Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Es geht nicht nur um Erfolg“

BAD TEINACH – Die Hotelfachfrau Jutta Knight ist nach Jahren der Wanderschaft nach Württemberg zurückgekehrt. Sie hat sich in Althengstett niedergelassen und arbeitet als Rezeptionschefin in Bad Teinach. Ihren Nachnamen hat sie aus England mitgebracht, ihren Ehemann auch. Die Geschichte eines ungewöhnlichen Lebensweges, dessen Grundlage der christliche Glaube ist.  Von Andreas Steidel


Lebenslauf mit vielen Stationen: Die Hotelfachfrau Jutta Knight war lange in England und Berlin. Der Glaube hat sie immer getragen. (Foto: Gemeindeblatt)

Hätte die Schulfreundin mal nur nicht so negativ über ihr Praktikum im Hotel gesprochen! Doch weil sie das tat, wurde Jutta neugierig und wollte wissen, wie es denn wirklich ist, wenn man in einem Hotelbetrieb arbeitet. Nach harten Diskussionen zu Hause darf sie endlich dort anfangen. In einem christlich geführten Haus in Wüstenrot bei Schwäbisch Hall, etwas anderes hätten die im Pietismus verwurzelten Eltern nie erlaubt.

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Es ist der Anfang einer erstaunlichen Karriere und eines bemerkenswerten Lebensweges. Die erste Ausbildung bricht sie ab, „weil man mich da nur ausgenutzt hat“. Doch die zweite ist erfolgreich und sorgt dafür, dass Jutta Dorau, wie sie damals hieß, fortan nichts mehr anderes machen will: Der Beruf fasziniert sie, und die Begenung mit Menschen auch. Die Freundin, sie hatte einfach komplett unrecht!

Nach dem Ausbildungsende 1992 geht sie nach England. Zunächst als Aupair-Mädchen, die Sprache lernen, damit sie künftig auch im Ausland arbeiten kann. Neben der Sprache lernt sie auch ihren Mann kennen, er gehört der gleichen christlichen Pfingstgemeinde an wie sie selbst. Aus Jutta Dorau wird nun Jutta Knight, oder Frau Ritter, wenn man es wörtlich übersetzen würde.

Nur kurze Zeit jobbt sie in England auf anderen Gebieten, dann geht sie zurück in die Gastronomie: „Es hat mir einfach gefehlt“. Erst steht sie in einem Pub hinter der Theke, doch da sind ihr die Umgangsformen doch etwas zu rustikal. Es folgen fünf Jahre in der Caféteria der Kathedrale von Chester. Eine majestätische Umgebung und eine ungewöhnliche dazu. Kaum denkbar, dass in einer deutschen Kirche, die noch als solche in Betrieb ist, Ähnliches möglich wäre.

1999 folgt der Wechsel nach Berlin, sie will dort mit ihrem Mann Simon eine christliche Gemeinde aufbauen. Gleichzeitig fängt sie wieder in einem christlich geführten Haus an zu arbeiten: Das VCH-Hotel Wilmersdorf, der heutige Carolinenhof.

Neun Jahre ist sie dort tätig, sie hilft das Haus zu professionalisieren und aus einer Begegnungsstätte einen richtigen Hotelbetrieb zu machen. Bis die Familie ruft: Der Bruder ihres Mannes stirbt jung und die Schwägerin mit ihren zwei kleinen Kindern braucht Hilfe. Jutta und in Mann zögern keine Sekunde.

 Es ist der erste Anlauf zurück nach Württemberg, wo sie 1973 in Crailsheim geboren wurde. Mit ihrem Mann wohnt sie zunächst in Korntal. Der neue Arbeitgeber ist wieder ein evangelisches Unternehmen: Das „Christliche Gästehaus Monbachtal“ in Bad Liebenzell. Dort wäre sie vielleicht noch heute, hätten Freunde nicht ein christliches Gästehaus im Allgäu aufgebaut. Sie unterstützt sie bei der Erfüllung ihres Lebenstraums.

Danach kehrt sie mit Simon erneut zurück in die Heimat, betet für einen guten neuen Weg und stößt auf die Stelle der Empfangsleiterin im Hotel Therme in Bad Teinach im Schwarzwald. Es ist ein großes Vier-Sterne-Haus mit 118 Zimmern und einem Team von acht Leuten an der Rezeption.

Es ist das erste Mal, dass sie in einem Hotel arbeitet, das keinen explizit christlichen Hintergrund hat. „Eine Herausforderung“, sagt sie, „aber man kann auch hier Christ sein.“ Seine Werte weitergeben und zeigen, dass das eigene Leben noch auf etwas Anderes gründet als nur auf beruflichem Erfolg.

Die neue Stelle ist eine Stelle mit Verantwortung, auch für die Mitarbeiter. Sie zu schützen gehört zu ihren wichtigsten Aufgaben. Der Kunde ist König: Sie hat den Satz zu hinterfragen gelernt und erwartet Respekt auch von denen, die als Gäste ins Haus kommen. Gastfreundlich gerne, aber dann muss auch der Gast freundlich sein.

In ihrer freien evangelischen Gemeinde in Althengstett ist sie mit ihrem Mann ebenfalls sehr aktiv. Eine Weile haben sie sogar einen Begegnungsabend angeboten, der den beziehungsreichen Titel trug: „Knightlife“. Wie auch sonst!