Christliche Themen für jede Altersgruppe

Flusstaufe - Taufgottesdienst am Neckar

PLEIDELSHEIM (Dekanat Marbach) – Johannes der Täufer hat Jesus im Jordan getauft. Heutzutage ist das Untertauchen in einem Fluss bei einer Taufe eher unüblich, doch seit die Landeskirche die Taufordnung geändert hat, findet es wieder häufiger statt. Die Kirchengemeinde Pleidelsheim hat im Juli nun zum zweiten Mal einen solchen Taufgottesdienst am Neckar angeboten. Von Stefanie Pfäffle

Bierbänke stehen auf der Wiese, die dem Wassersportverein Pleidelsheim gehört. Ein Tisch mit hölzernem Kreuz, Blumen und der Bibel weist darauf hin, dass kein Vereinsfest, sondern ein Gottesdienst stattfinden wird. Von Ferne läuten die Kirchenglocken, als die ersten Gäste eintrudeln. Unter ihnen auch Louis. Der 13-Jährige ist einer der Hauptakteure an diesem Vormittag, denn er wird untergetaucht werden, in den Neckar. Das Konficamp hat in ihm diesen Entschluss reifen lassen. „Vorher hatte ich es nicht so richtig mit dem Glauben, aber da habe ich gemerkt, dass Gott in schwierigen Situationen bei mir ist“, erzählt er. Der Ort seiner Taufe sei ihm egal, aber in der Natur sei es schon schöner. So ganz einfach war die Entscheidung, ob es an diesem Tag sein soll, denn auch gar nicht, berichtet Mutter Andrea Gairing. „Eigentlich hatten wir September geplant, weil sein Taufpate in Australien ist, aber dann hat uns der Pfarrer mehr oder weniger überredet und Louis ist eh so ein Wasserfrosch“, erzählt sie lächelnd. Im Gegensatz zu ihrem Jüngsten sind die anderen beiden Kinder schon getauft worden, als sie jünger waren. „Bei ihm hat es sich durch die damalige familiäre Situation nicht ergeben, aber eigentlich ist es gut, dass er jetzt selbst entschieden hat.“

Inzwischen sind auch Tabea und Samuel Hartmann da. Das Ehepaar teilt sich die Pfarrstelle in Pleidelsheim und freut sich, dass die Resonanz auf ihr Angebot so groß ist. Sieben Täuflinge auf einmal, das habe es noch nie gegeben, ist er sich sicher. Für einen Taufgottesdienst am Neckar gibt es für die beiden zahlreiche Gründe. „Als Gemeinde darf man sich nicht hinter seine eigenen Mauern zurückziehen“, findet Tabea Hartmann. Ihre Gemeinde sei das auch schon gewohnt, denn unter dem Motto „Kirche unterwegs“ habe man vor allem während der Sanierung des Gotteshauses an vielen ungewöhnlichen Orten, mal über Skype im Wohnzimmer, dann im Fitnessstudio Gottesdienst gefeiert. „Es geht ja auch darum, Begegnung zu ermöglichen, Teil der Gemeinschaft im Ort zu sein.“ Der Neckar sei da nochmal etwas Besonderes. „Viele Menschen begegnen Gott in der Natur und wenn sich Jugendliche und Erwachsene taufen lassen, ist das sowieso ein besonderes Ereignis für eine Gemeinde.“ Zeuge zu sein, wie sie die Taufe wie Jesus erleben, sei sehr berührend. Das beleuchte zudem einen anderen Aspekt, denn ganz untertauchen sei schon etwas anderes als ein bisschen Wasser über dem Kopf. „Der Fluss ist ja auch nicht ganz ungefährlich, die Täuflinge werden reingetunkt und durchs Hochziehen gerettet“, sieht Tabea Hartmann auch eine höhere Ebene des Vorgangs. Die Bänke füllen sich. Einige haben Picknickdecken mitgebracht und machen es sich im Gras bequem. Sogar ein paar Hunde dürfen heute dabei sein. Die Sonne bricht durch und verbreitet Schwüle. Jeder Täufling schaut sich schon mal die Stelle am Neckar an, wo es später vonstattengehen soll. Oder wird hingetragen wie bei Lina und Emma. Die fünfmonatigen Zwillinge sind tiefenentspannt. Sie werden nicht untergetaucht. „Ich hätte sie auch im Neckar taufen lassen, aber es ist halt so dreckig, deswegen lieber doch nicht“, erzählt Mama Lisa Bürger. Sie und ihr Mann Heiko finden das ursprüngliche Ambiente aber sehr schön und freuen sich auf die besondere Taufe ihrer Töchter. Inzwischen stehen sieben Taufkerzen auf dem improvisierten Altar. „Mir ist ein bisschen warm, aber ich darf ja auch gleich baden“, scherzt Samuel Hartmann zu Beginn des Gottesdienstes. Der ist kindgerecht gehalten, es gibt viele Mitmachlieder wie „Einfach spitze, dass du da bist“, bei denen die Gemeinde bereitwillig mitzieht. Die Stimmung ist entspannt. Die Täuflinge werden nach vorne geholt. Jeder hat etwas Spezielles dabei, was ihm wichtig ist. Bei Familie Bürger sind es die Krankenhausbändchen der Zwillinge. „Sie haben einen Frühstart hingelegt und wir sind unheimlich stolz drauf, wie groß sie geworden sind“, erzählt Lisa Bürger der Gemeinde. Und ja, das Leben mit Zwillingen sei aufregend, manchmal auch anstrengend, aber eigentlich habe sie es sich schlimmer vorgestellt. Der Erwachsene in der Runde ist Hamze Hosseini. Der 20-Jährige ist Afghane aus dem Iran und lebt seit 15 Monaten in Pleidelsheim. Er ist sichtlich aufgeregt, konnte die ganze Nacht nicht schlafen und hat mit seiner Mutter telefoniert. Mit „der Glaube an Jesus“, begründet er seinen Schritt. Neben den dreien stehen noch Louis, Jannis (13), Reka (8) und die knapp zweijährige Louisa auf dem Arm ihrer Mama. Samuel Hartmann fragt alle, ob sie im Namen Gottes getauft werden wollen, und es ertönt ein einstimmiges „Ja, ich will.“ In ihrer kurzen Predigt erinnert Tabea Hartmann daran, dass die Kindheit jeden Menschen prägt. Eltern hinterlassen ihre Spuren, manchmal bis ins hohe Alter, positiv wie negativ. „Die frohe Botschaft lautet heute Morgen: Eltern haften für ihre Kinder – und wir haben einen Vater im Himmel, bei dem wir alle Kinder sein dürfen.“ Es kommt Bewegung in die Gesellschaft. Alle streben Richtung Flussufer. Wer muss, hangelt sich den kleinen Abhang hinunter. Emma, Lina und Louisa werden nicht in den Neckar getragen, doch das Wasser in der Holzschüssel, das Samuel Hartmann ihnen segnend über den Kopf träufelt, stammt aus dem Fluss. Reka traut sich immerhin schon auf den kleinen Steg und sagt dort stolz ihren eigenen Taufspruch auf. Dann entledigt sich der Pfarrer seines Talars, zieht andere Schuhe an und auch für Louis heißt es: Handy aus der Tasche und ab ins Wasser. Hartmann legt ihm die Hand auf den Kopf und dann – runter. Gar nicht so kurz. Prustend taucht der 13-Jährige wieder auf. Die Kinder am Rand kreischen vor Vergnügen. Dann sind Hamze und Jannis dran, dieselbe Prozedur. Die Gemeinde jubelt und klatscht. Alles klettert wieder nach oben. Ein bisschen sieht Samuel Hartmann aus wie ein begossener Pudel, wie er da am Altar steht und gemeinsam mit den Eltern und Paten die Taufkerzen anzündet. Die Gemeinde singt „Vom Anfang bis zum Ende“, es gibt was zu trinken und mitgebrachtes Gebäck. Hamze Hosseini grinst. „Es war richtig gut, aber auch kalt, für mich ist das ein wichtiger Tag.“ Das sieht Jannis ähnlich. „Ich habe gemerkt, dass Gott da war und immer noch da ist.“

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