Christliche Themen für jede Altersgruppe

Einer sieht - Impuls zur Predigt

Johannes 9,1-3 Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.

Impuls zum Predigttext für den 8. Sonntag nach Trinitatis: Johannes 9,1-7.

Von Matthias Figel

Matthias Figel ist Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Hausen ob Verena. Foto: Privat

 

Matthias Figel ist Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Hausen ob Verena. Foto: PrivatEiner sieht nichts. Seine Eltern machen sich Sorgen. Andere Säuglinge reagieren auf optische Reize – er nicht. Andere Kinder toben durchs Haus – er tastet sich vorsichtig vom Tisch zum Bett. Andere Jugendliche gehen selbstständig ihrer Wege – er bleibt für immer auf Hilfe angewiesen. Wie geht seine Familie damit um? Arbeiten sie sich am Schicksal ab? Reiben sich daran auf? Können sie es annehmen?

Ein anderer sieht. Jesus sieht nicht am Blindgeborenen vorbei, sieht nicht auf ihn herab, sondern sieht ihn an. Das ist im Kern schon Evangelium, gute Nachricht und frohe Botschaft: Jesus sieht den Blindgeborenen. Wie begegnet man einem Blinden auf Augenhöhe? Sicher nicht, indem man über ihn, über seinen Kopf hinweg, tiefschürfende Fragen formuliert: „Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?“ Die Jünger geben sich nicht einmal Mühe, zu flüstern oder mit ihrem Gespräch zu warten, bis sie außer Hörweite sind. Laut reden sie über den Blinden, machen ihn zum Objekt und degradieren ihn zum Fall. Der Mann kann alles hören – auch den Vorwurf, der unterschwellig mitschwingt: Irgendeinen Grund wird es schon geben.

Das tut weh, trifft und sticht ins Herz. Denn genau das ist die Frage, die den Blinden und seine Eltern quält, wenn sie sich in dunklen Stunden an der Warum-Frage abarbeiteten. Womit habe ich das verdient? Auf diese Weise wird Schuld gesucht, um Kontrolle zu gewinnen. Den Jüngern ergeht es ähnlich. Sie sind verunsichert. Durch sein pures Dasein, seinen anrührenden Anblick ist der Blinde für sie eine Anfrage an ihre Welt- und Lebensanschauung, an ihr Selbst- und Gottesbild. Was ist das für ein Gott, der es den einen leicht macht und den andern so schwer? Könnte es auch mich treffen? Eine Erklärung muss her. Eine Logik, ein System oder eine Deutung, die hilft, die Sorgen abzumildern, die Beklemmung in den Griff zu bekommen und die Angst einzuhegen, dass es jeden treffen kann – auch mich.

Es geht nicht um die Frage nach Schuld

Jesus sieht den Blinden mit seinen Fragen, sieht dessen Eltern mit ihren Selbstvorwürfen und sieht seine Jünger mit ihrem hilflosen Versuch, einer betroffen machenden Begegnung auszuweichen. Seine Antwort entlastet alle:

„Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern.“ Schluss mit dem Zermartern, dem Recherchieren und dem Grübeln. Das Gesetz forscht nach Schuld, sucht nach dem, was den Menschen belastet. Das Evangelium sagt an, was Gott – in Jesus Christus – mit dem Menschen vorhat: „Es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.“ Darum heilt Jesus den Blindgeborenen. Nicht eine Antwort auf das „Warum?“ macht diesen gesund, sondern die Begegnung mit Jesus.

Mit seiner Zuwendung, seiner liebevollen Berührung und seinem Zuspruch „Geh zu dem Teich Siloah und wasche dich!“ verwandelt Jesus das „Warum?“ in ein „Wozu?“. Er lenkt den Blick von der Vergangenheit in die Zukunft und führt aus der Blindheit ins Licht, zum „Licht der Welt“. Am Ende der Erzählung wartet eine überraschende Pointe. Zuletzt ist der ehemals Blinde der einzig Sehende, indem er vor Jesus niederfällt, ihn anbetet und bekennt: „Herr, ich glaube.“

 

Foto: Holger Link/ Unsplash/ ToskanaFoto: Holger Link/ Unsplash/ Toskana

 

Gebet

Öffne meine Augen, Heiliger Geist, damit ich die Schönheit der Schöpfung sehe.

Öffne meinen Geist, Heiliger Geist, damit ich deine Botschaft glaube.

Öffne mein Herz, Heiliger Geist, damit ich deine Liebe spüre.

Amen.

 

Weltgebetstag der Frauen in EG 577, 2+3+7


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