein Geist der Gemeinschaft. Die Menschen erkennen, dass sie nicht hilflos ausgeliefert sind, sondern dass gemeinsame Anstrengung sehr viel möglich macht. In der Ohnmacht wurden Handlungsspielräume entdeckt. Es entstand eine Zuversicht, die auch heute noch trägt. Neben die Erfahrung der Zerbrechlichkeit und Gefährdung tritt diese Zuversicht.

Es gibt bis heute nicht viel Gefährdeteres oder Zerbrechlicheres als ein Baby, geboren unterwegs in der Armut eines Viehstalls. Gott teilt unsere gefährdete Existenz und weist uns gleichzeitig einen Weg: Vertraut zuerst auf mich, tut meinen Willen und übernehmt Verantwortung für euch und andere. Geht mit offenen Ohren und Augen durch die Welt, dass ihr mich nicht überseht. Haltet daran fest, dass ihr meine Kinder seid.

So hebt Gott unsere Zerbrechlichkeit auf in seiner Stärke und unsere Lähmung in seiner Lebendigkeit.

Andacht Kerzen entzünden Unsplash

Foto: Hector Martinez/Unsplash

 

Gebet

Vater, du lässt dich rufen in der Not, und unsere Worte verhallen nicht ungehört.

Jesus Christus, unser Mitmensch, deine Lebendigkeit überwindet unsere Lähmung.

Heiliger Geist, du stiftest Gemeinschaft und schenkst Zuversicht.

Amen.

 

 

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