Christliche Themen für jede Altersgruppe

Erlebnis geht über Ergebnis

Vor 100 Jahren wurde im Umfeld des CVJM der Eichenkreuz-Verband gegründet. Bis heute finden christliche Sportveranstaltungen in Württemberg unter diesem Titel statt. Es gibt sogar eigene Ligen für Fußballer, Handballer, Volleyballer und Indiaca-Spieler.

Sportarten im Zeichen des Eichenkreuzes: Volleyball, Skifahren und Fußball mit einer Andacht vor dem Anpfiff. (Foto: Harald Keppeler)


Die Spieler sitzen auf dem Rasen und falten die Hände. Der Mannschaftskapitän schlägt die Bibel auf und liest eine kleine Andacht. Ein Innehalten kurz vor dem Anpfiff und ein Zeichen dafür, dass hier etwas anders ist als sonst auf dem Fußballplatz.

Geistliche Besinnungen gehören zum Standard-Repertoire eines Spiels in der Eichenkreuz-Liga. Dort treffen Mannschaften aufeinander, die nicht nur die Begeisterung für den Sport teilen, sondern auch Grundüberzeugungen im christlichen Glauben. Die einen mehr, die anderen weniger. Wo gekickt wird, stoßen auch gerne die dazu, die sonst vielleicht nicht in die Kirche gehen. Rund 30 Fußballmannschaften gibt es in der württembergischen Eichenkreuzliga, 180 Handballteams, 60 Volleyballmannschaften und 40 Indiaca-Gemeinschaften. Dazu kommen eine vielfältige Wintersportszene und Projekte im Rahmen von Sportcamps. Fast 10 000 christliche Sportlerinnen und Sportler sind so aktiv – eine eigene Welt des Mannschafts- und des Breitensports, die zu den wesentlichen Säulen des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg (EJW) gehört.

Unter dessen Dach findet der Eichenkreuz-Sport statt, nachdem er ursprünglich als christlicher Sportverband der evangelischen Jugendbündnisse im Umfeld des CVJM gegründet wurde. 1921 war das, vor 100 Jahren. So althergebracht wirkt auch der Begriff, dessen Bedeutung man heute nur noch schwer versteht: Das Kreuz stand für den Glauben und die Eiche für die Stärke, die der Sport vermittelt.

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Wer das nicht weiß, denkt allerdings oft in die falsche Richtung, assoziiert mit dem Eichenkreuz etwas Militärisches, Forstwirtschaftliches oder Schützenbündlerisches. Deshalb hat sich der CVJM-Bundesverband 2006 von dieser Bezeichnung verabschiedet. Württemberg hielt an ihr fest, wollte sie mit neuen Inhalten füllen, doch die Probleme blieben, weshalb auch hierzulande Überlegungen für eine Umbenennung im Gange sind.

Henrik Struve verantwortet als Landesjugendreferent den Bereich Sport beim Evangelischen Jugendwerk. So schwer er sich selbst mit dem bisherigen Begriff tut, so wichtig und richtig hält er die Idee, die hinter der Eichenkreuzbewegung steckt: Sport, bei dem es nicht nur um Wettkampf geht, „wo nicht immer nur die Besten zum Einsatz kommen“, wie er sagt.

„Erlebnis geht über Ergebnis“, heißt auch die Devise, die bis heute gilt. Alles ist hier etwas entspannter, weniger verbissen und kampfbetont. „Was nicht heißt, dass es keine Emotionen gibt“, sagt Struve. Nur hat hier alles seine Grenzen, ist Fairplay unterm Strich wichtiger als der Sieg um jeden Preis.

Als Struve vor über 15 Jahren anfing, war der Eichenkreuzsport eine in sich geschlossene Gesellschaft. Das hat sich geändert. Inzwischen gibt es auch Kontakte zu den weltlichen Sportvereinen. So spielen zuweilen ambitionierte Eichenkreuzler und CVJM-Mannschaften in weltlichen Ligen mit, während andererseits Vereinsvolleyballer in die Eichenkreuzliga wechseln.

Dort geht es zumeist entspannter zu mit weniger Spieltagen, Wettkampfund Trainingsterminen. Alles ist durchlässiger geworden, „eine gute Entwicklung“, wie Henrik Struve findet. Wo man sich vor Jahren bewusst abgrenzte, den jeweils anderen als Konkurrenz betrachtete, mit dem man nichts zu tun haben wollte, gibt es nun immer öfter eine Annäherung und einen Austausch zwischen christlichen und weltlichen Sportlern.

So ist „Eichenkreuz Württemberg“ (EK Württemberg) längst auch Mitglied im Württembergischen Landessportbund. Der aktuelle Präsident des Schwäbischen Skiverbands, Jochen Müller, kommt ursprünglich selbst vom Eichenkreuz-Sport und viele Teilnehmer der Skifreizeiten wechseln ganz selbstverständlich zwischen christlich und weltlich, evangelisch, katholisch oder methodistisch hin und her.

Eichenkreuz im Wandel. In Einzelfällen wird auch die Aufnahme von Sportlern mit muslimischem Hintergrund erprobt, was immer dort eine Herausforderung ist, wo es um die Verkündigung des christlichen Glaubens geht. Doch der Sport ist ein ideales Feld, um Toleranz einzuüben. Fairplay im Umgang mit dem Gegner und denen, die einen anderen Glauben haben. Eine spannende Herausforderung für die Zukunft.

Der Eichenkreuz-Sport in Württemberg ist dabei so vielfältig wie die Landeskirche selbst. Das Gros bilden noch immer die CVJM-Gruppen, die hierzulande jedoch mit dem Evangelischen Jugendwerk an einem Strang ziehen. So gibt es in Württemberg zwar einen eigenen CVJM-Landesverband, der jedoch fest in die Strukturen des EJW eingebunden ist.

Natürlich war der Eichenkreuz-Sport vom Corona-Lockdown ebenso betroffen wie alle anderen Freizeit- und Amateursportarten. Das Jubiläum zum 100-jährigen Bestehen konnte deswegen noch nicht so gefeiert werden, wie man es ursprünglich vorhatte. Immerhin wird jetzt wieder angepfiffen. Gleich nach der Andacht. In Gottes Namen. □

Information

Das Evangelische Jugendwerk Württemberg sammelt Erinnerungen und Bilder aus 100 Jahren Eichenkreuzsport. Wer etwas hat, kann es per E-Mail schicken an sport@ ejwue.de oder per Post an Evangelisches Jugendwerk in Württemberg, Sportreferat, Haeberlinstraße 1-3, 70563 Stuttgart. Für die Saison 2021/22 sind Jubiläumsaktionen geplant. Mehr unter www.ejw-feiert.de