Christliche Themen für jede Altersgruppe

Flüchtlingen Freude schenken

Fußball verbindet: Im Gemeindehaus haben sich die Kinder zusammengetan, um miteinander zu spielen. Hier bei einer Pause. [Foto: Anika Lutz]

Es ist Samstag, 14 Uhr. Im breiten Gang des evangelischen Gemeindehauses geht es stürmisch zu: Eine Gruppe Jungen im Grundschulalter jagt laut johlend einem Softball hinterher. Fußball ist angesag. Die Kinder sind wie ihre Eltern Flüchtlinge, die in Unterkünften in und um Tuttlingen untergebracht sind. Sichtlich genießen sie es, sich hier auszutoben.
Ein Stockwerk weiter oben im großen Martin-Luther-Saal geht es ruhiger zu. An großen Tischen sitzen südeuropäische Männer im Anzug und Frauen mit Kopftuch neben Afrikanerinnen in fröhlich bunten T-Shirts, und dazwischen einige Deutsche. Gemeinsam essen sie Kuchen, trinken Kaffee und unterhalten sich in unterschiedlichen Sprachen, aber hauptsächlich auf Englisch und Deutsch und dazu mit Händen und Füßen.
Einige Kinder sitzen am Basteltisch bei Ingelore Heizmann. Die Rentnerin hilft schon seit einigen Jahren bei der Initiative Asyl mit. Sie betreut eine Familie aus dem Kosovo. „Wenn die Kinder hierher kommen, basteln sie erst konzentriert oder machen ein Puzzle, und dann wollen sie miteinander toben“, sagt sie.
Mitten in einer großen Runde sitzen etwas hilflos zwei junge Männer. Sie wohnen außerorts und sind mit einem weiteren jungen Flüchtling, Omar, und dem Tuttlinger Jimmy Akubeker hergekommen. Der lebt schon lange in Deutschland, stammt aber ursprünglich aus Eritrea. Schon eine ganze Weile kümmert er sich regelmäßig um den 17-jährigen Omar, der in einer Wohngruppe der diakonischen Jugendhilfe Tuttlingen Mutpol untergekommen ist.
„Anfangs habe ich Omar in seiner Gruppe besucht, inzwischen hole ich ihn ein- bis zweimal pro Woche zu mir nach Hause, da kriegt er etwas Familienleben mit.“ „Für die jungen Leute von außerhalb ist es besonders wichtig, hierher zu kommen und andere Gleichaltrige zu treffen“, sagt Pfarrer Jens Junginger aus der Steuerungsgruppe der Initiative Asyl.
Manchen sieht man direkt an, wie sie es genießen, unter Menschen zu kommen. Vergnügt in die Runde lächelnd sitzt Asiek Mohammadi mit ihrem Mann Ahmad, ihrer Schwester und deren Familie am Tisch. Obwohl sie in den drei Jahren, die sie hier ist, keinen Deutschkurs besuchen konnte, kann die Afghanin sich gut und klar verständigen. Auch ihr Mann spricht gut Deutsch. Sie kommen beide gerne ins Café, um Leute kennenzulernen, sagt er. „Das ist ein gutes Treffen. Hier sind viele Kulturen, viele Leute. Einige haben uns schon geholfen.“
Sein jüngerer Sohn möchte unbedingt im Verein Fußball spielen. Den Beitrag kann die Familie jedoch nicht bezahlen. Auf eigene Faust hat er beim Landratsamt eine Beihilfe beantragt. Die Antwort steht noch aus. „Das können auch wir bezahlen“, sagt eine Mitarbeiterin der Initiative Asyl.
In der Spielecke schauen sich zwei Jungen auf dem großen Perserteppich um. „Schaut mal, das Auto kann da runter fahren“, sagt Nathalie Braun zu den beiden. Schon sitzen sie zu dritt um die Rampe herum und lassen ihre Autos heruntersausen. Die junge Frau hat erst vor zwei Tagen bei einem Informationsabend der Kolpingfamilie in der Nachbargemeinde Nendingen vom Café International gehört. Und spontan mit ihrer Mutter den Entschluss gefasst, mitzuhelfen. „Man geht keine Verpflichtung ein, und ich finde es richtig schön hier“, sagt Renate Braun. Ihre Tochter stimmt zu. Sie wollen öfter kommen.
Der Aufruf in der Kolpingfamilie kam von Elke Schaldecker. Sie ist in der Steuerungsgruppe der Initiative Asyl und lernt bei sich zu Hause regelmäßig mit einem afrikanischen Grundschulkind lesen und schreiben. „Das ist reine Dankbarkeit, was man bei dieser Arbeit erfährt“, sagt sie. Deshalb versucht sie, auch andere für diese Arbeit zu gewinnen. Das Café International ist für sie der optimale Rahmen für ein gegenseitiges Kennenlernen. „Wenn man mit jemandem einfach in eine Familie reinläuft, ist das eine komische Situation. Hier kann man sich ungezwungen unterhalten und der Rest ergibt sich von selbst.“
Auch für Pfarrerin Heidi Hafner, die das Café International organisiert, passt der Rahmen – auch wenn sie für die warme Jahreszeit nach draußen möchte, „schon allein wegen der Kinder“. Dass man schon kurz nach dem Start im November 2014 vom kleinen in den großen Saal des Gemeindehauses umziehen musste, zeigt die positive Resonanz von allen Seiten. „Die Initiative Asyl gibt es bereits seit 1999“, sagt die Vorsitzende Rose Lovrekovic. „Als vor einem Jahr die große Flüchtlingswelle aus Syrien kam, haben sich viele Menschen gemeldet. Wir haben jetzt 40 Helfer.“ Vor Ort gebe es eine große Hilfsbereitschaft. Der unkomplizierte Rahmen des Cafés bringe beide Seiten zusammen „und es ist auch wichtig, dass die Leute aus dem Heim herauskommen.“
Es ist fast 17 Uhr. Alle zusammen räumen ganz nebenbei die Tische ab und rücken die Stühle wieder an den richtigen Platz. Und freuen sich auf das nächste Treffen in vier Wochen.

Informationen zum Café International unter Telefon 07461-927522.