Christliche Themen für jede Altersgruppe

Frauenleben im Mittelpunkt - Buchprojekt "73 Frauenleben"

WAIBLINGEN – Es sind nicht immer die spektakulären Geschichten, die ein Buch lesenswert machen. Manchmal sind es auch die ganz alltäglichen. So wie in dem Buch „73 Frauenleben“, das der Bezirksarbeitskreis Frauen im Kirchenbezirk Waiblingen initiiert hat.

Sie alle haben an dem Buch „73 Frauenleben“ mitgearbeitet und von sich erzählt. (Foto: Sabine Armbruster)

Dem 100-Jahr-Jubiläum der Evangelischen Frauen in Württemberg ist es zu verdanken, dass das Buch „73 Frauenleben“ entstanden ist. Um das gebührend zu feiern, rief der Bezirksarbeitskreis Frauen (BAF) eine Erzählwerkstatt ins Leben. Monika Nuding-Rieger, die dort Mitglied ist, sagt: „Frauen werden in unserer Gesellschaft und auch in der Kirche viel zu wenig wahrgenommen.“ Das liege zum Teil auch an den Frauen selber, die ihre eigene Leistung viel zu gering einschätzten. „Was hab‘ ich denn groß zu erzählen“, sei eine oft zu hörende Reaktion gewesen, als Frauen des Kirchenbezirks für die Aktion kontaktiert wurden.

Doch immerhin zwanzig Frauen zeigten Interesse, zu der vom BAF organisierten Erzählwerkstatt zu kommen. Und die erwies sich als genau richtig, um ihnen vor Augen zu führen, wie bedeutsam ihr Leben ist. Jeweils drei Frauen bildeten eine Gruppe, in der jede drei Minuten lang erzählen sollte. Beispielsweise darüber, wer sie geprägt hat, welche Schwierigkeiten sie im Leben zu überwinden hatte oder welche Erfahrung sie gern an andere Frauen weitergeben würde. Als Zeitmesser diente eine Sanduhr.

Erzählen hat auch etwas Befreiendes

Für einige Teilnehmerinnen sei es am Anfang unvorstellbar gewesen, so lange über sich selbst zu reden, sagt Monika Nuding-Rieger. Doch als erst einmal der Anfang gemacht gewesen sei, habe es so viele Verknüpfungen gegeben, dass niemand mehr auf den rieselnden oder schon ruhenden Sand geachtet habe.

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Nach dem ersten Erzählen im geschützten Raum des Jakob-Andreä-Hauses in Waiblingen folgte der nächste Schritt: das öffentliche Erzählen im Nonnenklösterle. Antje Fetzer, Pfarrerin an der Michaelskirche in Waiblingen, kam auf die Idee, die Geschichten aufzuschreiben und ein Buch daraus zu machen.

Immer mehr Frauen schrieben. Andere ließen sich interviewen, und das Redaktionsteam mit Antje Fetzer, Monika Nuding-Rieger, Susanne Grießhaber, Sylvia Nölke und Johanna Ziwich schrieb das Erzählte dann auf, was für sie eine neue und vor allem eine verantwortungsvolle Aufgabe war. Schließlich waren es 73 Frauen, die sich geöffnet und Einblicke in ihr Leben oder Momentaufnahmen daraus gewährt haben – und von der Erfahrung beglückt waren. „Erzählen hat ja auch etwas Befreiendes, Therapeutisches“, findet Monika Nuding-Rieger.

Das kann Mechthild Behr, eine der Erzählerinnen, bestätigen: „Auch wenn ich schon immer viel reflektiert habe, war das beim Schreiben nochmal ganz anders. Ich konnte dabei die Krisen annehmen und stärker werden“, sagte sie bei der Präsentation des Buchs.
Selmi Bozat betonte, sie sei froh über ihre Teilnahme an dem Projekt. Denn im Leben der anderen Frauen könne man viel für sich selber entdecken: „Das zeigt das allgemein Menschliche – und dass man im Kern gar nicht so unterschiedlich ist, egal, woher man kommt.“

Vor allem jedoch zeigt das Buch, dass es sich lohnt, Frauen und ihre Erfahrungen in den Mittelpunkt zu rücken. Denn ohne sie, das wird klar, wäre auch die evangelische Kirche in Württemberg nicht das, was sie heute ist.

Das Buch „73 Frauenleben“ ist ein voller Erfolg, rasch war die erste Auflage vergriffen. Nun liegt die zweite vor.

Buch-Tipp

„73 Frauenleben“ ist im Iris-Förster-Verlag Waiblingen erschienen, hat 300 Seiten und kostet 16 Euro. Das Buch ist im Buchhandel erhältlich; ISBN 978-3-938812-40-2.

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