Christliche Themen für jede Altersgruppe

Einmal mit Mama, einmal mit Papa - Konfirmationsfeier

Die Kleidung ist bunter, der Unterricht entspannter geworden. Aber es gibt noch mehr Unterschiede zwischen heutigen Konfirmationsfeiern im Kreis Freudenstadt und den Feiern damals, die in der vergangenen Ausgabe beschrieben wurden.

Konfirmation, Konfirmandenkerzen, Gottesdienst

Selbst gestaltet und so individuell wie die Konfirmanden selbst: die Kerzen zur Feier. (Foto: epd bild)

Das Lampenfieber vor der Einsegnung ist auch heute nicht verschwunden – selbst wenn der Konfirmationsgottesdienst weit weniger angstbeladen erlebt wird als in den Vorgängergenerationen. Zwar lernen die Konfirmanden immer noch Texte auswendig. Doch teilweise wird das Gelernte dann in der Gruppe aufgesagt und wenn einzeln, dann wohl dosiert.

Über das Aufsagen der Sprüche berichtet Theresa (links, Konfirmationsjahrgang 2011): „Unsere Diakonin hat das sehr sensibel und toll gemacht. Je nachdem, wie fit wir waren, bekamen wir kleinere oder größere Texte zum Auswendiglernen“. Wobei sie rückblickend auch feststellt: „Aber das war noch aufregend genug.“

Konfirmation - heute Vielfalt - früher einheitlich

Die wichtigsten Unterschiede zwischen heutigen Konfirmationen und denen des vorigen Jahrhunderts lassen sich mit den Begriffen „Einheitlichkeit“ und „Vielfalt“ fassen. Während sich frühere Feiern durch einheitliche, manchmal nahezu identische Konfirmationsgottesdienste, einheitliche Konfirmandenkleidung, ähnliche Abläufe der Familienfeiern, ähnliche Speisezettel, fast identische Gästelisten, festgelegte Sitzordnungen beim Essen und nahezu gleiche Geschenke charakterisieren lassen, überwiegt heute die Vielfalt.

 

 

 

Konfirmationsgottesdienste werden selbst gestaltet

Da gibt es die unterschiedlichsten Gottesdienste und vielfältige Konfirmandenkleidung. Die Hemden unterm Sakko, so überhaupt eins getragen wird, leuchten manchmal in rot oder grün und statt in dunklem Festtagskleid kommen die Mädchen auch mal im weißen Sommerkleid oder ganz in bordeauxrot. Ihren Konfirmandenunterricht beschreiben die befragten Jugendlichen im Kreis Freudenstadt heute mehrheitlich als bereichernd und interessant, vielfältig und „cool“. Sie erleben die Konfizeit als relativ entspannt, manche definieren diese Zeit für sich als eine Möglichkeit, neue Denkräume zu finden. Durch den Konfiunterricht wird die eigene Kirchengemeinde neu erlebt oder erst kennengelernt und entdeckt.

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Geschätzt wird auch die Möglichkeit, sich in der Gruppe Gleichaltriger neu zu orientieren. Viel Anklang finden zudem gemeinsame Aktivitäten wie das Konficamp oder die Fußballturniere unter Konfirmandengruppen. Häufig können die Konfirmanden im Konfirmationsgottesdienst ihre eigenen Vorlieben und Sichtweisen mit einbringen, erzählen oder singen von dem, was sie bewegt, was sie gelernt und womit sie sich beschäftigt haben. Noch heute schwärmt Martina vom Konfirmationsgottesdienst ihres Sohnes 2015, bei dem die Konfirmanden die Liedauswahl übernommen hatten und bei dem in den Kirchenbänken getanzt wurde. Weitgehend verschwunden sind die früher üblichen und vor allem angesichts der Hetze beim Festessen gefürchteten Zusatzgottesdienste am Nachmittag der Konfirmation. Wie bei Sophia steht bei immer mehr Konfirmanden heutzutage erst die Taufe an, die meist gleichfalls im Familienkreis begangen wird. Auf Sophias Wunsch hin wurde sie im Fluss ihres Heimatortes getauft.

Taufe am Fluss, Konfirmandin

Sophia wurde vor der Konfirmation im Fluss getauft. Es muss nicht immer dunkel sein: Ein Festtagskleid in Rot oder rosa ist heute keine Seltenheit. Foto: privat, Waltraud Günther

Heutzutage gibt es unzählige Anregungen für die Gestaltung der Feier, von Bastelanleitungen für Einladungskarten oder Tischdekorationen bis hin zu Checklisten mit Ratschlägen wie „Nicht übertreiben und auch nicht geizen“. Je höher der eigene Perfektionsanspruch, desto größer erleben die Eltern den Stress vor der Feier.

Der Vater kommt nicht zum Konfirmationsgottesdienst

Für in Patchworkfamilien lebende oder alleinerziehende Konfirmandeneltern bergen die Feierlichkeiten noch andere Stolpersteine. So berichten alleinerziehende Mütter, dass sie sich angesichts der vielen eingeforderten Elternaktivitäten, die vom Elternprojektchor bis zum gemeinschaftlichen Binden der Blumengirlanden reichten, teilweise überfordert fühlten.

Für viele getrennt lebende Konfirmandeneltern stellt die größte Hürde die Familienfeier dar. Vor allem, wenn parallel Scheidungsdramen vor Gericht ausgetragen werden, ist es vielen nicht möglich, friedlich gemeinsam in der Kirchenbank oder an einem Tisch zu sitzen. So berichtet ein Großvater, dass er den Konfirmationsgottesdienst seines Enkels nur von der letzten Reihe der Empore aus miterlebt habe, sein Sohn sei gar nicht mit in die Kirche gekommen. Die Scheidung von Melanies Eltern dagegen bewirkte, dass sie gleich an zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen ihre Konfirmation feiern durfte oder musste: Am Konfirmationssonntag mit der Familie der Mutter, eine Woche später hatte der Vater seine Familie und Freunde zur großen Nach-Konfirmationsfeier eingeladen.

Für Tims Mutter, die nicht an der Konfirmationsfeier ihres beim Vater lebenden Sohnes teilnehmen durfte oder wollte, bestand die Lösung dieses Dilemmas darin, für Tims Feier eine aufwendige Tischdekoration zu basteln und das folgende Wochenende mit ihrem Sohn zu verbringen.

Über Schwierigkeiten bei Konfirmationen in Pflegefamilien können Andrea und Werner viel berichten. Haben die beiden doch neben ihren sechs eigenen Kindern auch mehrere Pflegekinder durch die Konfirmandenzeit begleitet. „Als Pflegemutter hielt ich mich immer im Hintergrund, wenn irgend möglich sollten stets die leiblichen Eltern mit ihrem Kind im Vordergrund stehen“, beschreibt Andrea ihr Rollenverständnis. Klar war für Andrea und Werner stets, dass zu den Konfirmationsfeiern der Pflegekinder deren gesamte Herkunftsfamilie eingeladen wurde. Einige der leiblichen Mütter haben es aber nicht geschafft, am Konfirmationsgottesdienst ihres Kindes teilzunehmen.


Konfirmanden im Gottesdienst. Foto: privat

Egal in welcher Familienkonstellation: Gefeiert wird meist in Gaststätten. Bedingt durch die rückläufige Zahl der Konfirmanden ist es weniger schwierig, eine freie Gastwirtschaft zu finden. Auch heute noch werden Kuchen und Torten in großen Mengen gebacken. Die Tradition, den Schenkenden Kostproben davon mitzugeben, scheint dagegen weitgehend erloschen zu sein. Vielmehr wird häufig am Tag nach der Konfirmation zu einem Nachbarschaftskaffee eingeladen. Und statt Kuchen erhalten die Schenkenden hinterher meist ein Konfirmandenbild, die Dankes-Kärtchen werden mit einer Praline dran aufgewertet.

Wenig Vielfalt ist bei den Konfirmationsgeschenken zu beobachten: Überreicht wird fast ausschließlich Geld. Sammeltassen, Tortenheber oder Zuckerzangen sind als Konfirmationsgeschenke jedenfalls völlig außer Mode. Vereinzelt berichten Konfirmanden davon, dass sie von den Paten oder Großeltern das Gesangbuch geschenkt bekommen haben.

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