Christliche Themen für jede Altersgruppe

Folge mir nach - Impuls zur Predigt

Lukas 9,57-62 Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

 

Folge mir nach

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Okuli: Lukas 9,57-62.

Annegret Weigl ist Pfarrerin an der Januariuskirche in Erdmannhausen. Foto: Privat

Erdmannhausen, Pfarrerin Annegret WeiglVoller Freude stehen sie im Kreis. Lachen ist zu hören. Eines der Kinder rennt um den Kreis herum und tippt einen Mitspieler an. „Komm mit!“ ruft es. Schon geht es los. Schnell rennt das Kind dem Mitspieler hinterher, folgt ihm und versucht vor ihm auf dem freien Platz zu sein. „Komm mit – lauf weg!“ Immer wieder sind diese Worte zu hören. Die Freude der Kinder lässt sich nicht in Worte fassen. Wie gerne habe ich früher dieses Spiel gespielt. Während ich die Kinder beobachte, kommen mir die Verse aus Lukas 9 in den Sinn. „Komm mit – folge mir nach!“ Wenn das außerhalb eines Spieles Jesus zu mir sagen würde, was würde ich tun? Was würdest Du tun, wenn Jesu zu Dir sagen würde „Komm mit, folge mir nach“? Würdest Du sofort freudig „Ja“ rufen und losrennen, dankend ablehnen oder vielleicht erst einmal zögerlich nachfragen?

Jemandem zu folgen ohne zu überlegen, hat eine schwere Vergangenheit bei uns in Deutschland. So etwas wollen und dürfen wir nicht mehr erleben. Da ist es gut nachzufragen, hinzuschauen und zu analysieren. Jesus fordert in Vers 58 dieses genaue Hinschauen. Nur wer genau hinschaut, weiß, worauf er sich bei der Nachfolge Jesu einlässt. Jesus zu folgen, hat Folgen. Für die Jünger und Jüngerinnen damals war es ein ungewisser Weg nach Jerusalem, immerhin hatte Jesus auf sein bevorstehendes Leiden (Lukas 9,22) schon hingewiesen.

Jesus zu folgen, hat Folgen

Jesus zu folgen hat sogar zur Folge, sich von allen anderen Bindungen, auch der stärksten wie der Familie, frei zu machen. Auf den ersten und zweiten Blick stoße ich mich an dieser Forderung und kann sie nicht in Verbindung bringen mit der Pietät und dem vierten Gebot. Doch vielleicht brauche ich genau diese innere Entrüstung, um meinen Blick zu weiten, um erkennen zu können: Beim Begräbnis der Eltern und beim Verabschieden und Loslassen der Lieben, da geht es immer um mich und die Meinen. Nachfolge heißt aber, aus diesem „um mich selbst kreisen“ auszusteigen, Gott und die Welt in den Blick zu nehmen. Das Miteinander in dieser Welt funktioniert nicht, wenn es mir nur um mich geht oder um die, die mir nahe sind. Jesus ist zu allen gegangen und hat alle zur Nachfolge aufgerufen.

Folge mir nach! Jesus zu folgen meint nicht nur die eine erweckende Glaubensentscheidung. Vielmehr sagt Jesus jeden Tag neu zu mir: Folge mir nach! Täglich neu folgen, das fordert mich heraus. Da bin ich in meinem Leben und mit meinem Leben gefragt. Setze ich bei meinen Einkäufen auf Nachhaltigkeit oder lasse ich mich vom Preis oder meiner Bequemlichkeit leiten? Gebe ich der Gottesbegegnung im Gebet und beim Bibellesen Raum oder sind Wäscheberge und vieles mehr drängender? Halten wir in unserer Kirche an Dingen fest, nur weil sie immer schon so waren, oder sind wir bereit uns zu öffnen, neue Wege zu gehen?

Dem zu folgen, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, ist nicht einfach, dessen ist sich Jesus bewusst. Auf diesem Weg der Nachfolge werden wir noch des Öfteren stolpern und hinfallen. Deshalb ging Jesus den für ihn bestimmten Weg bis ans Kreuz. Und wir? Bleiben wir sitzen oder sind wir gewillt zu folgen? Stehen wir immer wieder auf, wenn wir auf diesem Weg scheitern, oder laufen wir erst gar nicht los?

Ich wünsche mir für mich selbst und für Dich offene Ohren, damit wir Jesu Aufforderung: „Komm mit!“ hören. Ein freies Herz, damit die Füße ganz selbstverständlich einfach losrennen und ein Lachen, das mich und Dich dabei fröhlich macht.

Foto: Chris Barbalis/UnsplashFoto: Chris Barbalis/Unsplash

 

Gebet

Gott, schenke, dass wir Menschen gewohnte Wege verlassen,

neu beginnen, ganz neu, damit sich Himmel und Erde berühren und Friede werde unter uns.

 

In Anlehnung an Thomas Laubach, Neue Lieder 93

 

 

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