Christliche Themen für jede Altersgruppe

Erfüllte Arbeit mit Älteren - Alltagsbegleitung

STUTTGART-MÖHRINGEN – Das neue Haus Maria im Pflegezentrum Bethanien öffnet am 26. Oktober seine Türen. Bei Hausführungen werden die Gäste auch Alltagsbegleiterinnen kennenlernen. Sie halten das Leben in den Hausgemeinschaften in Gang.

Haus Maria, Pflegezentrum Bethanien, Leitungsteam: Annette Attanasio (links), Katharina Lang und Jessica Schühle. Foto: Brigitte JähnigenLeitungsteam: Annette Attanasio (links), Katharina Lang und Jessica Schühle. Foto: Brigitte Jähnigen

Sigrid Lunke hat Schneiderin gelernt und im Einzelhandel gearbeitet. Vor drei Jahren aber ging sie einen komplett neuen Weg: Als Quereinsteigerin begann sie im Pflegezentrum Bethanien „etwas wirklich Sinnvolles“, wie sie sagt. So bewertet die 60-Jährige ihren Berufswechsel zur Alltagsbegleiterin auch heute. „Der Kontakt zu älteren Menschen, die mich brauchen, ein warmer Ton in der Unterhaltung, das lässt mich am Abend zufrieden nach Hause gehen“, sagt Sigrid Lunke. Und manchmal ist es nur das „Danke“, wenn eine Bewohnerin zu ihr sagt: „Ich brauche bitte ein Taschentuch.“

In einem gut geführten Alten- und Pflegezentrum werden für die Betreuung von Bewohnern alle gebraucht: Pflegefachkräfte, Pflegehelfer und Alltagsbegleiter. Mal abgesehen von Geschäftsführern und diversen Mitarbeitern, die ein Haus auch planerisch am Laufen halten sowie die Ehrenamtlichen. Schon seit einiger Zeit wurde angedacht, im neuen Haus Maria das traditionelle Versorgungskonzept – die Trennung von Pflege und Speisenversorgung – vom Hausgemeinschaftskonzept abzulösen.

Pflegezentrum Bethanien - Neue Kräfte sind willkommen

 „Bewohner haben ihre eigenen Zimmer, treffen sich aber schon am Morgen, also zum Frühstück in einer geräumigen Wohnküche“, sagt Annette Attanasio. Dort würden auch die weiteren Mahlzeiten eingenommen, so die künftige Hausleiterin.

Hier kommen Alltagspflegerinnen zum Einsatz, nachdem ihnen die Pflegefachkräfte und die Pflegehelferinnen die Bewohner gebracht haben. Das Haus Maria im Pflegezentrum Bethanien wird übrigens von der Diak Altenhilfe Stuttgart betrieben.

Die meisten Bewohner sind 80 Jahre alt oder älter und in mancherlei Art in ihren körperlichen und kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt. „Alltagsbegleiterinnen helfen ihnen, ihr Leben so eigenständig wie möglich zu gestalten“, sagt Katharina Lang, Leiterin Alltag und Wohnen im Paulinenpark, einer weiteren Einrichtung der Diak Altenhilfe. Das heißt, bei Interesse gemeinsam einen Blick in die Tageszeitung zu werfen, zu singen, Rätsel zu lösen, beim Backen oder bei der Salatzubereitung zu helfen, Würfelspiele zu machen.

Sigrid Lunke sitzt im Kreis mit einigen Bewohnern. Das Frühstück ist beendet, bis zum Mittagessen dauert es noch ein bisschen. Zeit fürs Vorlesen und Gedächtnisspiele. „Wenn ich das richtige Thema erwische, erzählen manche ohne Ende, aber manchmal haben sie auch keine Lust“, erzählt sie vom Alltag. Und ergänzt: „Ich lasse sie, sie müssen nicht, sie dürfen.“

Seniorenhilfe, Alltagsbegleitung. Foto: Brigitte JähnigenAlltagsbegleitung, Senioren. Foto: Brigitte JähnigenSeniorenhilfe, Alltagsbegleitung. Foto: Brigitte Jähnigen

Wen hält Sigrid Lunke für geeignet, um die Ausbildung zur Alltagspflegerin oder -pfleger zu absolvieren? „Ich denke da an jüngere Leute mit Kindern, die Beruf und Familie vereinbaren wollen und Empathie für alte Menschen haben“, antwortet sie. Jessica Schühle, stellvertretende Leiterin Alltag und Wohnen, kennt noch ein anderes, wichtiges Kriterium: „Eine gute Kenntnis der deutschen Sprache.“ 80 Prozent aller Bewohner sind deutscher Herkunft. Vor allem im Alter zeigt sich die Bedeutung der Muttersprache. „Alltagsbegleiterinnen müssen auch Biografien lesen können und am Computer Dokumentationen verfassen“, sagt Jessica Schühle. Und das Liedgut kennen, das die Bewohner in Kindheit und Jugend gelernt haben und nun gern wiederhören. Auch hauswirtschaftliche Qualitäten sollten Alltagsbegleiterinnen haben. Die Mahlzeiten werden nicht mehr von der Großküche geliefert, sondern in den Wohnküchen zubereitet und an den Tischen gereicht. Auch das leidige Spülen und Aufräumen muss erledigt werden.

Im November soll das Haus Maria öffnen. 120 Pflegezimmer in Einzelzimmern sowie einige Partnerzimmer stehen zur Verfügung. Gesucht werden noch Alltagsbegleiterinnen in Teilzeit. „Sie können die Ausbildung auch berufsbegleitend absolvieren“, versichert Annette Attanasio. Auf die Neuankömmlinge warteten ein freundliches Kollegenteam, ein interessanter Arbeitsplatz, eigene Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Teams, vielfältige Fortbildungsmöglichkeiten und eine angemessene Vergütung. „Ich finde diese Arbeit nicht nur sinnstiftend, sie ist auch spannend“, sagt Sigrid Lunke. „Wenn ich morgens komme, weiß ich nie, was der Tag bringt.“ □

◼ Weitere Informationen finden Sie unter: www.diak-altenhilfe.de

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