Christliche Themen für jede Altersgruppe

Fairness in der Gemeinde - Von der Ich-AG zum Fairtrade-Town

BAD DITZENBACH (Dekanat Geislingen) – Sie begann als „Ich-AG“: Gudrun Lamparter hat vor über 30 Jahren die Initiative „Fairer Welthandel“ bei der evangelischen Christusgemeinde ins Leben gerufen. Mittlerweile darf sich der ganze Ort als faire Gemeinde bezeichnen.

Gudrun Lamparter vor ihrem „Fair-Stand“ auf dem Wochenmarkt. Foto: Brigitte ScheiffeleGudrun Lamparter vor ihrem „Fair-Stand“ auf dem Wochenmarkt. Foto: Brigitte Scheiffele

Ihr Schlüsselerlebnis war die Fahrt nach Bad Cannstatt. Über 30 Jahre ist das her. Gudrun Lamparter besuchte die Gepa, die Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt. Auf der Heimfahrt nach Bad Ditzenbach hatte sie Tee, Honig und Kaffee in der Einkaufstasche. So startete die überzeugte Christin als „Ich-AG“ in der Christusgemeinde mit dem Verkauf.

Zuerst hätte sie nur wenige Leute begeistern können, erinnert sich die 64-Jährige. Sie erweiterte ihr Sortiment, etwa um Schokolade, Reis und Sesamriegel sowie fair gehandelte Bananen von kleinen Produzenten. Nach und nach fanden sich mehr Produktliebhaber in der Reihe der Kundschaft. Sie gewann Mitstreiterinnen, das Team wuchs.

Der „Fair-Stand“ fand 2002 Platz auf dem Wochenmarkt in Bad Ditzenbach. Im Angebot: Glasschmuck-Ketten aus Ghana, Ledersachen aus Indien, Filzprodukte aus Nepal, Tücher aus Asien, Mangostäbchen und Trockenobst von den Philippinen.

Die kleine Holzhütte ist ein exotischer Farbtupfer. Gudrun Lamparter und ihre Mitstreiterin Gerda Schmid können zu den Körben aus Marokko, den Schilfgrastaschen mit Henkeln aus Ziegenleder und den Kissen aus reiner Wolle einiges erzählen.

Bad Ditzenbach darf sich seit November 2020 „Fairtrade Town“ nennen – Nummer 708 in Baden-Württemberg. Dafür hat Gudrun Lamparter mit Rathausmitarbeiterin Sandra Ullmann und weiteren Ehrenamtlichen Überzeugungsarbeiten geleistet. 17 Händler im Ort nahmen fair gehandelte Produkte in ihr Sortiment auf. Zudem wird in der Kommune bei allen Sitzungen fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt. Auch Schulen, Vereine und Kirchen nutzen fair gehandelte Produkte und informieren über fairen Handel. „Bildungsarbeit spielt eine bedeutende Rolle“, sagt Gudrun Lamparter. „Die Menschen müssen stärker informiert werden. Am besten fängt man schon bei den Kindern an.“

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Immer mehr Menschen in der Gemeinde unterstützen den fairen Handel. Während der Corona-Pandemie sei noch klarer geworden, „wie eng man auf der Welt zusammengerückt ist. Alle sind betroffen, alle sind wir voneinander abhängig, viele Dinge laufen nicht mehr wie gewohnt“, sagt Gudrun Lamparter.

Fair Trade - Für ein Leben in Würde

In ärmeren Ländern sei die Bevölkerung schlecht dran. Globaler Handel und Reichtum nähmen auch in Pandemiezeiten weiter zu, der Wohlstand bleibe ungerecht verteilt. „Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst immer weiter. Die Bedingungen im Welthandel tragen nicht zur Beseitigung dieser Probleme bei“, sagt Gudrun Lamparter.

Überzeugt: Gudrun Lamparter steht mit ihrem „Fair-Stand“ auf dem Wochenmarkt. Foto: Brigitte ScheiffeleÜberzeugt: Gudrun Lamparter steht mit ihrem „Fair-Stand“ auf dem Wochenmarkt. Foto: Brigitte Scheiffele

Fairer Handel hingegen sei ein Baustein für ein gerechtes und nachhaltiges Wirtschaftssystem. „Alle Menschen weltweit sollten durch ihre Arbeit in Würde leben können“, fordert die 64-Jährige. Um das zu erreichen, müssten die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Produzenten verbessert und ihre politische Position gestärkt werden. Im fairen Handel gibt es spezialisierte Unternehmen, die Waren von ihren Handelspartnern in aller Welt abnehmen, teilweise weiterverarbeiten und dann in Deutschland vertreiben. Die Produzenten und Handelspartner in den ärmeren Ländern sollen gestärkt werden.

Auch die Gleichberechtigung der Geschlechter, faire Preise und ein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld werden gefördert. Menschen und Umwelt sind wichtiger als Profit. □

◼ Mehr zu fairen Gemeinden unter www.fairtrade-towns.de und unter www.diakonie-wuerttemberg.de