Christliche Themen für jede Altersgruppe

Er läuft und läuft

EFFRINGEN (Dekanat Calw/Nagold) – Der selbständige Malermeister Uwe Traub ist ein vielseitig aktiver Mensch: 30 Jahre lang war er in Effringen Kirchengemeinderat, heute sitzt er im bürgerlichen Gemeinderat und ist obendrein ehrenamtlicher Ortsvorsteher. Und als ob das noch nicht genug wäre, nimmt der 57-Jährige regelmäßig an Marathon- und Extrembergläufen teil.

Vielseitig: Uwe Traub ist erfahrener Handwerker ‒ und liebt Extrembergläufe. (Foto: Privat)

Die Johannes-Brenz-Medaille wird extra für den Fototermin hervorgeholt. Uwe Traub hat sie für 30 Jahre Arbeit im Kirchengemeinderat bekommen, von 1983 bis 2013 gehörte er dem Gremium an, das ist mehr mehr als das halbe Leben des heute 57-jährigen Effringers. Zwölf Jahre war er Laienvorsitzender, insgesamt hat er drei Pfarrer und mehrere Pfarramtsvertreter kommen und gehen sehen. „Die Vakanzen, die ja unweigerlich bei einem Pfarrerwechsel entstehen, waren nicht immer leicht zu meistern“, erinnert sich Uwe Traub.

In dieser Zeit hat er auch ein besonderes Verhältnis zu seiner Effringer Dorfkirche entwickelt. Er hat sich in die Historie eingearbeitet und bietet bei Gelegenheit bis heute historische Kirchenführungen an. Auch die kirchlichen und politischen Umstände während der Nazizeit vor Ort hat er untersucht. Er war daran beteiligt, dass Pfarrer Fritz Hahn, der von 1934 bis 1941 in Effringen wirkte, rehabilitiert und als Opfer des Krieges anerkannt wurde. Sein Name wurde schließlich nachträglich auf das Denkmal gesetzt. „Es hat mir einfach keine Ruhe gelassen“, erläutert Uwe Traub, „dass ein Pfarrer, der sich mutig aus Glaubens- und Gewissensgründen gegen das Regime gestellt hat, vergessen wurde.“

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Inzwischen hat Traub die Gremienarbeit in der Kirchengemeinde an den Nagel gehängt, allerdings nur, um sich an anderer Stelle weiter zu engagieren. Seit 2009 ist er Mitglied im Wildberger Gemeinderat und seit 2012 Effringer Ortsvorsteher. Auch da sind die Aufgaben vielfältig. „Man ist als Ortsvorsteher immer direkt mit den Anliegen der Bürger konfrontiert“, beschreibt Traub die Herausforderungen des Amtes. Besonders lobt er dabei die gute Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde, die im Auftrag der Stadt Wildberg einmal jährlich den Seniorennachmittag ausrichtet.

Ausgleich und Entspannung findet Uwe Traub im Laufen, für das er zwei bis drei Abende pro Woche reserviert hat. Die Strecke, die er dabei zurücklegt, hat es allerdings in sich: Etwa 30 bis 40 Kilometer ist er pro Woche rund um Effringen unterwegs.

Inzwischen ist daraus eine Passion geworden, obwohl er als „Spätzünder“ erst vor zehn Jahren damit angefangen hat. „Mein Hausarzt hat mir empfohlen, etwas für meine Gesundheit zu tun, und so habe ich anfangs heimlich trainiert“, sagt er und erinnert sich an die unspektakulären Anfänge. Jedes Jahr hat sich Uwe Traub etwas gesteigert. Bei einem Aufenthalt in Berlin meldet er sich spontan für seinen ersten Wettkampf an, einen Zehn-Kilometer-Lauf. Weil er das gut durchhält, nimmt er im nächsten Jahr an einem Halbmarathon teil.

Die Strecken, die er läuft, werden immer länger. Einige Marathonläufe sind darunter, und 2014 nimmt er neben dem Ultra-Berglauf am Mont Blanc auch am sogenannten Zugspitz-Ultra teil. „80 Kilometer Strecke an der Zugspitze oder 105 Kilometer am Mont Blanc in einer Höhe von 2500 bis 2800 Metern sind schon eine besondere Herausforderung“, sagt Traub, der inzwischen zum Extremsportler herangereift ist.

Die längste Strecke in einem Einzellauf hat er im Sommer 2015 unter die Füße genommen. Jeweils am Wochenende nach dem 13. August, dem Gedenktag für den Mauerbau im Jahre 1961, wird in Berlin der Mauerweglauf veranstaltet. Unter dem offiziellen Titel „100 Meilen Berlin“ findet unter der Schirmherrschaft von Pfarrer Rainer Eppelmann, dem ehemaligen Minister und Bürgerrechtler, ein Gedenklauf für die Todesopfer an der Berliner Mauer statt. 161 Kiometer lang ist dieser Lauf; in jedem Jahr wird einem anderen Maueropfer gedacht.

Uwe Traub, der von Schwiegersohn Frank Taschke mit dem Fahrrad begleitet wird, läuft und läuft und läuft. Er schafft einen sensationellen 23. Platz in einer Zeit von 19 Stunden, 47 Minuten und 53 Sekunden.

Weitere spektakuläre Läufe sind hinzugekommen, auch gefährliche. In den Dolomiten überraschte ihn im Sommer 2016 ein Gewitter. Da gehe es nicht mehr um gute Zeiten, sondern nur noch um das gesunde Ankommen. 2018 konnte er einen Wettkampf auf Zypern nicht laufen, weil er Fieber bekam. „Da musst du einfach die Notbremse ziehen“, sagt Uwe Traub. „Schließlich möchte ich ja im nächsten Jahr auch wieder laufen können.“

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