Christliche Themen für jede Altersgruppe

Fit werden für den Alltag - Mieterschulung für geflüchtete Menschen

FREUDENSTADT – „Mieterschulung für geflüchtete Menschen“ ist ein erfolgreiches Projekt der Diakonischen Bezirksstelle Freudenstadt. Es hilft dem Geflüchteten ebenso wie den Vermietern. Gefördert wird es aus dem landeskirchlichen Fonds „Kleinprojekte mit und für Flüchtlinge“.

Schwieriger Stoff humorvoll vermittelt: Geflüchtete Frauen lernen mit Annette Burkhardt.
Foto: Bärbel Altendorf-Jehle

Gelber Sack? Grüne Tonne? Was gehört wohin? Mülltrennung ist eines unter vielen Themen, die im Projekt „Mieterschulung für geflüchtete Menschen“ vermittelt werden. Die Diakonische Bezirksstelle Freudenstadt hat das Projekt ins Leben gerufen, um Geflüchteten zu helfen, sich besser in Deutschland zurecht zu finden.

Mieterschulung für ein gutes Miteinander

Geflüchtete haben andere Sorgen. Annette Burkhart von der Diakonie Freudenstadt vermittelt ihnen in Schulungen, dass vermeintliche Kleinigkeiten Unmut zwischen den Mietparteien auslösen können. Der Vermieter ärgert sich, wenn die Mülltrennung nicht ordnungsgemäß erfolgt und der Müll aus diesem Grund nicht abgefahren wird. Für Geflüchtete ist das teilweise völliges Neuland. Auch Themen wie richtiges Heizen, Lüften nach dem Duschen, um Schimmelbildung zu vermeiden, und dass in deutschen Mietshäusern auf Ordnung Wert gelegt wird, sind Inhalte der Schulung.

Wissenslücken füllen durch die Mieterschulung

Neben diesen praktischen Dingen werden die Flüchtlinge auch darin unterrichtet, sich für ausgeschriebene Wohnungen zu bewerben, mit Vermietern zu telefonieren und Mietverträge zu verstehen. Was bedeuten in einer Anzeige die Abkürzungen „ZKB“ („Zimmer Küche Bad“) und „EBK“ („Einbauküche“)? Bei mangelnder Sprachkenntnis kein leichtes Unterfangen, auch Annette Burkhardt von der Fachberatung Flüchtlinge und Ehrenamt kommt hier an die Grenzen. In der Regel greift sie dann auf Ehrenamtliche zurück, die Flüchtlingen bei der Suche nach Wohnraum helfen und diese begleiten.

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Doch selbst mit deutscher oder einheimischer Begleitung ist es schwer, Wohnraum zu finden. Dekan Werner Trick sagt: „Auch auf dem Land gibt es kaum noch bezahlbaren Raum für Menschen mit schmalem Geldbeutel. Nahezu unmöglich ist es für die Flüchtlinge, diesen zu finden.“ Dabei sei eine Wohnung, so Landesbischof Frank Otfried July, mehr als ein Dach über den Kopf, es habe etwas mit Lebensgestaltung zu tun. In der Gemeinschaftsunterkunft Sattelacker Hof in Lützenhardt sind es vor allem Frauen, die während der Schulung mit dem Arbeitsheft der Diakonie arbeiten. Sie werden von ihren kleinen Töchtern, die schon gut Deutsch können, tatkräftig unterstützt. „Papier kommt in die blaue Tonne“ ruft ein Mädchen und zeigt ihrer Mama, wo sie das Kreuzchen machen muss.

Annette Burkhardt nimmt sich Zeit für jede Frau, erklärt manchmal auch mit Händen und Füßen und Bildern, wenn die deutschen Sprachkenntnisse noch nicht so gut sind. Die Frauen konzentrieren sich, sind erstaunt über die zahlreichen Regeln. In ihrer Nachbarschaft sehen sie, wie gut das Zusammenleben dadurch funktioniert.

Projekt Mieterschulung fand Anerkennung

Das Projekt „Mieterschulung für geflüchtete Menschen“ hat Anerkennung gefunden, das zeigt sich auch daran, wer extra nach Freudenstadt gekommen war, um persönlich den Scheck über 2000 Euro zu überreichen und sich über das Projekt zu informieren. Neben Landesbischof July war auch Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg, gekommen, ebenso Landrat Klaus Michael Rückert und Bürgermeisterin Stephanie Hentschel. Alle würdigten das Engagement. Dass der Landesbischof persönlich vorbeikomme, um den Scheck zu überreichen, zeige die Wertschätzung der Asyl- und Flüchtlingsarbeit, aber auch, dass die Landeskirche den ländlichen Raum nicht aus dem Blick verliere, sagte Dekan Trick.



Bei der Scheckübergabe: (von links) Dekan Werner Trick, Landesbischof Frank Otfried July, Annette Burkhardt, Oberkirchenrat Dieter Kaufmann und Tobias Ditlevsen von der Diakonie. Foto: Pressebild

Die Freudenstädter Bürgermeisterin Stephanie Hentschel zeigte sich dankbar, dass die Kirche sich einbringe und gesellschaftliche Aufgaben übernehme. Ohne deren Einsatz wäre das für eine Kommune allein nicht leistbar. In Freudenstadt, das einst durch protestantische Glaubensflüchtlinge gestaltet wurde, stellte der Landrat eine große Willkommenskultur fest, die den Landkreis miteinschließe. So habe man bei der Ankunft der Asylsuchenden keine Turnhallen benötigt, um die Menschen unterzubringen. Rückert: „Christliche Nächstenliebe wird gelebt, wenn wir in den Fremden uns gegenüber unsere Nächsten sehen.“

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