Christliche Themen für jede Altersgruppe

Engel suchen und finden

GEISLINGEN – Holzbildhauer Arthur Goldgräbe hat schon viele Engel gestaltet oder besser: Er hat sie während seiner künstlerischen Arbeit erkannt. „Ich konnte nichts anderes sehen“, sagt er. Einige seiner Werke hat er für seine Winterausstellung ausgesucht.

Holzbildhauer Arthur Goldgräbe in seiner Geislinger Werkstatt. Foto: Brigitte Scheiffele

Immer wieder entstehen bei Schnitzarbeiten von Bildhauer Arthur Goldgräbe Engel. Nicht mit Absicht, sagt er, „aber während des Arbeitsvorgangs lassen sich Flügel so wunderbar frei und phantasievoll gestalten“. Manche von ihnen sind einfach nur Flügel. Bei anderen übernehmen auch mal die Arme eine Flügelrolle. Aus welchem Material auch immer, der Ausdruck lässt oft keinen anderen Schluss zu: „Das muss ein Engel sein!“, berichtet der Geislinger Künstler.

Seit gut zehn Jahren konzentriert er sich auf Holzbildhauerei, setzt sich mit dem Werkstoff Holz auseinander und beschäftigt sich über seine Skulpturen mit dem Wesen Mensch und seinen Bedürfnissen. So stellte Goldgräbe zum Beispiel zum Thema „Fürchte dich nicht“ die Ängste der Menschen als Teil ihres Wesens dar. „Ängste aktivieren oder lähmen, lassen uns reifen oder stagnieren“, sagt der Künstler. Menschen, die nach Distanz streben und Angst haben sie zu verlieren, stellt er Menschen gegenüber, die Nähe brauchen und Einsamkeit fürchten. Anderen, die Stabilität suchen und Veränderung scheuen, stellt er Menschen gegenüber, die nach Abwechslung streben. „Alle sind auf der Suche nach Quellen des Trostes und Kräften, die sie ihren Ängsten entgegensetzen können“, sagt er.

Goldgräbe ist Jahrgang 1950, in Ulm geboren und aufgewachsen, verheiratet, Vater von zwei Kindern und Großvater dreier Enkel. Seiner Schlosserlehre folgten ein volkswirtschaftliches und ein Ingenieurstudium. Im Anschluss entwickelte er zwölf Jahre lang neue Berufe am Berliner Bundesinstitut für Berufsbildung. Als Leiter der Personalentwicklung bei WMF zog er schließlich nach Geislingen.

Der Mensch und seine vielfältigen Erscheinungs- und Ausdrucksformen, ob körperlich, seelisch, emotional oder spirituell, wurden auch zu seinem künstlerischen Thema. Oft stecke die Form bereits im Material, erklärt Goldgräbe, auch der Ausdruck menschlicher Emotionen finde sich in Hölzern. Das zu entdecken erfordere einen besonderen Blick. „Du siehst das Holz hundert Mal, bis du es zum ersten Mal wirklich siehst.“ Allerdings gibt es Ausnahmen: Einige der geflügelten Wesen begegneten Goldgräbe unverhofft beim Schichten von Brennholz: „Ich sah in einem mickrigen Holzscheit einen Engel. Und von diesem Moment an war es geschehen: In jedem zweiten Scheit fand ich ein Motiv, vor allem in den krummen Stücken offenbarten sich Engel. Ich konnte nichts anderes mehr sehen.“ Also entstanden zwei Stapel – einer mit Brennholz und einer mit potenziellen Engeln.

„Wenn wir wollen, sehen wir in jedem Holz einen Engel, weil wir ihn suchen und sehen wollen. Wenn wir wollen, sehen wir in jedem Menschen, auch wenn wir zunächst nichts Positives finden, einen Engel und heißen ihn willkommen“, sagt der Bildhauer. Gleiches gelte für jede sorgenvolle Situation: In ihr könne man, wenn man es sehen wolle, eine Chance und hoffnungsvolle Perspektive sehen und sie ebenso willkommen heißen.

Bei diesem Thema zitiert Arthur Goldgräbe gerne den Schriftsteller Peter Härtling: „Der Mensch sucht Phänomene zu benennen und wählt oft die Chiffre Engel, weil das unverbindlicher ist als Gott.“ Information Eine Engelschar von Arthur Goldgräbe aus Geislingen ist mit begleitenden Gedichten namhafter Autoren im Rahmen seiner Winterausstellung bis Ende Februar am Skulpturenplatz zu sehen. Er liegt bei der Blumenhandlung Ströhle in Geislingen, Überkinger Straße 51.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen