Christliche Themen für jede Altersgruppe

Flüchtlinge in Privatquartieren

Wo sollen Flüchtlinge leben? Diese Frage treibt viele Menschen, Kommunen und Landkreise um. Eine Möglichkeit ist es, städtische oder landkreiseigene Gebäude umzubauen. Eine andere, sie in Privatquartiere aufzunehmen. Doch dieser Ausdruck ist nicht ganz korrekt, denn er suggeriert, dass zum einen Flüchtlinge im Wohnzimmer von Privatleuten untergebracht werden, zum anderen, dass die Unterkunft kostenlos ist. Beides stimmt nicht. Landratsämter oder Städte mieten komplette Wohnungen oder Häuser an, damit die Menschen ein Dach über dem Kopf haben. „Dafür zahlen wir dann auch die ortsübliche Miete“, sagt Andreas Fritz, Sprecher des Kreises Ludwigsburg. Das Landratsamt hat eigens einen Aufruf gestartet, um Wohnungen ausfindig zu machen.  Die Mietverträge für solche Wohnungen sind langfristig angelegt, auch wenn die Bewohner maximal zwei Jahre dort wohnen.

Nicht jede Wohnung ist für die vorläufige Unterbringung von Flüchtlingen geeignet, sagt Hubert Waldenberger, Sprecher des Landkreises Heilbronn. Zum Beispiel wegen technischer Details, wie eine Etagenheizung mit Holz oder Kohle. Dass Flüchtlinge zunächst mit anderen Flüchtlingen zusammen leben, habe Vorteile: So könne Sprachunterricht leichter angeboten werden, Hilfen für die Integration im Alltag seien einfacher zu bündeln und Ortsführungen auch. Allerdings sind in Baden-Württemberg nicht nur die Stadt- und Landkreise für Flüchtlingswohnungen zuständig, sondern auch die Kommunen. Sobald nämlich über einen Asylantrag entschieden wurde oder der Flüchtling bereits zwei Jahre in Deutschland lebt, muss er aus der vorläufigen Unterkunft des Landkreises ausziehen und sich eine eigene Wohnung suchen. „Wir vermitteln dabei natürlich“, sagt Hubert Waldenberger, Sprecher des Kreises Heilbronn. Denn dass Flüchtlinge leicht selbst eine Wohnung finden können, sei  ein Gerücht.

Im Landkreis Böblingen kommen die Mietverträge direkt zwischen Flüchtling und Vermieter zustande, wenn sie aus der Gemeinschaftsunterkunft ausziehen. „Die Menschen, die in Privatwohnungen unterkommen, bleiben dort für länger“, sagt Sprecherin Wiebke Höfer. Weil die Menschen sich auch selbst um ihre Wohnungen kümmern und es keine zentrale Stelle dafür gibt, kann sie nicht sagen, wie viele Menschen so untergekommen sind. Der Landeshauptstadt Stuttgart werden weniger als fünf Wohnungen pro Jahr für die Unterbringung von Flüchtlingen angeboten. Warum das so ist, will ein Sprecher nicht sagen, „das wäre reine Spekulation“. Im Kreis Heilbronn schwanken die Zahlen zwar täglich, aber es gibt so um die 50 Mietverträge zwischen Landkreis und Privateigentümern für Wohnungen und Häuser, in denen Flüchtlinge leben. In Ravensburg werden die Flüchtlinge generell in kreiseigenen Gebäuden untergebracht, solange noch nicht über ihren Asylantrag entschieden ist. Erst, wenn sicher ist, dass sie länger bleiben, können sie auch in privaten Unterkünften wohnen. Derzeit sind 160 Personen so untergebracht. Wie das Landratsamt Ravensburg an die Wohnungen kommt? Zum einen hat der Kreis Anzeigen geschaltet mit Wohnungssuchen. Zum anderen melden sich Privatleute, um Wohnungen anzubieten. Und der Kreis selbst reagiert auch auf Wohnungsanzeigen, erläutert Claudia Rossmann von der Pressestelle.