Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ermuntert euch! - Impuls zur Predigt

Epheser 5,15-20 So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und kauft die Zeit aus, denn die Tage sind böse. Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen. Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.

Ermuntert euch!

Impuls für den 18. Sonntag nach Trinitatis: Epheser 5,15-20.

Von Peter Schaal-Ahlers

Peter Schaal-Ahlers ist Pfarrer am Ulmer Münster. Foto: Privat

Seht sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, legt der Epheserbrief seinen Lesern ans Herz. Weise sollen die Christen leben. Sie sollen nicht gedankenlos vor sich hin trielen, sondern mit wachem Geist durchs Leben gehen. Wie aber lebt man weise? In jeder Bahnhofsbuchhandlung stapeln sich Ratgeber mit den unterschiedlichsten Lebensweisheiten. Der Epheserbrief aber empfiehlt seinen Lesern, ihr Leben so zu führen, dass es Gottes Willen entspricht. Vom Geist Gottes sollen sie sich beflügeln lassen.

Peter Schaal-Ahlers ist Pfarrer am Ulmer Münster. Foto: privatViele Menschen ziehen sich gerne ins Private zurück. Diese Tendenz hat sich durch die Corona-Pandemie noch verstärkt. Der Schreiber des Epheserbriefs aber fordert dazu auf, Gemeinschaft mit anderen zu suchen. Das gemeinsame Beten der Psalmen verbindet über Generationen hinweg. Wer die alten Texte nachspricht, erkennt, dass andere Menschen zu anderen Zeiten schon Ähnliches durchgemacht haben. Vielleicht kann ich heute nicht beten? In der Gemeinschaft erfahre ich, dass andere für mich beten. Und auch das Singen verbindet. Wer gesungen hat, geht verändert in den Alltag zurück. So wirkt Gottes Geist.

Menschen neigen dazu, in ihrem Leben nur das Schwierige zu sehen. Das kostet viel Kraft. Zudem kann man sich verlieren, wenn die Gedanken endlos um Misslungenes kreisen. Auch hier hat der Epheserbrief einen anderen Plan. Er rät dazu, dankbar zu sein. Wer auf das Gelungene sieht, kann sich daran freuen. Dankbarkeit ist keine lästige Pflicht. Dankbarkeit ist vielmehr ein tiefes Lebensgefühl, das nahe beim Glück wohnt. Manchmal wird es sogar gelingen, auch das Schwere dankbar anzunehmen. Das wäre viel.

Wie ein weises Leben gelebt wird, hat Papst Johannes XXIII. in einem schönen Text festgehalten. Zehn Mal heißt es darin: „Nur für heute“. Wer weise lebt, lebt im Jetzt offen und zuversichtlich vor Gott und der Welt. Johannes XXIII. schreibt: „Nur für heute werde ich große Sorgfalt in mein Auftreten legen: vornehm in meinem Verhalten; ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern – nur mich selbst.“

Weise leben

Wer weise lebt, weiß, dass es genug vor der eigenen Tür zu kehren gibt. Weise zu leben ist nie oberlehrerhafte Besserwisserei. Es könnte sogar sein, dass zur Kunst des weisen Lebens auch die Freundlichkeit gehört. Bestimmt gehört zur Weisheit aber die Erkenntnis, dass die Dinge oft anders liegen als sie auf den ersten Blick wirken. „Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott sieht das Herz.“ Wer weise ist, weiß, dass Gott der letzte Richter ist. Dieses Wissen befreit davon, andere moralisch zu verurteilen. Schließlich bedeutet weise zu leben, frei zu sein. Johannes XXIII. hat es so formuliert: „Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist – und ich werde an die Güte Gottes glauben.“ Wohl dem Menschen, der auf Gottes Güte vertraut.

Herz, Buch, Geschenk, Liebe. Foto: congerdesign, pixabayFoto: congerdesign, pixabay

Gebet

Nur für heute werde ich fest glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten –, dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

Johannes XXIII. (aus: Evangelisches Gesangbuch, S. 1199)